BADEN-BADEN (dpa) — Bundes­kanz­ler Olaf Scholz hat sich angesichts unter­bro­che­ner Liefer­ket­ten und der Energie­kri­se für die weite­re Globa­li­sie­rung der Wirtschaft ausge­spro­chen. «Ich halte nichts von Deglo­ba­li­sie­rung», sagte der SPD-Politi­ker am Samstag vor rund 600 Wirtschafts­ver­tre­tern bei den Baden-Badener Unter­neh­mer­ge­sprä­chen. «Ich halte nichts davon, dass wir das, was den Wohlstand und den Fortschritt der letzten Jahrzehn­te in der ganzen Welt möglich gemacht hat, aufge­ben und plötz­lich wieder uns allei­ne auf uns selber konzentrieren.»

Die Welt werde multi­po­la­rer als je zuvor. Man müsse neben Asien auch nach Afrika oder Südame­ri­ka schau­en, wo viele einfluss­rei­che Natio­nen entstün­den. «Und wir wollen unbedingt errei­chen, dass es eine Welt ist, die zusam­men­ar­bei­tet.» Hierbei stehe nicht zuletzt die EU für die Hoffnung, mitre­den zu können.

Scholz beton­te auch, dass nicht Verzicht, sondern Wachs­tum und techno­lo­gi­scher Fortschritt die Lösung weltwei­ter Proble­me sei. Man werde die Bürger in Asien oder Afrika nicht zum Verzicht bewegen. Aber man könne ihnen Techno­lo­gien anbie­ten, die dafür sorgten, «dass die Welt diesen Wohlstand aushält, ohne dass das Klima und die Biodi­ver­si­tät darun­ter leiden».

Die bishe­ri­gen Maßnah­men der Bundes­re­gie­rung, möglichst unabhän­gig von russi­schem Gas zu werden, bezeich­ne­te Scholz als großen Erfolg. Noch seien zwar nicht alle Proble­me gelöst, die sich vor allem durch die extrem gestie­ge­nen Energie­prei­se ergäben. Er ziehe aber das Fazit: «Wir kommen wohl durch.»

Scholz sprach auf einer Jubilä­ums­kon­fe­renz anläss­lich der 150. Baden-Badener Unter­neh­mer­ge­sprä­che. Bei den Gesprä­chen, die am Sonntag begin­nen, treffen sich Manager zu Vorträ­gen, Workshops und Diskussionen.