BRÜSSEL/BERLIN (dpa) — Schon Anfang Septem­ber könnte das Oktober-Ziel beim Füllen der Gasspei­cher erreicht werden, so Minis­ter Habeck. Im Winter könnte dieses Gas dann genutzt und akuter Mangel vermie­den werden.

Der Füllstand der deutschen Erdgas­spei­cher nähert sich trotz erheb­lich gedros­sel­ter Liefer­men­gen aus Russland weiter der 85-Prozent-Marke.

Wie aus im Inter­net veröf­fent­lich­ten Daten der europäi­schen Gasspei­cher-Betrei­ber hervor­ging, lag der Füllstand am vergan­ge­nen Donners­tag­mor­gen bei 81,78 Prozent. Für Freitag (26.8.) war ein weite­rer Anstieg auf 82,2 Prozent erwar­tet worden. «Die Speicher füllen sich schnel­ler als vorge­ge­ben», sagte Bundes­wirt­schafts­mi­nis­ter Robert Habeck dem «Spiegel».

Der Grünen-Politi­ker geht davon aus, dass die von ihm vorge­ge­be­nen Zielmar­ken deutlich früher erreicht werden. Das Oktober-Speicherziel von 85 Prozent dürfte aus Sicht des Minis­te­ri­ums schon Anfang Septem­ber erreicht werden, bestä­tig­te eine Spreche­rin. Zuvor hatte «Spiegel» aus einem inter­nen Vermerk des Minis­te­ri­ums zitiert. Auch der Präsi­dent der Bundes­netz­agen­tur, Klaus Müller, hatte jüngst gesagt, die Gasspei­cher würden mit einer «bewun­derns­wer­ten Geschwin­dig­keit» befüllt. Nach Habecks Worten werden die Unter­neh­men das Gas in den Speichern dann über den Winter planmä­ßig ausspei­chern können, um auch darüber Indus­trie und Haushal­te zu versorgen.

Verord­nung: Am 1. Novem­ber mindes­tens 95 Prozent

Eine Verord­nung sieht vor, dass die deutschen Speicher am 1. Oktober zu mindes­tens 85 Prozent gefüllt sein müssen. Am 1. Novem­ber sollen es mindes­tens 95 Prozent sein. Die Speicher gleichen Schwan­kun­gen beim Gasver­brauch aus und bilden damit eine Art Puffer­sys­tem für den Gasmarkt. Der Füllstand wird immer erst mit Verzö­ge­rung gemeldet.

Russland hatte zuletzt angekün­digt, Gaslie­fe­run­gen über die Ostseepipe­line Nord Stream 1 Ende August für drei Tage zu unter­bre­chen. Vom 31. August bis zum 2. Septem­ber werde wegen Wartungs­ar­bei­ten kein Gas nach Deutsch­land fließen. Danach sollten täglich wieder 33 Millio­nen Kubik­me­ter Erdgas gelie­fert werden. Das entspricht den 20 Prozent der tägli­chen Maximal­leis­tung, auf die Russland die Liefe­rung schon vor einigen Wochen verrin­gert hat.

Der Bezug von russi­schem Gas ist laut Wirtschafts­mi­nis­te­ri­um deutlich gesun­ken. Im August seien nur neunein­halb Prozent des Gasver­brauchs über die russi­schen Pipelines angekom­men, bestä­tig­te die Spreche­rin. Das liege auch am gerin­gen Verbrauch des Sommers. «Das Gros der russi­schen Pipeline-Import­men­gen wurde über andere Wege kompen­siert, heißt es in dem Vermerk laut «Spiegel».

Neue Bezugs­quel­le solle nun Frank­reich werden. Bislang hat Frank­reich auch russi­sches Gas über Deutsch­land bezogen. Zudem impor­tiert das Land wegen zahlrei­cher herun­ter­ge­fah­re­ner Atomkraft­wer­ke große Mengen von Strom aus Deutsch­land. Dieser stammt überwie­gend aus Gaskraft­wer­ken, die extra für den Frank­reich-Export laufen. Doch ab Herbst soll dem Minis­te­ri­um zumin­dest der Gasstrom nun umkeh­ren. Auch Flüssig­gas­ter­mi­nals in Frank­reich könnten für den deutschen Einkauf von Gas genutzt werden und die Versor­gungs­la­ge deutlich entspannen.

Deutsch­land verfügt in Mittel- und Westeu­ro