Der Exper­te kann auch fundiert erklä­ren, was es mit dem umgangs­sprach­li­chen Begriff des Popels auf sich hat. Gemeint seien «einge­dick­tes Nasen­se­kret und Krusten in der Nase, wobei dies nur Krusten im Nasen­ein­gang und vorders­ten Abschnitt betrifft», sagt der Leiter der Sekti­on Nasen­ne­ben­höh­len- und Schädel­ba­sis­chir­ur­gie an der HNO-Klinik des Städti­schen Klini­kums Karls­ru­he.

Warum Popeln nicht gut ist

Dort, im vorde­ren Bereich der Nase, ist die Oberflä­chen­be­de­ckung zunächst Haut, die in Schleim­haut ohne Flimmer­här­chen übergeht und erst weiter hinten dann von Schleim­haut mit Flimmer­här­chen abgelöst wird. Weber: «Die Trans­port­rich­tung der Härchen geht nach hinten zum Rachen.» Entwi­ckeln sich Krusten, findet aller­dings vorn in der Nase kein Trans­port statt.

Die Krusten entste­hen entwe­der durch das Eintrock­nen eines Sekrets, das von der Nasen­schleim­haut stammt, oder durch ein Wundse­kret von oberfläch­li­chen Verlet­zun­gen im Nasen­ein­gang.

Und das ist ein Grund, warum Popeln nicht gut für die Nase ist. «Diese Verlet­zun­gen kommen meist vom Naseboh­ren oder dem Verwen­den von Watte­stäb­chen», erklärt Weber. Vermehr­ter Nasen­schleim kann aber auch die Folge einer Entzün­dung der Nasen­ne­ben­höh­len oder der Nasen­schleim­haut — bei Heuschnup­fen zum Beispiel — sein.

Selten komme es vor, dass der Schleim nicht nach hinten abflie­ßen könne oder die Nase wegen der Einnah­me bestimm­ter Medika­men­te trocken sei, so der HNO-Arzt. «Erfah­rungs­ge­mäß ist die häufigs­te Ursache aber das Bohren», sagt Weber. «Das ist vielen Menschen nicht bewusst.»

Ein bohren­der Teufels­kreis

Vor allem im Winter ist die Luft trocke­ner, es kommt häufi­ger zu einem Trocken­heits­ge­fühl am Nasen­ein­gang – und man popelt. Weite­re Ursachen können ein zu inten­si­ves Nachrei­ni­gen beim Nasen­put­zen sein oder weil man eine Salbe mit einem Stäbchen in der Nase verstreicht. Weber: «All das führt zu einer Verlet­zung, die den Körper zur Wundhei­lungs­re­ak­ti­on mit Krusten­bil­dung veran­lasst.»

Das Problem ist: Die Kruste führt wieder zum Trocken­heits­ge­fühl — und schon kratzt der Finger erneut in der Nase herum, um den Stören­fried zu entfer­nen. «Ein Teufels­kreis entsteht», sagt Prof. Weber. Also lieber Hände weg vom Nasen­loch, so schwer es auch fallen mag.

Statt zu popeln empfiehlt der HNO-Arzt Micha­el E. Deeg seinen Patien­ten, die zu einer trocke­nen Nase neigen und Verbor­kun­gen in der Nase entwi­ckeln, eine energi­sche Pflege mit Nasen­sal­ben und Nasen­spü­lun­gen. «Das ist aus meiner Sicht ideal.»

Eine Spülung kann man sehr oft, sogar zwei- bis dreimal am Tag, machen. Man spült hierbei mit einer isoto­ni­schen Salzlö­sung die Nase und befreie sie von allem, erklärt Deeg.

Drinlas­sen ist keine Option

Was keine Option ist: Die Popel drin lassen. «Das kann unange­nehm werden. Die Nase fühlt sich wie zugestopft an», sagt Deeg. Wobei man unter­schei­den muss zwischen gewohn­heits­mä­ßi­gem Naseboh­ren und der Proble­ma­tik der Verbor­kung, die einen Krank­heits­wert hat.

Treten die Popel nur ausnahms­wei­se gehäuft auf, zum Beispiel eine Woche lang nach einem Infekt, ist kein Arztbe­such nötig. «Geht das aber über Wochen so, sollte sich das ein Arzt anschau­en», sagt Deeg. Vor allem, wenn der Betrof­fe­ne dauernd das Gefühl habe, seine Nase sei verstopft und da ständig dieses Bedürf­nis zum Popeln ist.

Eine Frage der Selbst­dis­zi­plin

Bei einem gewohn­heits­mä­ßi­gen «Popler» hinge­gen ist alles eine Frage der Selbst­dis­zi­plin. Neben regel­mä­ßi­gen Spülun­gen kann es helfen, unter­wegs Pflege­sprays oder Salben in der Tasche haben. «Auf diese Weise kann man eine Selbst­kon­trol­le aufbau­en und man schafft es leich­ter, dieses komische Verhal­ten zu verlie­ren», sagt Deeg.

In selte­nen Fällen kann das Naseboh­ren zwang­haft werden. «Dann schicken wir den Patien­ten zum Thera­peu­ten», sagt der Arzt, der im Bundes­vor­stand des Berufs­ver­ban­des der Hals-Nasen-Ohren­ärz­te sitzt. «Aber das sind Ausnah­men», betont Deeg. Er selbst habe erst einmal einen solchen Patien­ten gehabt.

Durch das Bohren entste­hen übrigens nicht nur neue Krusten, die Nase kann auch Schaden nehmen. Zwar werde der Knorpel im Nasen­flü­gel nicht geschä­digt, weil er dem Druck auswei­che, erläu­tert Rainer Weber. Der Knorpel in der Nasen­schei­de­wand aller­dings könne durch inten­si­ves und lang anhal­ten­des Naseboh­ren ausge­dünnt und sogar durch­bohrt werden. «Es kann also proble­ma­tisch werden», sagt Weber.

Darf man Popel essen?

Bleibt noch eine letzte Sache zu klären: Mancher streicht die Popel nicht etwa an einem Papier­ta­schen­tuch ab, sondern nascht sie einfach weg. Das mag unappe­tit­lich sein, ist aber harmlos. In Magen und Darm werden die enthal­te­nen Bakte­ri­en abgetö­tet und die gegebe­nen­falls enthal­te­nen Nährstof­fe aufge­nom­men. «Viele halten das Essen für eklig, manche mögen es aber», sagt Weber. Der Profes­sor bleibt neutral: «Es ist eine Geschmacks­sa­che.» Von Angeli­ka Mayr, dpa