MÜNCHEN (dpa) — Die Fußball-Natio­nal­elf beendet das Jahr auf Weltrang­lis­ten­platz zwölf. Ein echter WM-Titel­kan­di­dat ist Deutsch­land damit 2022 nicht. Hansi Flick hat mit seinem Rekord­start aber eine Aufbruch­stim­mung erzeugt. Der Weg nach Katar beginnt mit einem spezi­el­len Projekt.

Der Sehnsuchts­ort von Hansi Flick liegt mitten in der Wüste. Im 80.000 Zuschau­er fassen­den Lusail Stadi­um im Emirat Katar wird am 18. Dezem­ber 2022 der nächs­te Fußball-Weltmeis­ter gekürt.

Das WM-Finale ist das Ziel des Bundes­trai­ners — acht Jahre nach seinem ersten Titel­ge­winn mit der deutschen Natio­nal­mann­schaft im legen­dä­ren Maracanã von Rio, damals noch als Assis­tent von Joachim Löw.

«Liefern dann, wenn es zählt» — diesen Leitsatz wird Flick den Natio­nal­spie­lern im neuen Jahr bei jeder Zusam­men­kunft einimp­fen. Eine verschwo­re­ne Einheit will der 56-Jähri­ge formen, Teamgeist vorle­ben: «Erfolg hast du nur gemein­sam. Und so agiere ich auch.»

Weiße Weste als Bundestrainer

Als Trainer steht Flick seit dem ruhmrei­chen Wirken beim FC Bayern für attrak­ti­ven Fußball, Siege und Titel. Gleich sieben sammel­te er in nicht mal zwei Jahren in München: Deutscher Meister, Pokal­sie­ger, Champions-League-Sieger, Club-Weltmeis­ter — Flick räumte auf Vereins­ebe­ne alle Trophä­en ab. Und als Bundes­trai­ner legte er mit sieben Siegen in sieben Länder­spie­len gleich einen Rekord­start hin.

Dennoch mag Flick für die erste Winter-WM der Fußball-Geschich­te nur eines garan­tie­ren: Er will das DFB-Team um Kapitän Manuel Neuer bestens auf ein Turnier vorbe­rei­ten, bei dem das Gastge­ber­land Katar etwa wegen der Menschen­rechts­si­tua­ti­on oder der Arbeits­be­din­gun­gen auf den WM-Baustel­len massiv in der Kritik steht.

Flick: «Titel kann man nicht garantieren»

Zum Jahres­wech­sel ist auch sport­lich vieles diffus. Es stehen noch gar nicht alle WM-Teilneh­mer fest, die Gruppen­geg­ner erfährt Flick erst bei der Auslo­sung am 1. April in Doha. Das ändert aber nichts an seiner grund­sätz­li­chen Einschät­zung: «Wer am besten vorbe­rei­tet ist, wird auch die beste WM spielen.» Ein WM-Turnier mitten in der Saison ist eine komplett neue Heraus­for­de­rung für die letzt­mals 32 Teams.

Flick mag den Fans, die dem DFB-Team nach den Enttäu­schun­gen in der Endpha­se der Ära Löw angesichts seines Topstarts wieder zugetan sind, lieber nicht zu viel verspre­chen: «Titel kann man nicht garantieren.»

Die letzte FIFA-Weltrang­lis­te 2021 listet den vierma­li­gen Weltmeis­ter Deutsch­land auf Platz zwölf, hinter den USA und vor der Schweiz. «Wir sind der Heraus­for­de­rer, der etwas gewin­nen will», sagt Flick. Auf den Spitzen­plät­zen stehen andere: Belgi­en, Brasi­li­en, Frank­reich, England, Argen­ti­ni­en, Itali­en, Spani­en. Die EM-Finalis­ten des vergan­ge­nen Sommers, Itali­en und England, werden in der Nations League wichti­ge Prüfstei­ne auf dem Weg nach Katar sein.

«Da müssen wir den nächs­ten Schritt machen», fordert Flick. Ungarn ist der dritte Gruppen­geg­ner. «Top, ideal, reizvoll», nennt Flick das schwie­ri­ge Los: «Wir können uns mit den Besten Europas messen.»

Nations League als WM-Formbarometer

Die Natio­nen­li­ga wird vor der Kader­no­mi­nie­rung zum aufschluss­rei­chen WM-Formba­ro­me­ter. Vor dem großen Länder­spiel­block mit vier Partien Anfang Juni würde Flick gerne ein Trainings­la­ger absol­vie­ren. «Wir sind da vom Goodwill der Verei­ne abhän­gig», weiß er jedoch.

«Zurück in die Weltspit­ze» — das war und ist die Vorga­be, die Flick von DFB-Direk­tor Oliver Bierhoff beim Amtsan­tritt im August nach dem EM-Achtelfinal‑K.o. gegen England gestellt bekam. Team-Senior Neuer rief noch vor Flicks Debüt den WM-Titel als persön­li­ches Ziel aus. «Wir wollen nun angrei­fen», sagte auch Angrei­fer Serge Gnabry nach der erfolg­rei­chen WM-Quali­fi­ka­ti­on gegen zweit­klas­si­ge Gegner.

Flick ist ein Turnier­ex­per­te. Er weiß, wie man rund um ein Team eine Atmosphä­re schafft, in der ein Erfolgs­geist entste­hen kann. Aus den acht Jahren als Löw-Assis­tent kennt er die Dynamik einer WM. Ein Turnier habe verschie­de­ne Phas