PARIS (dpa) — Im Atomland Frank­reich stehen so viele Kraft­wer­ke still, dass die Strom­flau­te auch in Berlin mit Sorge verfolgt wird. Paris beschwört die Solida­ri­tät mit Deutsch­land, um über den Winter zu kommen.

Die Atomkraft gehört in Frank­reich zum natio­na­len Selbst­ver­ständ­nis, reihen­wei­se zur Wartung abgeschal­te­te Meiler besche­ren dem Land just vor dem Krisen­win­ter nun aber ein handfes­tes Versorgungsproblem.

Während es für die Bevöl­ke­rung Sparsam­keits­ap­pel­le kombi­niert mit dem Hinweis gibt, dass kein Black­out drohe, macht die Regie­rung Druck auf den mehrheit­lich staat­li­chen Strom­kon­zern EDF, die AKW gefäl­ligst schnell wieder ans Netz zu bringen. Paris sucht außer­dem den Schul­ter­schluss mit Berlin, um Engpäs­se bei Strom und Gas gemein­sam zu meistern. An der Grenze zum Saarland nimmt Frank­reich kommen­de Woche außer­dem ein Kohle­kraft­werk wieder in Betrieb.

Als Erklä­rung dafür, dass — Stand Donners­tag — 28 der 56 Kraft­wer­ke abgeschal­tet waren, nennt EDF aufge­scho­be­ne Wartun­gen in der Corona-Krise und Korro­si­ons­pro­ble­me, auf die derzeit 13 Reakto­ren überprüft werden. Der altern­de Kraft­werks­park erfor­dert außer­dem eine aufwen­di­ge­re Wartung, anders als ursprüng­lich geplant sollen die Meiler nun länger als 40 Jahre am Netz bleiben.

Eine exter­ne Unter­su­chung bei EDF nennt indes auch «vielfäl­ti­ge Fakto­ren der Ineffi­zi­enz» als Grund für die langen Wartungs­fris­ten. Gründe seien etwa die Regula­ri­en und das Arbeits­recht, weshalb die Wartung der Meiler in Frank­reich viel länger als im Ausland dauere. Wie ein Exper­te der Zeitung «Le Figaro» sagte, stehe ein Kraft­werk in den USA 30 Tage zur Wartung still, in Frank­reich dauere dies 70 bis 119 Tage. Aller­dings sind die komple­xen Wartun­gen oft nicht vergleichbar.

Atomstrom­pro­duk­ti­on erreicht histo­ri­sches Tief in Frankreich

Im Ergeb­nis hat die franzö­si­sche Atomstrom­pro­duk­ti­on im Moment ein histo­ri­sches Tief erreicht, EDF beschert dies Milli­ar­den­kos­ten und dem Land vor dem Krisen­win­ter ein Strom­pro­blem. Seit einigen Monaten impor­tiert Frank­reich mehr Strom als üblich aus Deutsch­land. «Die europäi­sche Solida­ri­tät haben wir nötig», räumte Präsi­dent Emmanu­el Macron am Donners­tag mit Blick auf den Winter ein. Frank­reich werde Gas nach Deutsch­land expor­tie­ren und Strom von dort impor­tie­ren. Dafür müssten Kapazi­täts­eng­päs­se im grenz­über­schrei­ten­den Strom­netz behoben werden, pochte Energie­wen­de-Minis­te­rin Agnès Pannier-Runacher vor einigen Tagen in einem Brief an Bundes­wirt­schafts­mi­nis­ter Robert Habeck (Grüne), wie «Le Figaro» berichtete.

Wie Pannier-Runacher beton­te, habe EDF sich verpflich­tet, möglichst alle Meiler bis zum Winter wieder ans Netz zu bringen — einen Fahrplan dazu legt EDF aber nicht vor. Der Kraft­werks­be­trei­ber hat dabei Grund, den Ball auch ins Feld der Politik zurück­zu­spie­len. Denn schon vor Jahren und zunächst auch in der ersten Amtszeit von Präsi­dent Emmanu­el Macron wackel­ten der Rückhalt und Inves­ti­ti­ons­wil­le für die Atomkraft. Das wird auch als ein Grund für den Fachkräf­te­man­gel im Atomkraft­sek­tor gesehen, den auch die Unter­su­chung als Problem benennt. Wie es heißt, sollen nun rund 100 Fachkräf­te des US-Kraft­werk­bau­ers Westing­house beim Warten der