STUTTGART (dpa/lsw) — Viele Achtkläss­ler im Südwes­ten verfeh­len im Recht­schrei­ben und Rechnen die Mindest­stan­dards. Augen­fäl­lig sei dabei das beson­ders schwa­che Niveau der Gemein­schafts­schü­ler, sagt der Verband der Gymnasiallehrer.

Achtkläss­ler in Gemein­schafts­schu­len haben nach Darstel­lung des Philo­lo­gen­ver­bands bei den jüngs­ten Tests noch schlech­ter abgeschnit­ten als vergleich­ba­re Kinder auf Gymna­si­en, Real- und Werkre­al­schu­len. Die sieben Prozent der Gemein­schafts­schü­ler, die auf Gymna­si­al­ni­veau unter­rich­tet würden, erreich­ten bei den jüngs­ten Vergleichs­ar­bei­ten (VERA) ein klar schwä­che­res Level als Schüler an Gymna­si­en, sagte Ralf Scholl, Landes­chef des Philo­lo­gen­ver­ban­des, der Deutschen Presse-Agentur in Stutt­gart. Ähnlich sehe es bei den 41 Prozent der Gemein­schafts­schü­ler aus, die auf Realschul­ni­veau unter­richt würden. Auch auf dem unters­ten Level schnit­ten die Gemein­schafts­schü­ler etwas schlech­ter ab als Kinder auf Real- und Werkre­al­schu­len. Scholl sagte dazu: «In meinen Augen ist das ein Komplett­ver­sa­gen der Schul­art Gemeinschaftsschule.»

Bei den am Freitag vorge­stell­ten Vergleichs­ar­bei­ten hatte sich heraus­ge­stellt, dass die Achtkläss­ler im Südwes­ten über alle Schulen hinweg während der Pande­mie­jah­re bei den Englisch­kennt­nis­sen zwar aufge­holt haben, in ihren Deutsch­fä­hig­kei­ten aber deutlich abgesackt sind. 32 Prozent erreich­ten die Mindest­stan­dards in Mathe­ma­tik für den mittle­ren Schul­ab­schluss noch nicht, 19 Prozent erreich­ten diese Standards in Ortho­gra­fie nicht und 13 Prozent im Lesen.

Der Chef des Philo­lo­gen­ver­bands erklär­te, es falle auf, dass eine deutlich höhere Zahl von Achtkläss­lern in der Gemein­schafts­schu­le, die auf dem Niveau von Real- und Werkre­al­schu­le unter­rich­tet werden, bei der Recht­schrei­bung unter­halb des Minimal­ni­veaus blieben. Überhaupt zeigten die Vergleichs­da­ten aus den vergan­ge­nen vier Jahren, «dass die Schüler an den Gemein­schafts­schu­len nicht mehr lernen als die jeweils direkt vergleich­ba­ren Schüler an den Werkre­al­schu­len, Realschu­len und Gymna­si­en, sondern deutlich weniger». Scholl sieht darin einen «Offen­ba­rungs­eid der Schul­form Gemeinschaftsschule».

Die damali­ge grün-rote Landes­re­gie­rung hatte die Gemein­schafts­schu­le im Schul­jahr 2012/2013 in Baden-Württem­berg einge­führt. Hier soll die indivi­du­el­le Förde­rung im Zentrum stehen, zudem sollen Kinder und Jugend­li­che in unter­schied­li­chen Lerngrup­pen mit- und vonein­an­der lernen. Lehrkräf­te verste­hen sich demnach als Lernbe­glei­ter. Scholl monier­te, das Land inves­tie­re seit zehn Jahren massiv in diese Schul­art, ohne die Resul­ta­te ordent­lich zu überprüfen.

Nach diesen Test-Ergeb­nis­sen müsse man sich fragen: «Sind da die Noten in den Mittle­ren Reife-Zeugnis­sen der Gemein­schafts­schu­len vielleicht deutlich besser als die tatsäch­lich gezeig­ten Leistun­gen?» Der Philo­lo­gen­ver­band forder­te deshalb, dass die Leistun­gen der Schüle­rin­nen und Schüler an den Gemein­schafts­schu­len auch im Abschluss­jahr­gang jeweils noch einmal mit einem möglichst bundes­weit normier­ten Test bewer­tet werden müssten. Nach Angaben des Kultus­mi­nis­te­ri­um