ENERHODAR (dpa) — Nach wochen­lan­gem Beschuss ist das AKW Saporischsch­ja vom Netz genom­men und herun­ter­ge­fah­ren worden. Das soll die Gefahr einer atoma­ren Katastro­phe in der Region senken.

Das von russi­schen Truppen besetz­te und immer wieder beschos­se­ne Atomkraft­werk Saporischsch­ja wird vollstän­dig herun­ter­ge­fah­ren. «Es wurde entschie­den, den Reaktor­block Nummer sechs in den sichers­ten Zustand — den Kaltzu­stand — zu verset­zen», teilte die ukrai­ni­sche Atombe­hör­de Enerho­atom am Sonntag auf ihrem Telegram-Kanal mit.

Laut Enerho­atom arbei­te­te das AKW in den letzten drei Tagen bereits im «Insel­be­trieb», das heißt, es produ­zier­te nur noch Strom zur Eigen­ver­sor­gung, weil alle Verbin­dungs­li­ni­en zum ukrai­ni­schen Strom­netz durch ständi­gen Beschuss unter­bro­chen worden seien. Am Samstag­abend sei dann eine Leitung zum Strom­netz wieder herge­stellt worden. Darauf­hin sei entschie­den worden, das AKW über diese Leitung zu versor­gen und den letzten funktio­nie­ren­den Reaktor­block abzuschal­ten und auf den siche­ren Kaltzu­stand herun­ter zu kühlen.

Von russi­scher Seite wurde die Abschal­tung des Kernkraft­werks bestä­tigt. Der Reaktor­block sechs sei gegen vier Uhr morgens Ortszeit (3.00 Uhr MESZ) langsam und im Sicher­heits­mo­dus herun­ter­ge­fah­ren worden, teilte ein Vertre­ter der russi­schen Atombe­hör­de, Rosatom, mit.

Diesel­ge­ne­ra­to­ren gewähr­leis­ten die Kühlung

Die Strom­ver­sor­gung der Kraft­werks­stadt Enerho­dar sei trotz­dem gewähr­leis­tet, beton­te derweil der vom russi­schen Militär einge­setz­te Bürger­meis­ter Alexan­der Wolga der Nachrich­ten­agen­tur Inter­fax zufol­ge. Der Chef der russi­schen Militär­ver­wal­tung des Gebiets Saporischsch­ja, Wladi­mir Rogow, erklär­te zugleich, dass das AKW derzeit über Diesel­ge­ne­ra­to­ren weiter mit Strom versorgt werde, um die Kühlung zu gewährleisten.

Das AKW befin­det sich seit Wochen unter Beschuss. Russland und die Ukrai­ne geben sich gegen­sei­tig die Schuld für die Eskala­ti­on der Lage rund um die Nukle­ar­an­la­ge. Bereits im August erfolg­te deswe­gen eine Notab­schal­tung des Kraft­werks. Beide Kriegs­par­tei­en machten sich damals gegen­sei­tig dafür verant­wort­lich. Unabhän­gig können die Angaben nicht überprüft werden.

Eine Sonder­mis­si­on der Inter­na­tio­na­len Atombe­hör­de IAEA sollte die Sicher­heit der Anlage gewähr­leis­ten. Die Delega­ti­on unter Leitung von IAEA-Chef Rafael Grossi konnte Anfang Septem­ber das AKW besuchen. Der Großteil der Exper­ten reiste jedoch noch am gleichen Tag wieder ab, nur zwei IAEA-Mitar­bei­ter verblie­ben vor Ort. Der Beschuss des Kernkraft­werks setzte sich anschlie­ßend fort. Die Atombe­hör­de nannte das Unfall­ri­si­ko in seinem Unter­su­chungs­be­richt «signi­fi­kant» und forder­te zuletzt, eine Schutz­zo­ne um das Kraft­werk zu errichten.