Der Ernst­fall ist da: Die schon länger in Osteu­ro­pa kursie­ren­de Afrika­ni­sche Schwei­ne­pest ist in Branden­burg angekom­men. Die Behör­den wollen das Gesche­hen schnell eindäm­men, Bauern machen sich Sorgen.

Die Afrika­ni­sche Schwei­ne­pest (ASP) hat Deutsch­land erreicht. Die für Menschen ungefähr­li­che Tierseu­che wurde erstmals bei einem toten Wildschwein in Branden­burg nahe der Grenze zu Polen nachge­wie­sen, wie Bundes­agrar­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner (CDU) in Berlin mitteil­te.

Vor Ort gelte es jetzt zu klären, ob es über den Kadaver hinaus eine Verbrei­tung in dem Gebiet gebe. Ziel sei, das Gesche­hen einzu­gren­zen. Deutschen Landwir­ten drohen nun Export­stopps für Schwei­ne­fleisch nach außer­halb der EU etwa nach Asien. Klöck­ner warnte aber vor Panik­ma­che bei den wirtschaft­li­chen Folgen: «Es ist ein Wildschwein gefun­den worden in einem Landkreis.»

Krisen­maß­nah­men laufen nun in zwei branden­bur­gi­schen Landkrei­sen an, wie Landes­ver­brau­cher­mi­nis­te­rin Ursula Nonne­ma­cher (Grüne) in Potsdam sagte. Gefun­den wurde das tote Wildschwein sieben Kilome­ter von der deutsch-polni­schen Grenze entfernt in der Gemein­de Schen­kendö­bern im Landkreis Spree-Neiße direkt an der Grenze zum Landkreis Oder-Spree. Im Umkreis von mindes­tens 15 Kilome­tern um den Fundort soll jetzt ein vorläu­fi­ges Gefah­ren­ge­biet einge­rich­tet werden, das beide Landkrei­se umfasst und nach Polen hinein­reicht. Rund 20 Schwei­ne­hal­ter gibt es laut Minis­te­ri­um in der Zone, einer mit 5000 Schwei­nen ist sieben Kilome­ter vom Fundort entfernt. Für Schwei­ne­stäl­le schon bestehen­de höhere Hygie­ne­vor­keh­run­gen sollten nun auch erneut überprüft werden.

«Wir müssen jetzt alles versu­chen, um eine weite­re Ausbrei­tung des Seuchen­ge­sche­hens zu verhin­dern», sagte Nonne­ma­cher. In dem Gebiet sind daher Beschrän­kun­gen vorge­se­hen. Angeord­net werden soll ein strik­tes Jagdver­bot, um Wildschwei­ne nicht aufzu­schre­cken. Möglich sind auch Nutzungs­be­schrän­kun­gen, etwa Ernte­ver­bo­te für Maisfel­der. Veran­stal­tun­gen mit Schwei­nen wie Hoffes­te oder Agrar­schau­en werden unter­sagt. Später solle auch eine Kernzo­ne einge­rich­tet werden. Landes­tier­arzt Stephan Nickisch sagte, sie solle einen Radius von mindes­tens drei Kilome­tern um den Fundort haben. Die Zone soll dann auch einge­zäunt werden, das Betre­ten soll verbo­ten werden.

Das bundes­ei­ge­ne Fried­rich-Loeff­ler-Insti­tut hatte den ASP-Verdacht als natio­na­les Referenz­la­bor bestä­tigt. Nach Angaben von Präsi­dent Thomas Metten­lei­ter wurden drei Proben überprüft, die eindeu­tig positiv waren. Zuvor hatte das Landes­la­bor in ersten Unter­su­chun­gen den Verdacht festge­stellt. Der Kadaver sei sehr stark verwest und habe sicher­lich schon einige Zeit am Fundort gelegen, erläu­ter­te Metten­lei­ter. Die Stelle wurde desin­fi­ziert. Der Exper­te äußer­te sich vorerst zurück­hal­tend dazu, ob der Fall mögli­cher­wei­se auf die Ausbrei­tung der ASP in Westpo­len im vergan­ge­nen Jahr zurück­ge­he.

