AALEN (dpa/lsw) — Es soll der Abschluss einer Tour durch den Ostalb­kreis werden. Bei einem Bürge­r­emp­fang in Aalen erwar­ten den Minis­ter­prä­si­den­ten lautstar­ke Gegner der Corona-Politik. Der Grünen-Politi­ker findet dabei klare Worte.

Minis­ter­prä­si­dent Winfried Kretsch­mann ist bei einem Bürge­r­emp­fang in Aalen (Ostalb­kreis) am Donners­tag­abend lautstark von Demons­tran­ten empfan­gen worden. Etwa 150 Gegner der Corona-Politik und sogenann­te Querden­ker versam­mel­ten sich vor dem örtli­chen Berufsschulzentrum.

Von den Demons­tran­ten hielten einige Plaka­te hoch mit Aufschrif­ten wie «Keine Impfpflicht, keine Masken­pflicht», andere machten lautstark mit Triller­pfei­fen auf sich aufmerk­sam. Sie kriti­sier­ten auch deutsche Waffen­lie­fe­run­gen an die Ukrai­ne im Abwehr­kampf gegen Russland.

Ein Redner erklär­te bei der Kundge­bung, man sei auch aus Solida­ri­tät mit Micha­el Ballweg da. Der Stutt­gar­ter «Querdenken»-Initiator sitzt wegen Ermitt­lun­gen um Betrug und Geldwä­sche seit Mittwoch­abend in Untersuchungshaft.

Zuvor hatte Minis­ter­prä­si­dent Kretsch­mann im Landkreis den Batte­rie­her­stel­ler Varta besucht und dort das neue Ausbil­dungs­zen­trum besich­tigt sowie einen Spaten­stich für die neue Firmen­zen­tra­le in Ellwan­gen gesetzt. Den Demons­tran­ten vor der Halle in Aalen begeg­ne­te der Grünen-Politi­ker nicht.

Der Minis­ter­prä­si­dent richte­te dennoch klare Worte an sie. «Das gibt uns eine Idee, wie man Politik macht. Da muss man auch mal Krach schla­gen», sagte Kretsch­mann, während von draußen «Lügner»-Rufe im Saal zu hören waren. Aber dann müsse auch etwas nachkom­men — das vermis­se er bei diesen Leuten, sagte der Grüne. «Es wäre gut, wenn sie nicht nur quer sind, sondern auch denken würden.»

Auf Fragen von Bürgern zu Solar­an­la­gen, Mobbing in der Schule oder dem neunjäh­ri­gen Gymna­si­um ging Kretsch­mann ruhig ein und nahm sich Zeit. Ein Bürger trug schließ­lich die Meinung der Demons­tran­ten in den Saal und warf Kretsch­mann unter Buhru­fen anderer Zuhörer eine verfehl­te Corona-Politik vor. Dies wies der Minis­ter­prä­si­dent klar von sich, zeigte jedoch auch Selbst­kri­tik. Die getrof­fe­nen Maßnah­men seien zum Schutz der Bürger richtig gewesen, gab sich Kretsch­mann überzeugt.

Selbst­ver­ständ­lich habe man nicht alles richtig gemacht. Das sei auch gar nicht möglich gewesen, weil man damals zu wenig gewusst habe. «Aller­dings, das will ich ihnen deutlich sagen: Manches hätte ich auch schär­fer gemacht und schnel­ler als ich es gemacht habe», sagte Kretsch­mann. Zugleich beton­te er, dass es auch im Herbst «den vollen Instru­men­ten­kas­ten an Maßnah­men» brauche, um auf die Entwick­lung der Pande­mie reagie­ren zu können.