STUTTGART — Vor den nächs­ten Beratun­gen von Bund und Ländern in der kommen­den Woche zu weite­ren Corona-Locke­run­gen dringen die Händler in Baden-Württem­berg auf eine verläss­li­che Öffnungs­stra­te­gie für den Einzel­han­del. „Wir müssen für die künfti­ge Entwick­lung der Pande­mie gewapp­net sein“, sagte Hermann Hutter, der Präsi­dent des Handels­ver­bands Baden-Württem­berg (HBW), „denn das Virus wird uns noch eine Weile begleiten.“

Der Verband verwies in einer Presse­kon­fe­renz darauf, dass die Öffnungs­stra­te­gie für den Handel nicht weiter von einzel­nen Fakto­ren abhän­gen könne. Vielmehr forder­te er, die Beurtei­lung des Infek­ti­ons­ge­sche­hens und der Infek­ti­ons­dy­na­mik auf der Grund­la­ge einer ganzheit­li­chen Betrach­tungs­wei­se unter Berück­sich­ti­gung aller relevan­ten Indika­to­ren vorzu­neh­men. Entschei­dend sei für den Verband dabei, dass inzwi­schen auch Gerich­te und andere Exper­ten in Zweifel ziehen, dass das allei­ni­ge Abstel­len auf keine Daten – und Fakten­la­ge basie­ren­de Festle­gung von Inzidenz­wer­ten, die allein auf die Frage abstel­len, ob die Gesund­heits­äm­ter ausrei­chen­de Verfol­gungs­ka­pa­zi­tä­ten haben, noch verhält­nis­mä­ßig sind.

Mittler­wei­le würden valide Studi­en und Erkennt­nis­se von Kranken­kas­sen, der Bundes­an­stalt für Arbeits­me­di­zin und der Berufs­ge­nos­sen­schaft des Handels belegen, dass äußerst niedri­ge Infek­ti­ons­ge­sche­hen beim Einkau­fen herrschten.”

Der Verband fordert daher, eine belast­ba­re Strate­gie für das Leben mit dem Virus, insbe­son­de­re Test‑, Impf- und Nachver­fol­gungs­stra­te­gie sowie die sofor­ti­ge Öffnung der Geschäf­te unter vertret­ba­ren und wirksa­men Hygie­nekon­zep­ten, sowie die Entschä­di­gung der Handels­un­ter­neh­men für ihr Sonderopfer.
Der Landes­re­gie­rung legt der Verband noch heute eine kompe­ten­te und umsich­ti­ge Öffnungs­stra­te­gie vor.

In der Presse­kon­fe­renz beton­te HBW-Präsi­dent Hermann Hutter zudem: „Dass mit dem perma­nent verlän­ger­ten Lockdown immer mehr Handels-Unter­neh­men und deren Arbeits­plät­ze quasi vernich­tet werden und bisher nur unzurei­chen­de Entschä­di­gun­gen für die betrof­fe­nen Händler ermög­licht wurden, erzeugt eine drama­ti­sche Situation.“

Einen flammen­den Appell zur gesund­heit­li­chen Unbedenk­lich­keit des Einzel­han­dels hielt Fried­rich Kolesch, Geschäfts­füh­rer Kolesch Textil­han­dels GmbH, Biberach:

„Mit dem Lebens­mit­tel­han­del, den Droge­rie­märk­ten usw. hat der Teil des Handels schon immer geöff­net, der für etwa 90 Prozent aller tägli­chen Kunden­kon­tak­te steht. Dank guter Hygie­nekon­zep­te ist dies auch gar kein Problem. Warum müssen dann aber andere Händler mit viel gerin­ge­ren Frequen­zen und viel gerin­ge­ren Besucher­dich­ten im Laden geschlos­sen haben? Wir brauchen endlich eine Perspek­ti­ve – auch im Sinne der Gerechtigkeit!“

Koleschs Kolle­ge aus Ravens­burg, Simon Bittel, Geschäfts­füh­rer AMICA Parfü­me­rie­han­dels- und Betei­li­gungs­ge­sell­schaft mbH, pflich­te­te bei:

„Aufgrund der stark unter­durch­schnitt­li­chen Infek­ti­ons­zah­len im Einzel­han­del ist die Schlie­ßung von statio­nä­ren Fachhan­dels-Geschäf­ten nicht nur sinnlos, sondern mögli­cher­wei­se sogar kontra­pro­duk­tiv. Wenn sich die Menschen in einem durch funktio­nie­ren­de Hygie­nekon­zep­te geschütz­ten Umfeld bewegen, haben sie Sozial­kon­tak­te, die der Psyche und dem Wohlbe­fin­den helfen können, ohne sich in Gefahr zu begeben. Fällt das weg, weil der Fachhan­del geschlos­sen hat, sind die Folgen nach unserer Beobach­tung mehr ungeschütz­te priva­te Treffen und eine zuneh­men­de psychi­sche Belas­tung. Die Kontakt­dau­er im Handel ist kurz und die Schutz­maß­nah­men umfänglich.“

In diesel­be Richtung ging Petra Lorenz, Inhabe­rin Ge