STUTTGART (dpa/lsw) — Der baden-württem­ber­gi­sche Minis­ter­prä­si­dent Winfried Kretsch­mann (Grüne) hat das Schlie­ßen der Impfzen­tren im vergan­ge­nen Sommer vertei­digt. «Da sind ja nur noch eine Handvoll Leute eigent­lich hinge­gan­gen. Da kann man doch nicht solch eine gigan­ti­sche Infra­struk­tur machen», sagte er in der am Diens­tag ausge­strahl­ten SWR-Sendung «Leute». Das Angebot sei heute mit mobilen Impfteams und kleine­ren Impfstütz­punk­ten in den Kommu­nen viel flexibler.

Kretsch­mann zeigte sich in dem Radio-Inter­view zudem zuver­sicht­lich, bis zum Jahres­en­de in Baden-Württem­berg mehr als drei Millio­nen Menschen mit einer Auffri­schungs­imp­fung zu versor­gen. Zudem gebe es sehr viele Wochen­end­ter­mi­ne. «Das ist eine unglaub­li­che zusätz­li­che Kapazi­tät», sagte Kretsch­mann. Bis zum Montag (Stand: 16.00 Uhr) sind in Baden-Württem­berg 1,78 Millio­nen Menschen «geboos­tert» worden.

Der Regie­rungs­chef zeigte sich bei der Aufzeich­nung der Sendung am Montag zudem bestürzt über die hohe Zahl ungeimpf­ter Menschen in Baden-Württem­berg. «Das beschwert mich unglaub­lich, dass so viele Leute einem Eigen­sinn nachge­hen, der ratio­nal nicht mehr erklär­bar ist», sagte er. Kretsch­mann wider­sprach auch dem Argument, Impfen sei Privat­sa­che und der Staat habe eine Ableh­nung zu akzep­tie­ren: «Das ist nicht so. Der Ungeimpf­te gefähr­det auch andere, indem er sie einfach ansteckt.» Daher sei es nicht mehr eine Privat­an­ge­le­gen­heit. «In einer Pande­mie bin ich eben mit meiner Anste­ckung nicht mehr allein», sagte der Grünen-Politiker.

In diesem Zusam­men­hang plädier­te Kretsch­mann erneut für eine Impfpflicht. «Das sind tiefe Eingrif­fe in Grund­frei­hei­ten», sagte er. Das Virus wandle sich so sehr, dass kein Weg mehr an einem solchen Schritt vorbei­füh­re, «sonst kommen wir aus dem Schla­mas­sel nie raus».