Schon bald sollen auch in Deutsch­land die ersten Impfstof­fe gegen Corona zugelas­sen werden. Viele Menschen stehen damit vor der Frage: Soll ich mich impfen lassen — oder ist das Risiko einer neuar­ti­gen Impfung zu hoch?

Angesichts des rasan­ten Entwick­lungs­tem­pos bei den Vakzi­nen beschleicht manch einen aller­dings ein mulmi­ges Gefühl. Sind diese Impfstof­fe wirklich sicher? Sind mögli­che Neben­wir­kun­gen gut genug unter­sucht? Ist es nicht vielleicht vernünf­ti­ger, eine Corona-Infek­ti­on in Kauf zu nehmen, als sich den Risiken eines neuen Impfstoffs auszusetzen?

Unberech­tigt sind diese Fragen sicher nicht. Zumal es sich bei den beiden Impfstoff-Kandi­da­ten — einer von der US-Firma Moder­na und einer von dem Mainzer Unter­neh­men Biontech in Zusam­men­ar­beit mit dem US-Pharma­rie­sen Pfizer — um sogenann­te mRNA-Impfstof­fe handelt, die auf einer noch neuen Impfstoff-Techno­lo­gie beruhen.

Weltweit gibt es bislang keinen einzi­gen zugelas­sen Impfstoff, der auf diese Weise herge­stellt wird und wirkt. Der grund­le­gen­de Unter­schied dieser neuar­ti­gen Impfstof­fe zu etablier­ten Vakzi­nen: Sie enthal­ten keine abgeschwäch­ten oder abgetö­te­ten Viren, sondern ledig­lich eine Bauan­lei­tung für einen Bestand­teil des Covid-19-Erregers. Die Anlei­tung wird in Form eines sogenann­ten mRNA-Moleküls in den Körper geimpft, wo dann die mensch­li­chen Zellen selbst ein Eiweiß des Virus herstel­len. Im Falle von Sars-CoV‑2 ist es das sogenann­te Spike-Prote­in auf der Oberflä­che des Virus. Es regt das mensch­li­che Immun­sys­tem zur Bildung von Abwehr­stof­fen an.

Erste Daten der fortge­schrit­te­nen klini­schen Prüfung legen nahe, dass die Impfstof­fe eine hohe Wirksam­keit haben und im Allge­mei­nen gut vertra­gen werden. Als Neben­wir­kun­gen traten bei einem Teil der geimpf­ten Proban­den nach Angaben der Unter­neh­men Müdig­keit, Kopf- und Gelenk­schmer­zen sowie Rötun­gen an der Einstich­stel­le auf. Vergleich­ba­re Reaktio­nen sind von anderen Impfstof­fen bekannt und auch ein Zeichen dafür, dass der Impfstoff macht, was er soll: Das Immun­sys­tem auf Trab bringen.

Was bisher fehlt sind Infor­ma­tio­nen über selte­ne, mögli­cher­wei­se auch schwe­re Neben­wir­kun­gen, da diese erst nach Impfung vieler Menschen und länge­rer Beobach­tungs­zeit offen­sicht­lich werden. «Es gibt deshalb ein Restri­si­ko», sagt Chris­ti­an Bogdan, Direk­tor des Insti­tuts für Klini­sche Mikro­bio­lo­gie, Immuno­lo­gie und Hygie­ne an der Unikli­nik Erlan­gen. «Wie hoch das ist, muss in den kommen­den Monaten und Jahren geprüft werden.» Um selte­ne Neben­wir­kun­gen zu erfas­sen, sei es üblich, klini­sche Studi­en auch nach der Zulas­sung fortzuführen.

Grund­sätz­lich basie­re die Entschei­dung für oder gegen eine Impfung immer auf einer Nutzen-Risiko-Abwägung, so der Exper­te, der auch Mitglied der Ständi­gen Impfkom­mis­si­on (STIKO) am Robert Koch-Insti­tut (RKI) ist. Er macht folgen­de Beispiel­rech­nung auf: Wenn ein alter Mensch bei einer Corona-Infek­ti­on mit einer Wahrschein­lich­keit von 20 Prozent stirbt, «und gleich­zei­tig das Risiko, eine schwe­re Neben­wir­kung der Impfung zu bekom­men, 1:50 000 oder noch weniger beträgt, würde ich dieses Risiko in Kauf nehmen.»

Kinder hinge­gen würde Bogdan nicht impfen, weil ihr Risiko an Covid-19 zu sterben, gegen Null gehe und sie gleich­zei­tig noch ein sehr langes Leben vor sich hätten. «Das alles sind völlig legiti­me ethische Überle­gun­gen», betont Bogdan. Sie spiegeln sich auch in den Impfemp­feh­lun­gen der Stiko wider, nach denen zunächst nur Risiko­grup­pen geimpft werden sollen. «Damit errei­chen wir, was wir wollen: den größt­mög­li­chen Nutzen für die gesam­te Gesell­schaft erreichen.»

Aber sind nicht gerade die Risiko­grup­p