Der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer ist die große Hoffnung in der Pande­mie. Brüssel will den Liefer­ver­trag dazu formal abseg­nen. In Deutsch­land macht man sich Gedan­ken zum prakti­schen Ablauf der Impfungen.

Der bereits fertig ausge­han­del­te Liefer­ver­trag mit den beiden Herstel­lern soll formal gebil­ligt werden, wie Kommis­si­ons­chefin Ursula von der Leyen angekün­digt hat.

Biontech und Pfizer hatten am Montag bekannt gegeben, dass ihr Impfstoff einen mehr als 90-prozen­ti­gen Schutz vor Covid-19 biete. Jedoch sind die Studi­en dazu noch nicht abgeschlos­sen. Einen Antrag auf Zulas­sung in den USA kündig­ten sie frühes­tens für kommen­de Woche an. Auch in Europa soll eine Zulas­sung angestrebt werden.

Bundes­for­schungs­mi­nis­te­rin Anja Karli­c­zek (CDU) sagte, dass es eine Infor­ma­ti­ons- und Aufklä­rungs­kam­pa­gne zur Corona-Impfung geben solle. Die Bundes­re­gie­rung werde bei der Furcht vor Impfun­gen oder Neben­wir­kun­gen auf volle Trans­pa­renz setzen, sagte sie der «Augsbur­ger Allge­mei­nen» (Mittwoch). «Um dieser Angst zu begeg­nen, ist die konti­nu­ier­li­che Infor­ma­ti­on und Aufklä­rung der Bevöl­ke­rung zur Wirksam­keit der Impfung und ihrer Risiken wichtig.» Sie bekräf­tig­te, dass keine Impfpflicht vorge­se­hen sei.

Die Bundes­re­gie­rung bleibe bei ihrer Progno­se, dass erst ab kommen­den Sommer flächen­de­ckend Impfstoff zur Verfü­gung stehen werde, sagte Karli­c­zek. Der AOK-Bundes­ver­band geht davon aus, dass der Bund die Kosten für die Impfun­gen gegen das Corona­vi­rus übernimmt. «Zu finan­zie­ren sind neben den Impfstof­fen auch ärztli­che Leistun­gen und Infra­struk­tur-Kosten», sagte der Vorstands­vor­sit­zen­der des Bundes­ver­ban­des der Allge­mei­nen Ortskran­ken­kas­sen (AOK), Martin Litsch, dem Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land (RND/Mittwoch). «Die AOK sind als gesetz­li­che Kranken­ver­si­che­rung gerne bereit, ihre Struk­tu­ren für die Abrech­nung dieser Kosten bereit­zu­stel­len, soweit die Kosten über Bundes­zu­schüs­se ausge­gli­chen werden.»

Der Epide­mio­lo­ge Rüdiger von Kries, der Mitglied der Ständi­gen Impfkom­mis­si­on am Robert Koch-Insti­tut ist, verwies am Diens­tag­abend in der Sendung «ARD extra» auf die Heraus­for­de­rung, inner­halb kurzer Zeit viele Menschen zu impfen. Dazu müsse man erst einmal geeig­ne­tes Perso­nal bekom­men. «Der öffent­li­che Gesund­heits­dienst ist so weit ausge­dünnt, dass der das sicher­lich nicht stemmen kann.» Man werde versu­chen, andere Ärzte zu gewin­nen — etwa Ärzte im Ruhestand.

Der CDU-Politi­ker Norbert Röttgen warnte unter­des­sen vor allzu großer Eupho­rie wegen der Aussicht auf einen Corona-Impfstoff. «Es wäre eine tragi­sche Ironie, wenn die guten Nachrich­ten über einen bald verfüg­ba­ren Impfstoff zu Nachläs­sig­keit führen würden», sagte er dem «Kölner Stadt-Anzei­ger» (Mittwoch). Die Menschen müssten sich statt­des­sen auf «vier schwe­re Winter­mo­na­te einstel­len, die uns höchs­te Anstren­gun­gen und maxima­le Diszi­plin abverlangen».

Dem Präsi­den­ten des Deutschen Lehrer­ver­ban­des, Heinz-Peter Meidin­ger, gehen etwa die Corona-Maßnah­men in den Schulen nicht weit genug. Der «Passau­er Neuen Presse» (Mittwoch) sagte er: «In fast allen Bundes­län­dern wurden die Hygie­ne­stu­fen­plä­ne, die in den Corona-Hotspots wieder auf halbier­te Klassen setzten, außer Kraft gesetzt. Schulen sollen auf Biegen und Brechen offen bleiben.»

Er hoffe, dass generel­le Schul­schlie­ßun­gen vermeid­bar seien, sagte Meidin­ger. «Dazu müssen aber bei exponen­ti­ell wachsen­den Infek­ti­ons­zah­len die präven­ti­ven Vorsichts­maß­nah­men an Schulen hochge­fah­ren werden», fordert er. Dazu zähle neben der Masken­pflicht auch die vorüber­ge­hen­