Klein, kompakt, perfekt: die Musik­kas­set­te. Seine Erfin­dung hat die Musik­welt revolu­tio­niert. Jetzt ist Lou Ottens mit 94 Jahren gestorben.

AMSTERDAM (dpa) — Der nieder­län­di­sche Ingenieur und Erfin­der der Musik­kas­set­te (MC), Lou Ottens, ist tot. Er starb nach Berich­ten nieder­län­di­scher Medien im Alter von 94 Jahren an seinem Wohnort Duizel im Südos­ten des Landes. Der Konzern Philips bestä­tig­te Ottens’ Tod am Donners­tag in Amster­dam der Deutschen Presse-Agentur.

Ottens hatte für den Elektronik­kon­zern 1963 eine Kompakt- oder Audio­kas­set­te entwi­ckelt, die den Musik­markt revolu­tio­nier­te. Später war er auch an der Entwick­lung der Compact-Disc (CD) betei­ligt. «Lou war ein beson­de­rer Mann», erklär­te die Direk­to­rin des Philips-Museums in Eindho­ven, Olga Coolen. Er habe Techno­lo­gie immer geliebt.

Schon als Kind hatte Ottens Inter­es­se für Audio-Appara­te gezeigt. Als Jugend­li­cher bastel­te er während der deutschen Besat­zung im Zweiten Weltkrieg ein Radio, mit dem seine Eltern den Wider­stands­sen­der Radio Oranje hören konnten. Es hatte eine beson­de­re Anten­ne, die er, wie er dem «NRC Handels­b­lad» sagte, «Germa­nen­fil­ter» nannte — denn sie konnte die deutschen Störsen­der vermeiden.

Nach dem Krieg wurde Ottens Ingenieur beim Elektronik­kon­zern Philips und 1960 Chef der Abtei­lung Produkt­ent­wick­lung. 1963 präsen­tier­te er die Musik­kas­set­te auf einer Elektronik­mes­se. «Die Kompakt­kas­set­te wurde eigent­lich erfun­den aus Ärger über den Bandre­kor­der, so einfach ist das», sagte er später.

Ottens hatte sich ein Holzstück zurecht­ge­sägt, das genau in die Innen­ta­sche seiner Jacke passte. So groß durfte die Kasset­te nur sein. Über den Erfolg der MC sei er selbst erstaunt gewesen, erinnert sich die Museums­di­rek­to­rin. «Über 100 Milli­ar­den wurden weltweit verkauft.»

Jahrzehn­te­lang beherrsch­te die Kompakt­kas­set­te die Musik­bran­che. Jeder Haushalt hatte mindes­tens einen Kasset­ten­re­kor­der oder einen