RAVENSBURG – Wo die Bergwacht zu finden ist, vermu­tet man auch hohe Berge. Aber es reichen durch­aus prägnan­te Hügel, Tobel und viel Natur. Von alldem hat die Region Oberschwa­ben-Boden­see zuhauf zu bieten. Gerät in dieser Region jemand in unweg­sa­mem Gelän­de in eine Notsi­tua­ti­on, ist die Bergwacht Ravens­burg gefragt, die an den DRK-Kreis­ver­band Ravens­burg angeglie­dert ist. Einige Kamera­den berich­ten über ihre Einsät­ze, über das Training und den Zusammenhalt.

Inter­es­se an Natur und Technik
„Wir sind dort, wo der Rettungs­dienst nicht mehr hinkommt“, sagt Micha­el Hoferer von der DRK-Bergwacht. Ein ATV-Fahrzeug – eine Art Quad – gehört zu ihrer Ausstat­tung und bringt sie möglichst nahe zu entle­ge­nen Einsatz­or­ten. Wer sich bei der Bergwacht engagiert, ist gerne in der Natur und das bei Wind und Wetter. Leiter Markus Mayer schil­dert die Art der Einsät­ze: etwa der Sturz eines Mountain­bi­kers im Laura­tal, die Rettung eines Waldar­bei­ters, die Bergung eines Paragli­ders aus den Bäumen oder die Versor­gung eines erschöpf­ten Seniors in einem Tobel. Das ATV lässt sich zum Raupen­fahr­zeug umbau­en: hilfreich zum Beispiel auch im Winter, wenn etwa im Schnee einge­schlos­se­ne Autofah­rer versorgt werden müssen. Ungefähr einmal im Monat müssen sie zu einem Notfall ausrü­cken – in der Regel geschieht dies mit bis zu fünf Leuten. 

Regel­mä­ßi­ges Training und körper­li­che Fitness
„Spätes­tens wenn man zu viert eine Person mit 80 Kilogramm über 500 Meter schlep­pen muss, dann weiß man, wie anstren­gend solche Einsät­ze sein können“, schil­dern die Einsatz­kräf­te. Zumal noch das Gewicht der Trage hinzu­kommt und das der Rucksä­cke mit der techni­schen und medizi­ni­schen Ausstat­tung, die gut und gerne 20 Kilogramm wiegen. In steilem Gelän­de, wie dem ausge­präg­ten Tobel­ge­biet in Oberschwa­ben, kann es vorkom­men, dass die Bergwacht­ler mit Seil sichern müssen: die verun­fall­te Person und auch sich selbst. Die Kunst des Kletterns ist bei der Bergwacht daher auch in vermeint­lich flache­rem Land unent­behr­lich und muss in der Ausbil­dung gelernt werden. Fit machen sich die Einsatz­kräf­te durch regel­mä­ßi­ges Training. „Jeden zweiten Diens­tag heißt es: raus in die Natur,“ erklärt Daniel Naumann, einer der Bergwacht-Anwär­ter. 23 Aktive zählt die Bergwacht Ravens­burg derzeit, sieben von ihnen sind teils schon lange ausgebildet. 

Alle Situa­tio­nen sind einzigartig
Jeder Notfall ist anders. Gemein­sam ist aber allen, dass sie viel Wissen und Übung erfor­dern. „Die Ausbil­dung hat die Schwer­punk­te Natur, Medizin und Technik“, schil­dert Daniel da Silva, der stell­ver­tre­ten­de Leiter der Bergwacht. „Natur­schutz, alpine Gefah­ren, Orien­tie­rung etwa mit dem Kompass gehören zu den Prüfungs­ein­hei­ten“, ergänzt Naumann. Wer einen Knoten 50 Mal gemacht hat, kann ihn zwar. Für Einsät­ze unter Stress muss er aber 700 Mal geübt sein. Die Symbo­lik gilt auch für andere Abläu­fe. Für die schnel­le Erstver­sor­gung ist in unweg­sa­men und unüber­sicht­li­chen Gelän­de oft instink­ti­ves Handeln wichtig. Blindes Vertrau­en und absolu­te Verläss­lich­ke