BERLIN (dpa) — Zum ersten Mal seit 2017 steht Deutsch­land wieder an der Spitze einer bedeu­ten­den Staaten­grup­pe. Kanzler Olaf Scholz hat sich für die G7-Präsi­dent­schaft einiges vorgenommen.

Deutsch­land hat für ein Jahr den Vorsitz in der als G7 bezeich­ne­ten Staaten­grup­pe führen­der demokra­ti­scher Wirtschafts­mäch­te übernom­men. Höhepunkt wird ein Gipfel­tref­fen unter Leitung von Bundes­kanz­ler Olaf Scholz (SPD) vom 26. bis 28. Juni 2022 auf Schloss Elmau in den bayeri­schen Alpen sein.

Thema­tisch im Mittel­punkt stehen werden der Klima­schutz, die Pande­mie­be­kämp­fung sowie die Stärkung der inter­na­tio­na­len Zusam­men­ar­beit und der Demokra­tien weltweit. «Wir werden unsere Präsi­dent­schaft nutzen, damit dieser Staaten-Kreis zum Vorrei­ter wird. Zum Vorrei­ter für klima­neu­tra­les Wirtschaf­ten und eine gerech­te Welt», sagte Kanzler Scholz in seiner Neujahrs­an­spra­che. «Inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit ist wichtig. In einer Welt mit bald zehn Milli­ar­den Einwoh­ne­rin­nen und Einwoh­nern wird unsere Stimme nur dann zu hören sein, wenn wir im Chor mit vielen anderen auftreten.»

«Gruppe der Sieben»

Deutsch­land übernimmt den Vorsitz von Großbri­tan­ni­en. Zur «Gruppe der Sieben» gehören außer­dem noch die USA, Frank­reich, Itali­en, Japan und Kanada. Der Kreis westli­cher Indus­trie­na­tio­nen wurde 1975 vom damali­gen Bundes­kanz­ler Helmut Schmidt und dem franzö­si­schen Präsi­den­ten Valéry Giscard d’Estaing während einer Weltwirt­schafts­kri­se zunächst als G6 gegrün­det, aus der dann ein Jahr später die G7 mit Kanada wurde. 1998 wurde Russland aufge­nom­men, 2014 wegen der Verein­nah­mung der ukrai­ni­schen Krim aber wieder ausgeschlossen.

Eine Rückkehr Russlands in die Gruppe ist nicht in Sicht. Die G7 versucht sich inzwi­schen als Staaten­grup­pe zu profi­lie­ren, die westli­che Werte im System­wett­be­werb mit Ländern wie China und Russland verteidigt.

Großbri­tan­ni­en lud deswe­gen zum Gipfel­tref­fen 2021 Länder wie Indien, Südko­rea, Südafri­ka und Austra­li­en ein. Außen­mi­nis­te­rin Annale­na Baerbock (Grüne) kündig­te in einem dpa-Inter­view an, bei den beiden geplan­ten Außen­mi­nis­ter­tref­fen Länder dabei­ha­ben zu wollen, «die entlang gemein­sa­mer Werte wie Freiheit und Rechts­staat­lich­keit für wirtschaft­li­che Entwick­lung stehen». Bei dem einen Treffen könnten das afrika­ni­sche Staaten sein, bei dem anderen Länder aus dem pazifi­schen Raum. «Handeln, bevor es zu spät ist», will Baerbock zu einer Haupt­bot­schaft des G7-Jahres machen.

Schloss Elmau

Das genaue Programm soll zu einem späte­ren Zeitpunkt vorge­stellt werden, der Gipfel­ort wurde aber schon kurz nach dem Amtsan­tritt der neuen Regie­rung verkün­det: Wie 2015 wird es Schloss Elmau in der Nähe von Garmisch-Parten­kir­chen sein.

Kanzler Scholz wird dann erstmals Gastge­ber eines so bedeu­ten­den inter­na­tio­na­len Treffens sein. Er hat aber bereits Gipfel­erfah­rung gesam­melt — nicht nur positi­ve. Beim letzten großen Gipfel unter deutschem Vorsitz, dem G20-Treffen in Hamburg 2017, war er als Erster Bürger­meis­ter der Hanse­stadt mit für die Gipfel-Vorbe­rei­tung und für die Sicher­heit verant­wort­lich. Das Treffen wurde von massi­ven Krawal­len mit erheb­li­chen Schäden in der Hambur­ger Innen­stadt überschattet.