Der DFB plagt sich seit einigen Jahren mit etlichen Proble­men. Immer wieder wird der Verband durch Affären erschüt­tert. Präsi­dent Keller steht bei den Aufräum­ar­bei­ten vor einer Herku­les­auf­ga­be.

Statt mit aller Kraft die Zukunft zu gestal­ten, muss der von einer Steuer­af­fä­re erschüt­ter­te Verband wieder einmal Altlas­ten wegräu­men. «Haus in Flammen», wie die «Frank­fur­ter Rundschau» nach der Groß-Razzia der Staats­an­walt­schaft wegen des Verdachts der schwe­ren Steuer­hin­ter­zie­hung titel­te, statt letztes Lager­feu­er der Gesell­schaft.

Sommer­mär­chen-Affäre, Führungs­kri­sen, sport­li­che Proble­me, finan­zi­el­le Einbu­ßen, dazu die Corona-Pande­mie: Die fetten Jahre in der Otto-Fleck-Schnei­se sind vorbei. DFB-Boss Fritz Keller, der das Amt im Septem­ber 2019 übernahm, ist momen­tan mehr als Krisen­ma­na­ger denn Erneue­rer gefragt. Doch kann er die massi­ven Proble­me des Verban­des, dessen Image deutlich gelit­ten hat, lösen?

Der 63-Jähri­ge ist zwar ein erfolg­rei­cher Unter­neh­mer, als Funktio­när eines klüngel­haf­ten Verban­des verfügt er jedoch über keiner­lei Erfah­run­gen. Zudem besitzt der Präsi­dent in seinem Amt keine Richt­li­ni­en­kom­pe­tenz. Bei der Neuaus­rich­tung des Verban­des ist Keller auf Mitstrei­ter angewie­sen, die unmit­tel­bar von der Steuer-Affäre betrof­fen sind — und denen im schlimms­ten Fall sogar Haftstra­fen drohen. Dennoch kündig­te Keller an: «Ich kann nur sagen, dass wir vollum­fäng­lich koope­rie­ren werden in der Angele­gen­heit.»

Die Staats­an­walt­schaft Frank­furt wirft sechs ehema­li­gen und aktuel­len DFB-Funktio­nä­ren vor, Erlöse aus der Banden­wer­bung bei den Heimlän­der­spie­len der Natio­nal­mann­schaft in den Jahren 2014 und 2015 «bewusst unrich­tig als Einnah­men aus der Vermö­gens­ver­wal­tung erklärt zu haben». Damit sei der DFB einer Besteue­rung in Höhe von etwa 4,7 Millio­nen Euro entgan­gen.

Knack­punkt in dem Fall ist ein Passus im Vertrag zwischen dem DFB und der Vermark­tungs­fir­ma Infront, in dem diese sich auf Wunsch des Verban­des dazu verpflich­tet haben soll, keine Rechte an der Banden­wer­bung an Konkur­ren­ten des damali­gen General­spon­sors (Merce­des) und General­aus­rüs­ters (Adidas) zu verge­ben. Aufgrund dieser aktiven Einfluss­nah­me hätte der DFB die Einnah­men nach Ansicht der Staats­an­walt­schaft nicht als Vermö­gen angeben dürfen, sondern gewerb­lich versteu­ern müssen.

Der Verband war sich dieser Proble­ma­tik schon lange bewusst. Nach Infor­ma­tio­nen des «Spiegel» soll der Steuer­fach­mann des DFB bereits 2013 die damali­ge Führungs­rie­ge um Präsi­dent Wolfgang Niers­bach gewarnt haben, dass die Finanz­be­hör­den deswe­gen Ärger machten. Aus seiner Sicht bestün­de «keine Chance, die Vermö­gens­ver­wal­tung zu erhal­ten». Der DFB blieb bei seinem Steuer­mo­dell — legte aber 2017 zur Sicher­heit 20 Millio­nen Euro für eventu­el­le Steuer­nach­zah­lun­gen zurück.

Dieses Geld wird der DFB nun wohl brauchen. Eine wahrschein­li­che Strafe wird den finan­zi­ell gesun­den Verband, der im Vorjahr einen Gewinn von 20 Millio­nen Euro verbuch­te, zwar nicht in seinen Grund­fes­ten erschüt­tern. Sie wäre aber zumin­dest schmerz­haft, denn die finan­zi­el­le Situa­ti­on ist durch die Corona-Krise längst nicht mehr so rosig. «Extre­me Sparsam­keit ist das Gebot der Stunde», hatte Schatz­meis­ter Stephan Osnabrüg­ge im Juli bei der Vorstel­lung des Finanz­be­richts 2019 erklärt.

Kein Wunder, werden doch vor allem die Erlöse aus dem Spiel­be­trieb der DFB-Auswahl in diesem Jahr deutlich gerin­ger ausfal­len. Erst spiel­te das Team von Bundes­trai­ner Joachim Löw acht Monate lang gar nicht, dann vor leeren Rängen oder nur ganz wenigen Fans wie beim 3:3 gegen die Türkei in Köln.

Dass der Weltmeis­ter von 2014 seit dem Neustart nach der Corona-Pause noch kein Spiel gewin­nen konnte, passt ins Gesamt­bild des Verban­des, der zudem von Nachwuchs­sor­gen geplagt wird. Dagmar Freitag, Sport­aus­schuss-Vorsit­zen­de im Deutschen Bundes­tag, rechnet durch die Steuer-Affäre mit weite­ren Image-Proble­men für den DFB. Auch wenn der Kredit nicht gänzlich verspielt sei, «ist es natür­lich nicht zu leugnen, dass mit dem Aufkom­men des WM-Skandals vor einigen Jahren das Ansehen doch schon deutlich gelit­ten hat», sagte die SPD-Politi­ke­rin der Deutschen Presse-Agentur.

Nach Ansicht von Freitag hat es in der jünge­ren Vergan­gen­heit «mehr als nur ein Versäum­nis in der Zentra­le in Frank­furt gegeben». Gut möglich also, dass in den kommen­den Monaten noch mehr Schmutz aus der Vergan­gen­heit an die Oberflä­che gespült wird. Schließ­lich hatte Keller jüngst verlau­ten lassen, dass man in der immer noch nicht aufge­klär­ten Sommer­mär­chen-Affäre neue Erkennt­nis­se gewon­nen habe. Die «Süddeut­sche Zeitung» rechnet daher mit einem heißen Herbst: «Die Dimen­si­on der neues­ten Razzia lässt vermu­ten, dass mehr kommen wird.»