GARMISCH-PARTENKIRCHEN (dpa) — Markus Eisen­bich­ler zeigt an Neujahr sein ganzes Können. Weil Karl Geiger dies nicht gelingt, stehen die deutschen Chancen auf den Tournee-Gesamt­sieg so schlecht wie seit sieben Jahren nicht mehr.

Das emotio­na­le Neujahrs­sprin­gen wirkte bei Markus Eisen­bich­ler auch am folgen­den Reise­tag sicht­lich nach.

«Ich habe noch ein bisschen Augen­rin­ge», beschrieb sich Eisen­bich­ler treffend selbst. «Viel geschla­fen habe ich nicht.» Bei seinem furio­sen zweiten Platz zum Start ins Jahr 2022 bot der 30-Jähri­ge eine eindrucks­vol­le Flugshow. Eisen­bich­ler konnte aber nicht verde­cken, dass der zweite Akt der Vierschan­zen­tour­nee für das deutsche Skisprung-Team auch eine große Enttäu­schung bereit­hielt. Trotz bester Voraus­set­zun­gen ist der ersehn­te erste Tournee-Titel seit 20 Jahren so weit weg wie lange nicht.

Der größte Hoffnungs­trä­ger Karl Geiger fiel mit seinem siebten Platz weit zurück und kann die Gesamt­wer­tung nach eigener Einschät­zung abhaken. «Für mich ist es, wenn alles normal läuft, nicht mehr schaff­bar», sagte der völlig frustrier­te Oberst­dor­fer. «Dass es bei der Tournee wieder passiert, ist echt zum Kotzen.»

Geiger schon weit zurück

Geiger war als Gesamt­welt­cup­füh­ren­der und in der Form seines bishe­ri­gen Sport­ler­le­bens zum Schan­zen-Spekta­kel gereist. Sein Rückstand auf den überra­gen­den Tournee-Spitzen­rei­ter Ryoyu Kobaya­shi, der am Samstag mit umgerech­net nur elf Zenti­me­tern vor Eisen­bich­ler siegte, beträgt vor dem dritten Wettbe­werb in Innsbruck am Diens­tag (13.30 Uhr) schon fast 18 Meter.

Eisen­bich­ler hat Geiger in Garmisch-Parten­kir­chen als besten DSV-Adler in der Tournee­wer­tung abgelöst. Als Vierter mit knapp zwölf Metern Abstand zu Kobaya­shi ist er aber auch nicht wirklich nah dran. Größer war der Halbzeit-Rückstand des besten Deutschen auf den Spitzen­rei­ter in der Tournee-Gesamt­wer­tung zuletzt in der Saison 2014/15.

Aufge­ben gilt nicht

Schon vor dem Wettkampf am berüch­tig­ten Bergisel in Innsbruck am Diens­tag, wo in der Vergan­gen­heit häufig die Tournee-Träume deutscher Sprin­ger endeten, scheint nur noch eine Art Skisprung-Wunder helfen zu können — auch wenn Bundes­trai­ner Stefan Horngacher Zweck­op­ti­mis­mus verbreitet.

«Wir werden nicht die Flinte ins Korn werfen und sagen, es ist alles schei­ße. Es ist prinzi­pi­ell immer noch gut», sagte der 52 Jahre alte Öster­rei­cher, bevor er mit dem Team in sein Heimat­land aufbrach. «Wir sind in der Halbzeit. Wir liegen sehr gut, und wir werden alles geben, dass wir in Bischofs­ho­fen vielleicht doch noch ganz oben stehen.» Horngachers Hoffnung: «Die Vierschan­zen­tour­nee hat eigene Geset­ze. Man muss immer dranblei­ben und drauf­blei­ben, wenn ein anderer mal einen Fehler macht.» Es seien schon «viele skurri­le Dinge passiert».

Horngacher adelt Kobayashi

Dass ausge­rech­net Kobaya­shi patzt, scheint jedoch sehr unwahr­schein­lich. Der Tournee-Gesamt­sie­ger von 2018/19 springt außer­ge­wöhn­lich stabil, ließ sich auch von einem positi­ven Corona-Test in diesem Winter nicht aus dem Konzept bringen und erober­te am Neujahrs­tag das Gelbe Trikot des Weltcup-Spitzen­rei­ters von Geiger — obwohl er zwei Einzel­wett­kämp­fe verpasst hatte.

Der 25-Jähri­ge sprin­ge «extrem gut und bügelt alles nieder», beschrieb Horngacher. Geiger und Eisen­bich­ler gehören aus seiner Sicht zu den wenigen Sprin­gern, die den in den Tagen der Tournee wortkar­gen Japaner schla­gen können.

Eisen­bich­ler schaut nicht auf Gesamtwertung

Wie man Kobaya­shi am Bergisel besiegt, hat Eisen­bich­ler bei der Weltmeis­ter­schaft vor knapp drei J