Die Mensch­heit hat die Umwelt in diesem Jahr bisher weniger zerstört als sonst. Dahin­ter steckt aber nicht mehr Öko-Bewusst­sein, sondern der Corona-Lockdown. Was heißt das für die Zukunft?

Nach wissen­schaft­li­chen Berech­nun­gen sind nun an diesem Samstag (22. August) weltweit bereits alle erneu­er­ba­ren Ressour­cen der Erde für dieses Jahr aufge­braucht, teilten das Potsdam-Insti­tut für Klima­fol­gen­for­schung (PIK) und mehre­re Umwelt­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen mit. Bis Ende Dezem­ber wird die Mensch­heit deshalb «auf Pump» über ihre Verhält­nis­se leben.

Im Vergleich zum Vorjahr liegt der Erdüber­las­tungs­tag weltweit aller­dings drei Wochen später. Eine solche ökolo­gi­sche Verbes­se­rung gab es seit Jahren nicht mehr. Aller­dings ist dieser positi­ve Umwelt­trend mit fast zehn Prozent weniger Ressour­cen­ver­brauch eine direk­te Folge des wirtschaft­li­chen Corona-Lockdowns in den meisten Ländern. Die wichtigs­ten Fakto­ren waren dabei nach PIK-Angaben der Rückgang des Holzschlags und der CO2-Emissio­nen. Die Mensch­heit verbraucht nach den Kalku­la­tio­nen der Forscher derzeit aber immer noch 60 Prozent mehr Ressour­cen als durch die Natur regene­rier­bar sind.

«Das diesjäh­ri­ge plötz­li­che Schrump­fen des ökolo­gi­schen Fußab­drucks darf nicht mit Fortschritt verwech­selt werden», sagte Laurel Hanscom vom Global Footprint Network, das die Berech­nun­gen zum Weltüber­las­tungs­tag mit der York Univer­si­ty erstellt. «Wenn dies kein Einmal-Effekt bleiben soll, müssen die Inves­ti­tio­nen zur ökono­mi­schen Erholung nach der Pande­mie konse­quent an Nachhal­tig­keit gekop­pelt werden», ergänz­te Steffen Vogel von der Organi­sa­ti­on German­watch. Regie­run­gen, die versucht seien, Natur- und Klima­schutz zuguns­ten des Wieder­auf­baus der Ökono­mien aufzu­ge­ben, sollten darüber nochmals nachden­ken, mahnte PIK-Direk­tor Johan Rockström.

Auch für den 1968 gegrün­de­ten Club of Rome, der sich als gemein­nüt­zi­ge Organi­sa­ti­on für eine nachhal­ti­ge Zukunft der Mensch­heit einsetzt, hat die Corona-Krise nochmals das Zusam­men­brin­gen ökolo­gi­scher und sozia­ler Aspek­te verdeut­licht. Der Club hat deshalb seinen «Plane­ta­ren Notfall­plan», der sich an die Verein­ten Natio­nen sowie natio­na­le Regie­run­gen richtet, am Donners­tag um Gesund­heits­pan­de­mien als zusätz­li­chen Aspekt ergänzt. Wieder­auf­bau­pro­gram­me im Rahmen der Pande­mie müssten zwingend die allge­mei­ne plane­ta­re Krise als Grund­la­ge politi­scher Entschei­dun­gen einbe­zie­hen, sagte Programm­ma­na­ger Till Keller­hoff. Die Program­me sollten keinen Wieder­auf­bau unter der Devise alles so wie früher bedeu­ten, sondern müssten Möglich­kei­ten für auch ökolo­gisch sinnvol­le Verän­de­run­gen enthal­ten.

Die Berech­nun­gen zum Erdüber­las­tungs­tag basie­ren auf dem Konzept des ökolo­gi­schen Fußab­drucks. Für ihn werden zwei rechne­ri­sche Größen gegen­über gestellt: Zum einen die biolo­gi­sche Kapazi­tät der Erde zum Aufbau von Ressour­cen sowie zur Aufnah­me von Müll und Emissio­nen, zum anderen der Bedarf an Wäldern, Flächen, Wasser, Acker­land und Fisch­grün­den, den die Menschen derzeit für ihre Lebens- und Wirtschafts­wei­se verbrau­chen. Gegen­wär­tig machen die CO2-Emissio­nen aus der Verbren­nung fossi­ler Brenn- und Treib­stof­fe
57 Prozent des ökolo­gi­schen Fußab­drucks der Mensch­heit aus.

Um ihren Ressour­cen­be­darf nachhal­tig zu decken, bräuch­te die Weltbe­völ­ke­rung nach Angaben von German­watch rechne­risch 1,6 Plane­ten. Würden alle Länder so haushal­ten wie Deutsch­land, wären bezogen auf 2019 sogar drei Erden nötig. Bei einer Lebens­wei­se wie in China bräuch­te die Weltbe­völ­ke­rung 2,2 Erden. Würden alle Menschen so wirtschaf­ten wie in den USA bräuch­ten sie fünf Erden. Während der Erdüber­las­tungs­tag in den Siebzi­ger­jah­ren wegen des gerin­ge­ren Ressour­cen­ver­brauchs noch in den Dezem­ber fiel, lag er 2019 bereits auf dem 29. Juli.