BERLIN (dpa) — Bereits Mitte Juni überschrit­ten die Tempe­ra­tu­ren in den meisten Regio­nen die 30-Grad-Marke. Für einige Gruppen kann Hitze beson­ders belas­tend sein. In der Haupt­stadt soll es dagegen jetzt einen Plan geben.

Wenn die Wohnung auch nachts nicht abkühlt, die nackte Haut beim Anfas­sen von Beton förmlich brennt und einen schon das Nichts­tun erschöpft, weiß man: Der Hochsom­mer ist da. Ganz beson­ders spürbar ist er in Großstäd­ten wie Berlin.

Dabei ist Hitze nicht nur enorm anstren­gend — sie kann auch krank machen oder sogar tödlich sein. Deshalb hat ein neues Aktions­bünd­nis Hitze­schutz­plä­ne für das Gesund­heits­we­sen in Berlin entwi­ckelt, um Menschen vor gesund­heit­li­chen Folgen extre­mer Hitze zu schüt­zen. Die Pläne sollten heute vorge­stellt werden. Ähnli­che Konzep­te gibt es bereits in Köln und Mannheim.

Urbaner Wärmein­sel­ef­fekt

Aber warum haben Großstäd­ter ein erhöh­tes Risiko, an gesund­heit­li­chen Hitze­fol­gen zu leiden? Laut Jürgen Kropp, Leiter der Forschungs­grup­pe Urbane Trans­for­ma­ti­on am Potsdam-Insti­tut für Klima­fol­gen­for­schung (PIK) in Potsdam, liegt das unter anderem am sogenann­ten urbanen Wärmein­sel­ef­fekt. Denn der Beton speichert Wärme besser als natür­li­che Materialien.

Weil Wärme immer von einem wärme­ren zum kälte­ren System fließt, wird sie etwa von aufge­heiz­ten Gebäu­den an die Umgebungs­luft abgege­ben, sobald die Tempe­ra­tu­ren abends sinken. Dann herrscht in Innen­räu­men, aber auch in Großstäd­ten generell selbst nachts eine höhere Tempe­ra­tur als auf dem Land. Bei Hitze­wel­len schwin­den so die Chancen auf Erholung für den Körper.

Diesen Wärmein­sel­ef­fekt gab es grund­sätz­lich auch früher schon. Wie etwa Autoren einer franzö­si­schen Studie im «Inter­na­tio­nal Journal of Environ­men­tal Research and Public Health» erwäh­nen, verstär­ken häufi­ge­re und inten­si­ve­re Hitze­wel­len aber das von dem Effekt ausge­hen­de Risiko für Stadt­be­woh­ner. Dies sei eine unmit­tel­ba­re Folge des Klimawandels.

Das Umwelt­bun­des­amt verweist auf seiner Websei­te auf Modell­rech­nun­gen, die für Deutsch­land prognos­ti­zie­ren, «dass zukünf­tig mit einem Anstieg hitze­be­ding­ter Morta­li­tät von 1 bis 6 Prozent pro einem Grad Celsi­us Tempe­ra­tur­an­stieg zu rechnen ist, dies entsprä­che über 5000 zusätz­li­chen Sterbe­fäl­len pro Jahr durch Hitze bereits bis Mitte dieses Jahrhunderts».

Ältere Menschen beson­ders betroffen

Zwar gibt es laut Robert Koch-Insti­tut (RKI) kein bundes­wei­tes Überwa­chungs­sys­tem, das die Zahl hitze­be­ding­ter Sterbe­fäl­le in ganz Deutsch­land erfasst. Berlin und Hessen schätz­ten 2018 nach RKI-Angaben aber die Hitze­to­ten: Demnach starben in der Haupt­stadt rund 490 Menschen aufgrund der Hitze­ein­wir­kung, etwa 740 waren es in Hessen.

Ganz beson­ders betrifft das die älteren Menschen, sagt die Ärztin Natha­lie Nidens, die bei der Deutschen Allianz Klima­wan­del und Gesund­heit (Klug) in Berlin im Bereich Hitze­schutz täti