Es war abseh­bar: Das vielkri­ti­sier­te Düssel­dor­fer Konzert mit bis zu 13.000 Fans ist erst einmal abgesagt. Einer offizi­el­len Entschei­dung der Politik kam der Veran­stal­ter nun selbst zuvor. Er verspricht: Das Event soll im Spätherbst nachge­holt werden.

Die Show, bei der Rocker Bryan Adams und Pop-Sänge­rin Sarah Connor auftre­ten sollten, werde in den Spätherbst verscho­ben, teilte der Veran­stal­ter Marek Lieber­berg am Mittwoch mit. Wegen steigen­der Infek­ti­ons­zah­len und «im Raum stehen­der, nachträg­li­cher Kapazi­täts­be­schrän­kun­gen» sehe man sich zu diesem Schritt veran­lasst. Mehr als 7000 Besuchern, die schon Tickets gekauft hätten, werde der Eintritt mitsamt Vorver­kaufs­ge­büh­ren zurück­er­stat­tet.

Mit dem Schritt endet vorerst das Tauzie­hen um die umstrit­te­ne Show, die zu massi­ven Verstim­mun­gen zwischen der Stadt Düssel­dorf und der nordrhein-westfä­li­schen Landes­re­gie­rung geführt hatte. Die Stadt hatte das Konzert geneh­migt — als die Pläne Anfang August publik wurden, schal­te­te sich aller­dings postwen­dend NRW-Gesund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Laumann (CDU) ein. Er hielt es angesichts der Lage bei den Corona-Infek­tio­nen «schlicht für verant­wor­tungs­los», Menschen aus ganz Deutsch­land zu einer Reise nach Düssel­dorf zu animie­ren.

Vor gut zwei Wochen teilten Land, Stadt und Veran­stal­ter dann in einer gemein­sa­men Erklä­rung mit, dass man das Konzert im Düssel­dor­fer Fußball­sta­di­on vom aktuel­len Infek­ti­ons­ge­sche­hen abhän­gig mache — und spätes­tens am 31. August entschei­de, ob es statt­fin­det. Das Hygie­nekon­zept der Veran­stal­ter sah unter anderem vor, dass Zuschau­er durch­ge­hend Masken tragen. Das Stadi­on sollte maximal zu einem Viertel ausge­las­tet werden.

Aus Lieber­bergs Erklä­rung vom Mittwoch sprach nun eine gewis­se Zerknirscht­heit über den Verlauf der Dinge. «Wir sind nach wie vor der Auffas­sung, dass unser Maßnah­men-Katalog Fans, Künst­lern und Mitar­bei­tern umfas­sen­den Schutz bietet», erklär­te er. Bedau­er­li­cher­wei­se verhin­de­re aber die aktuel­le Atmosphä­re einen Konsens. Deshalb wolle man das Projekt nun «zu einem späte­ren Zeitpunkt reali­sie­ren». Ein konkre­tes Datum im Spätherbst nannten die Veran­stal­ter nicht.

Im Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um war die Stimmung erkenn­bar besser. «Angesichts der aktuel­len Infek­ti­ons­la­ge bin ich der Auffas­sung, dass ein Konzert dieser Größen­ord­nung derzeit nicht durch­führ­bar ist», beton­te Laumann. Es habe in den vergan­ge­nen Tagen «auch sehr konstruk­ti­ve Gesprä­che mit allen Betei­lig­ten gegeben». Er danke den Verant­wort­li­chen für eine «sehr ratio­na­le und nachvoll­zieh­ba­re Entschei­dung». In den vergan­ge­nen Tagen hatte Laumann mehrmals geäußert, dass man kein Fußball­spiel mit Tausen­den Zuschau­ern verbie­ten, ein Konzert dieser Größen­ord­nung aber erlau­ben könne.

Gedacht war die Show als großer Befrei­ungs­schlag für die darben­de Konzert­bran­che. Die Größen­ord­nung wäre für Corona-Zeiten beacht­lich gewesen. Zum Vergleich: Im benach­bar­ten Köln etwa ist es zwar gelun­gen, wieder Konzer­te in der dorti­gen Lanxess-Arena zu spielen — die Obergren­ze liegt aber bislang bei 2400 Zuschau­ern. Die Berli­ner Waldbüh­ne will im Septem­ber mit bis zu 5000 besetz­ten Plätzen wieder öffnen. In Leipzig ist kürzlich Pop-Star Tim Bendzko für ein Experi­ment vor 1400 Freiwil­li­gen aufge­tre­ten. Forscher wollen heraus­fin­den, wie Großver­an­stal­tun­gen trotz Corona möglich sein können.

Dass es irgend­wann wieder los gehen müsse, daran hält Marek Lieber­berg beharr­lich fest: Die Politik habe «die Verpflich­tung» gegen­über der Live-Musik, einen Weg zurück zur Norma­li­tät zu ebnen, erklär­te er am Mittwoch. «Darauf warten 150.000 suspen­dier­te Mitar­bei­ter dieser so diver­sen und essen­ti­el­len Branche, Zehntau­sen­de von Künst­lern und Millio­nen von Anhän­gern.»