OCHSENHAUSEN — Nein, für schwa­che Nerven war das gewiss nichts! Das prickeln­de Derby zwischen den TTF Liebherr Ochsen­hau­sen und dem TTC Neu-Ulm hielt die 200 Fans in der – den Corona-Aufla­gen entspre­chend – restlos ausver­kauf­ten Dr.-Hans-Liebherr-Halle drei Stunden und 12 Minuten (Netto-Spiel­zeit zwei Stunden 45 Minuten) in Atem. Und bis zum letzten Ballwech­sel des abschlie­ßen­den Doppels war nicht abzuse­hen, wer die Arena als Sieger verla­sen würde. 

Mit toller Teamleis­tung Platz 2 gefestigt 

Umso größer die Freude bei den heftig gefor­der­ten Oberschwa­ben, dass sie abermals eine kniff­li­ge Partie siegreich beenden und ihre weiße Weste behal­ten konnten. Dies gelang – selbst wenn es abgedro­schen klingen mag – aufgrund einer geschlos­se­nen Mannschafts­leis­tung, nicht aufgrund eines ungeahn­ten Höhen­flu­ges eines einzel­nen Spielers. Alle traten sehr engagiert auf und konnten etwas zum Sieg beisteu­ern. Kanak Jha und Simon Gauzy jeweils einen Sieg über den Ex-Ochsen­hau­ser Sidoren­ko sowie das Doppel Samuel Kulczycki/Maciej Kubik einen hart erkämpf­ten Erfolg im drama­ti­schen Schluss­dop­pel gegen Apolonia/Katsman.

Mit 10:0 Punkten sind die TTF vor dem für vier Wochen letzten Bundes­li­ga­spiel gegen Bergneu­stadt (Sonntag, 15 Uhr, Dr.-Hans-Liebherr-Halle) weiter Tabel­len­zwei­ter, direkt hinter Spitzen­rei­ter Düssel­dorf (12:0), der eine Partie mehr ausge­tra­gen hat. Eine schöne Ausgangs­ba­sis für den weite­ren Saison­ver­lauf nach knapp einem Viertel der Punkt­se­rie – gerech­net nach ausge­tra­ge­nen Partien. 

„Einfach nur großar­tig, ich kann mich nicht erinnern, wann wir mal mit fünf Siegen in Folge gestar­tet sind“, freute sich TTF-Präsi­dent Kristi­jan Pejino­vic. „Der Schlüs­sel zum Sieg war, dass jeder, wirklich jeder etwas dazu beigesteu­ert hat.“ Pejino­vic beton­te: „Es war ein hochklas­si­ges Derby gegen einen starken Gegner, der bis zuletzt gut dagegen gehal­ten hat. Kompli­ment an beide Mannschaf­ten für diese Leistung!“ Dieses Derby – auch dies mag wie eine Platti­tü­de klingen, trifft aber absolut zu – war tatsäch­lich eine Werbung für die Tischtennisbundesliga. 

Kampf und Können: Beides war reich­lich vorhan­den, bei beiden Teams im Duell der aktuel­len gegen die ehema­li­gen Ochsen­hau­ser – ledig­lich der 20-jähri­ge Russe Lev Katsman stand noch nie bei den TTF unter Vertrag. Ständi­ger Trainings­gast in Oberschwa­ben war aber auch er schon bis einschließ­lich vorletz­te Saison. 

TTF liegen zweimal hinten, drehen aber das Match noch 

Es begann etwas überra­schend mit dem Duell der beiden Führungs­spie­ler. Eigent­lich hätte man den frühe­ren Ochsen­hau­ser Tiago Apolo­nia eher auf Positi­on eins erwar­tet, doch er wurde wohl mit Blick auf das mögli­che und dann ja auch tatsäch­lich gespiel­te Doppel von TTC-Trainer Dmitrij Mazun­ov als Nummer zwei aufge­stellt. Apolo­nia zeigte, dass er immer noch richtig gut ist und zwang mit seinem siche­ren Spiel den Weltrang­lis­ten-18 Gauzy, der keines­wegs schwach spiel­te, wieder­holt zu Fehlern, die nach fünf spannen­den Sätzen den Ausschlag zu Gunsten des Neu-Ulmers gaben. 

An Kanak Jha war es nun, gegen Links­hän­der Vladi­mir Sidoren­ko für den Ausgleich zu sorgen – ein 0:2 zur Pause wäre schon eine hefti­ge Hypothek gewesen. Und Jha machte den Punkt und baute seine Einzel­bi­lanz auf 6:2 aus. Aller­dings machte ihm sein Gegner, der natür­lich nur zu gerne ausge­rech­net gegen Ochsen­hau­sen einen Sieg einge­fah­ren hätte, das Leben nicht leicht und zwang den US-Boy in den Entschei­dungs­satz, der dann aber mit 11:7 zuguns­ten von Jha endete, den man im Vergleich zur Vorsai­son nicht wiedererkennt. 

Samuel Kulczy­cki gewann zwar den zweiten Satz gegen Lev Katsman deutlich, doch die anderen Durch­gän­ge gingen alle an den Russen, der diesmal der nerven­stär­ke­re Spieler war. Somit ging Neu-Ulm mit 2:1‑Führung, Simon Gauzy war also zum Siegen verur­teil