Die Schüler in Baden-Württem­berg haben wegen Corona ein ungewöhn­li­ches Schul­jahr mit vielen Umstel­lun­gen hinter sich. Aus Sicht der Bildungs­ge­werk­schaft GEW dürfte es nach den Sommer­fe­ri­en nicht viel besser ausse­hen.

Und das ist aus Sicht der GEW längst nicht alles. Eine Umfra­ge unter Lehrkräf­ten aller Schul­ar­ten offen­ba­re unter anderem einen hohen Nachhol­be­darf bei der Digita­li­sie­rung, sagte Moritz. Demnach bewer­te­ten 67 Prozent der Befrag­ten die techni­schen Voraus­set­zun­gen an den Schulen als mittel­mä­ßig bis sehr schlecht.

Eine weite­re Befra­gung nur unter Schul­lei­tun­gen aller Schul­ar­ten in Baden-Württem­berg ergab den Angaben zufol­ge, dass trotz deutlich verschärf­ter Hygie­ne­re­geln nur an wenigen Schulen die Putzko­lon­nen aufge­stockt wurden. Demnach gaben 80 Prozent der Leiter an, dass kein zusätz­li­ches Reini­gungs­per­so­nal von den Kommu­nen als Schul­trä­ger bereit­ge­stellt worden sei. An knapp 20 Prozent der befrag­ten Schulen gibt es laut Umfra­ge zusätz­li­ches Perso­nal, um die Hygie­ne-Aufla­gen durch die Corona-Verord­nun­gen umzuset­zen.

Einige dieser Aufla­gen hätten noch dazu wenig mit der Reali­tät zu tun. Schüler müssten etwa Masken im Schul­bus und auf dem Pausen­hof tragen, nicht aber im Unter­richt. «Wie vermit­teln wir Schülern da eine klare Linie»?, fragte Moritz. Ein weite­res Beispiel: das Thema Lüften. Mehrmals täglich sei «eine Querlüf­tung bzw. Stoßlüf­tung bei vollstän­dig geöff­ne­ten Fenstern» vorzu­neh­men, zitier­te Moritz aus den Hygie­ne­hin­wei­sen für die Schulen. «Kein Klassen­zim­mer hat auf beiden Seiten Fenster», sagte Moritz. Die Lehrer müssten sich stets mit ihren Nachbarn abspre­chen — das sei völlig unrea­lis­tisch.

Moritz dämpf­te vor diesem Hinter­grund allzu hohe Erwar­tun­gen, dass im kommen­den Schul­jahr mit einem Regel­be­trieb an den 4500 Schulen im Land zu rechnen sei. Sie forder­te, dass die Landes­re­gie­rung schnell einen Nachtrags­haus­halt beschließt, um die Schulen perso­nell zu unter­stüt­zen. Außer­dem mahnte sie verbind­li­che Abspra­chen mit den Schul­trä­gern zum Schutz von Schülern und Lehrern an.

Die Gewerk­schaft Erzie­hung und Wissen­schaft hatte sich in den vergan­ge­nen Wochen ein Bild von der Situa­ti­on zum Beginn des Schul­be­triebs nach den Ferien gemacht. Dazu hatte sie zwei Umfra­gen durch­ge­führt: eine zwischen Mitte Juli und Mitte August, an der sich nach Gewerk­schafts­an­ga­ben mehr als 4000 Lehrkräf­te betei­ligt hatten, und eine in den ersten Septem­ber­ta­gen nur unter Schul­lei­tun­gen aller Schul­ar­ten in Baden-Württem­berg mit 242 Teilneh­mern.

Der Vorsit­zen­de der SPD-Landtags­frak­ti­on, Andre­as Stoch, teilte die Kritik der GEW-Chefin an der Schul­jah­res­pla­nung von Kultus­mi­nis­te­rin Susan­ne Eisen­mann (CDU). «Mit den vorhan­de­nen Ressour­cen wird es schwie­rig, die teils wider­sprüch­li­chen Vorga­ben umzuset­zen», teilte Stoch mit. «Es fehlen Lehre­rin­nen und Lehrer im Präsenz­un­ter­richt und wahrschein­lich auch eine Menge Neuein­stei­ger für das Schul­jahr 2020/21.» Er forder­te 1000 zusätz­li­che Lehrkräf­te vom Land.