Berlin (AFP) — Der bekann­te briti­sche Graffi­ti-Künst­ler Banksy hat ein Schiff zur Seenot­ret­tung von Flücht­lin­gen gestif­tet. Wie die deutsche Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Sea-Watch am späten Donners­tag­abend im Online­dienst Twitter schrieb, nahm das von dem Künst­ler pink bemal­te Rettungs­schiff bereits 89 auf dem Mittel­meer in Seenot gerate­ne Menschen auf. “Wir freuen uns über die pinke Verstär­kung!”, schrieb Sea-Watch zu einem Foto des Schiffs.

Zuerst hatte der briti­sche “Guardi­an” über den ersten Einsatz des unter strengs­ter Geheim­hal­tung beschaff­ten Schiffs berich­tet. Der für seine Kritik an der europäi­schen Flücht­lings­po­li­tik bekann­te Banksy hatte das Schiff unter anderem mit dem Graffi­ti eines Mädchens in Rettungs­wes­te dekoriert, das einen pinken Rettungs­ring in Herzform hält. Dafür soll er laut der Website des Schiffs einen Feuer­lö­scher benutzt haben. Benannt ist das Schiff nach “Louise Michel”, einer franzö­si­schen Anarchis­tin aus dem 19. Jahrhun­dert.

Wie der “Guardi­an” weiter berich­te­te, ist die bekann­te deutsche Aktivis­tin Pia Klemp die Kapitä­nin des Schiffs. Die italie­ni­sche Justiz ermit­telt seit vergan­ge­nem Jahr gegen sie wegen “Beihil­fe zur illega­len Einrei­se”.

Klemp sagte der Zeitung: “Ich sehe die Seenot­ret­tung nicht als eine humani­tä­re Aktion, sondern als Teil eines antifa­schis­ti­schen Kampfes.” Die Crew besteht laut Sea-Watch aus zehn erfah­re­nen Seenot­ret­tern aus ganz Europa. Das Leben an Bord zeich­net sich laut Website durch “flache Hierar­chien und eine vegane Ernäh­rung” aus.

Laut “Guardi­an” hatte Banksy Klemp im vergan­ge­nen Septem­ber per E‑Mail kontak­tiert. “Hallo Pia, ich habe über deine Geschich­te in der Zeitung gelesen. Du klingst wie ein knall­har­ter Typ”, zitiert die Zeitung aus der Nachricht, die Klemp zunächst für einen Scherz hielt.

Banksy habe weiter geschrie­ben: “Ich bin ein Künst­ler aus Großbri­tan­ni­en und habe einige Arbei­ten über die Migra­ti­ons­kri­se gemacht, natür­lich kann ich das Geld nicht behal­ten. Könntest du es verwen­den, um ein neues Boot oder so etwas zu kaufen? Bitte lass es mich wissen. Gut gemacht. Banksy.”

Das Schiff stammt von der franzö­si­schen Marine und wurde zwischen Ende Juni und Mitte August im spani­schen Borria­na nördlich von Valen­cia umgebaut, wie ein Sprecher des Hafens der Nachrich­ten­agen­tur AFP sagte. Laut Website ist das 30 Meter lange Schiff zwar kleiner als der Rest der Sea-Watch-Flotte, aber dafür mit 28 Knoten (51 km/h) so schnell, dass es mit den Schif­fen der libyschen Küsten­wa­che mithal­ten kann.

Nachdem sie von Spani­en aus in See stach, unter­stütz­te die “Louise Michel” zunächst zwei Einsät­ze des Schwes­ter­schiffs “Sea Watch 4”, bevor sie laut Twitter-Account des Schiffs am Donners­tag selbst 89 Menschen — darun­ter 14 Frauen und zwei Kinder — aus dem Mittel­meer aufnahm. Die Geret­te­ten hätten demnach unter Dehydrie­rung, Verbren­nun­gen und Verlet­zun­gen durch Folter in Libyen gelit­ten und warte­ten nun auf einen “Hafen der Sicher­heit”.

In diesem Jahr versu­chen Migran­ten wieder vermehrt von Libyen und Tunesi­en aus mit Booten nach Europa zu gelan­gen. Nach Schät­zun­gen der Inter­na­tio­na­len Organi­sa­ti­on für Migra­ti­on sind 2020 bereits mehr als 300 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekom­men.

Gleich­zei­tig gehen die italie­ni­schen Behör­den hart gegen die Aktivis­ten vor. Das letzte erfolg­rei­che Rettungs­schiff, die “Ocean Viking” der Organi­sa­ti­on SOS Méditer­ra­née, wird seit Anfang Juli von den italie­ni­schen Behör­den “aus techni­schen Gründen” festge­hal­ten, nachdem es 180 Migran­ten nach Sizili­en gebracht hatte.