AUGSBURG/BERLIN (dpa) — Bis es mögli­cher­wei­se zu einer Corona-Impfpflicht kommt, wird es noch dauern. Der Gesund­heits­mi­nis­ter bekräf­tigt vorab erneut, dass er eine Pflicht für nötig hält — auch bei der Omikron-Variante.

Bundes­ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl Lauter­bach erwar­tet spürba­re Effek­te für den Kampf gegen die Corona-Pande­mie durch die Einfüh­rung einer allge­mei­nen Impfpflicht.

«Man muss akzep­tie­ren, dass man selbst mit der Pflicht niemals alle Menschen errei­chen wird», sagte der SPD-Politi­ker der «Welt am Sonntag». «Aber ich bin davon überzeugt, dass es eine große Gruppe von Ungeimpf­ten gibt, die wir durch die Impfpflicht zu einer Impfung bewegen können.»

Lauter­bach beton­te, seine Hoffnung sei, dass die Gesell­schaft durch die Impfpflicht relativ gut geschützt sein werde. «Wir dürfen nicht mehr in eine Situa­ti­on geraten, in der ein Sommer trüge­risch gut ist, uns aber im Herbst neue Varian­ten überra­schen — und das, ohne dass die breite Bevöl­ke­rungs­mehr­heit geimpft ist. Denn dann ginge alles wieder von vorne los.»

Lauter­bach: Impfpflicht notwendig

Der Minis­ter bekräf­tig­te, dass die Impfpflicht trotz eines gerin­ge­ren Risikos für schwe­re Erkran­kun­gen bei der neuen Omikron-Varian­te nötig sei. «Eine Omikron-Infek­ti­on macht nicht zwingend immun vor der nächs­ten Virus­va­ri­an­te. Der Glaube, dass die Omikron-Varian­te das Ende der Pande­mie ist, ist naiv.»

Über eine Impfpflicht soll der Bundes­tag ohne Frakti­ons­vor­ga­ben abstim­men. Eine schnel­le Entschei­dung wird es aber voraus­sicht­lich nicht geben. Im Gespräch ist zunächst eine «Orien­tie­rungs­de­bat­te» im Januar. Die SPD strebt den Abschluss eines Gesetz­ge­bungs­pro­zes­ses «im ersten Quartal» an, also bis Ende März. Lauter­bach arbei­tet nach eigenen Angaben «als Abgeord­ne­ter» an einem Vorschlag für eine allge­mei­ne Impfpflicht für Über-18-Jährige.

Ziel: Impfquo­te von 95 Prozent

Die Bundes­re­gie­rung hat die Messlat­te für die sogenann­te Herdenim­mu­ni­tät gegen Corona derweil nach oben gelegt. «Unser Ziel muss es sein, zu einer Quote von 95 Prozent vor allem bei den gefähr­de­ten Gruppen zu kommen», sagte die parla­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tä­rin im Bundes­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um, Sabine Dittmar (SPD), der «Augsbur­ger Allgemeinen».

«Man hat am Anfang gedacht, dass eine Quote von 70 Prozent für die Herdenim­mu­ni­tät ausreicht. Das aller­dings reicht, wie wir jetzt wissen, vor dem Hinter­grund der zahlrei­chen Mutatio­nen nicht aus.» Omikron biete eine gewis­se Chance, von einer weltwei­ten Pande­mie in eine Endemie zu kommen. Aber dazu «brauchen wir noch mehr Impfun­gen», sagte Dittmar.