Ein Übertre­ten der Tierseu­che nach Deutsch­land war seit länge­rem befürch­tet worden. Im März war in Polen ein daran gestor­be­nes Wildschwein nur etwas mehr als zehn Kilome­ter vor der Grenze zu Deutsch­land entdeckt worden. Als Ursache für die Verbrei­tung in Europa vor allem über länge­re Entfer­nun­gen wird achtlo­ses Wegwer­fen von Speise­ab­fäl­len vermu­tet, die den Erreger enthal­ten. Das Bundes­agrar­mi­nis­te­ri­um ruft deshalb bereit seit Jahren unter anderem Autofah­rer aus Osteu­ro­pa zur Vorsicht auf.

Die Landwirt­schaft muss sich auf wirtschaft­li­che Folgen einstel­len. Klöck­ner beton­te, dass der Handel mit Schwei­nen und Schwei­ne­fleisch inner­halb der EU weitge­hend aufrecht­erhal­ten werden könne — von Einschrän­kun­gen betrof­fen wären nicht Betrie­be in ganz Deutsch­land, sondern nur aus dem konkre­ten Gebiet. Branden­burgs Minis­ter­prä­si­dent Dietmar Woidke (SPD) sicher­te mögli­cher­wei­se betrof­fe­nen Landwir­ten Hilfe zu. «Eines ist ganz klar: dass neben der Seuchen­be­kämp­fung auch die Stabi­li­sieurng dieser Betrie­be erfol­gen muss.»

Aller­dings ist nach Angaben des Bundes­mi­nis­te­ri­ums davon auszu­ge­hen, dass Schwei­ne­fleisch­ex­por­te aus Deutsch­land beson­ders nach Asien mit wichti­gen Märkte wie China weitge­hend wegfal­len dürften. Südko­rea hat die Einfuhr von Schwei­ne­fleisch aus der Bundes­re­pu­blik bereits gestoppt. Das Verbot gelte für Produk­te, die von Donners­tag an ausge­lie­fert würden, teilte das südko­rea­ni­sche Landwirt­schafts­mi­nis­te­ri­um mit.

Man sei in Kontakt mit mehre­ren Nicht-EU-Staaten, um ebenfalls nur regio­nal für Deutsch­land gelten­de Beschrän­kun­gen zu verein­ba­ren. Klöck­ner sagte, sicher­lich dürften nun Schwei­ne­hal­ter auch anders­wo noch stärker in «Habacht-Stellung» sein, sagte Klöck­ner. Sie würden aber jetzt nicht bundes­weit für einen Fund in einem Landkreis «verhaf­tet».

Bauern­prä­si­dent Joachim Rukwied sagte: «Schwei­ne­fleisch kann weiter beden­ken­los verzehrt werden. Dennoch machen wir uns große Sorgen.» Schwei­ne­hal­ter hätten umfang­rei­che Sicher­heits­maß­nah­men ergrif­fen. Die Vorsor­ge müsse aber verstärkt werden. Um die ASP einzu­däm­men, brauche es eine wildschwein­freie Zone an der polni­schen Grenze.

Klöck­ner beton­te: «Die Afrika­ni­sche Schwei­ne­pest ist für den Menschen ungefähr­lich.» Einen Impfstoff gibt es nicht. Branden­burg hatte einen 120 Kilome­ter langen Elektro­zaun an der Grenze errich­tet. Er soll Wildschwei­ne aufhal­ten. Ein fester Schutz­zaun im Kreis Spree-Neiße ist geplant. Auch am sächsi­schen Grenz­ver­lauf wurde ein Zaun gebaut. Wie Klöck­ner sagte, kam der von Deutsch­land angereg­te Bau eines gemein­sa­men Schutz­zauns mit Polen nicht zustan­de.

Die Grünen warnten angesichts des ersten ASP-Falles vor einem höherem Seuchen­ri­si­ko in Regio­nen mit inten­si­ver Schwei­ne­hal­tung. Klöck­ner müsse Antwor­ten geben, wie eine Dezen­tra­li­sie­rung und Entzer­rung der Schwei­ne­hal­tung und der Schlach­tung erreicht werden könne. Die Umwelt­or­ga­ni­sa­ti­on Green­peace sieht in dem drohen­den wirtschaft­li­chen Schaden eine Folge falscher Politik — vor allem des massi­ven Ausbaus der Inten­siv­tier­hal­tung, um Billig­fleisch für Expor­te zu produ­zie­ren.