Der Tenor vermisst die Magie, die zwischen ihm und seinem Publi­kum bei einem Auftritt entsteht. Geister­kon­zer­te und Strea­ming sind für ihn keine Alter­na­ti­ve auf Dauer.

«Ich habe es begrüßt, dass man das überall gemacht hat. Man hat einen Weg gesucht, das Publi­kum zu finden. Aber das war’s jetzt auch», sagte der 51-Jähri­ge der Deutschen Presse-Agentur in Wien. Die Magie, die zwischen Zuhörer und Künst­ler in einem Raum entste­he, bleibe über den Bildschirm im leeren Raum für beide Seiten auf der Strecke — etablier­te Forma­te wie die Live-Übertra­gung mit Publi­kum ausge­nom­men.

Im Juli eröff­ne­te Kaufmann das Livestream-Programm der New Yorker Metro­po­li­tan Opera mit einem Geister-Konzert aus dem bayeri­schen Kloster Polling. «Es hat einen sehr schalen Beigeschmack, wenn man einfach in den Raum hinein singt, ohne dass es irgend­was bewirkt, ohne dass es irgend­wo heraus hallt», beschreibt er. Reaktio­nen online seien nicht das Gleiche wie Applaus des Publi­kums.

Ab dem 27. Septem­ber steht Jonas Kaufmann in Verdis «Don Carlos» in an der Wiener Staats­oper auf der Bühne. Anfang des Monats erschien sein Kammer­mu­sik-Album «Selige Stunde», das er mit dem Pianis­ten Helmut Deutsch während des Lockdowns zuhau­se aufge­nom­men hat.