ERIWAN (dpa) — Im Schat­ten des Ukrai­ne-Kriegs liefern sich die verfein­de­ten Ex-Sowjet­re­pu­bli­ken schwe­re bewaff­ne­te Ausein­an­der­set­zun­gen. Nun gibt es offen­bar einen Hoffnungsschimmer.

Nach zwei Tagen schwe­rer Kämpfe zwischen Aserbai­dschan und Armeni­en im Südka­u­sus ist armeni­schen Angaben zufol­ge eine Waffen­ru­he verein­bart worden.

Die Feuer­pau­se gelte seit 20.00 Uhr Ortszeit (18.00 Uhr MESZ), sagte der Sekre­tär des armeni­schen Sicher­heits­ra­tes, Armen Grigo­r­jan, im Fernse­hen in Eriwan. «Unter Teilnah­me der inter­na­tio­na­len Gemein­schaft ist eine Verein­ba­rung über eine Waffen­ru­he erzielt worden», sagte er.

Eine Bestä­ti­gung aus der aserbai­dscha­ni­schen Haupt­stadt Baku gab es zunächst nicht. Das armeni­sche Vertei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um teilte abends mit, dass der Beschuss abgeflaut sei.

Viele Tote auf beiden Seiten

In den Kämpfen seit der Nacht zu Diens­tag wurden nach Angaben von Minis­ter­prä­si­dent Nikol Paschin­jan 105 Armeni­er getötet. 50 Quadrat­ki­lo­me­ter armeni­sches Gebiet seien in der Hand des Gegners, sagte er im Parla­ment. Die aserbai­dscha­ni­sche Seite sprach von bisland 71 Toten in ihren Streit­kräf­ten. Das teilte das Vertei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um in Baku mit.

Trotz der offen­bar erziel­ten Waffen­ru­he geriet die armeni­sche Führung wegen der aserbai­dscha­ni­schen Angrif­fe unter Druck. In der Haupt­stadt Eriwan verlang­ten Tausen­de Demons­tran­ten am Mittwoch­abend den Rücktritt Paschin­jans. Sie warfen ihm Nachgie­big­keit gegen­über Baku vor.

Armeni­en hat wegen des Angriffs um Beistand des von Russland geführ­ten Vertei­di­gungs­bünd­nis­ses OVKS gebeten. Aller­dings ist Moskau derzeit stark mit dem Angriffs­krieg gegen die Ukrai­ne beschäf­tigt. Das Bündnis ehema­li­ger Sowjet­re­pu­bli­ken beschloss am Diens­tag ledig­lich, eine Erkun­dungs­mis­si­on in das Konflikt­ge­biet zu entsen­den. Sie soll am Donners­tag eintreffen.