BERLIN (dpa) — Es summt und brummt die Tattoo-Maschi­ne: Etwa jeder Fünfte in Deutsch­land ist tätowiert, vor allem Frauen. Doch das Geschäft mit der Körper­kunst litt wegen Corona. Endet der Tattoo-Trend bald?

Mit Arsch­ge­weih oder Tribal outet man sich heute in erster Linie als Jugend­li­cher der 90er: Dennoch sind Tattoos so weit verbrei­tet wie noch nie. Jede vierte Frau in Deutsch­land ist tätowiert, bei den Mittzwan­zi­gern bis Mittvier­zi­gern sind es sogar mehr als 40 Prozent. Bei den Herren sind insge­samt weit weniger tätowiert (16 Prozent), am meisten sind es Männer zwischen Mitte zwanzig und Mitte dreißig (24 Prozent). Das geht aus einer neuen reprä­sen­ta­ti­ven Umfra­ge des Meinungs­for­schungs­in­sti­tuts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervor.

Insge­samt ist demnach jeder fünfte Erwach­se­ne in Deutsch­land tätowiert. Defini­tiv lange vorbei ist die Zeit des Klischees, dass Tattoos bloß was für Seemän­ner oder verwe­ge­ne Leute seien.

Mehr als ein Viertel der Erwach­se­nen (27 Prozent) sagt, den Anblick von Tätowie­run­gen «sehr schön» oder «schön» zu finden. 20 Prozent finden Tattoos dagegen «gar nicht schön», 12 Prozent «eher nicht schön». Viele — nämlich 36 Prozent — sagen, sie fänden den Anblick «teils/teils», der Rest machte keine Angabe.

Viele Fans sind weiblich

Deutlich wurde bei der Umfra­ge Mitte Juni: Frauen finden Tattoos schöner als Männer (32 Prozent gegen 21 Prozent). Junge Erwach­se­ne sind offen­bar beson­de­re Tattoo-Fans — 43 Prozent der Befrag­ten zwischen 18 und 25 Jahren finden sie «sehr schön» oder «eher schön». Bei den Frauen dieser Alters­grup­pe sind es 55 Prozent, bei den jungen Männern 32 Prozent. Beson­ders abgesto­ßen von Tattoos sind Leute ab 55: Fast die Hälfte (47 Prozent) dieser Älteren findet den Anblick «eher nicht schön/gar nicht schön», Männer mehr als Frauen (57 gegen 39 Prozent).

Diese aktuel­len Ergeb­nis­se zeigten, dass sich der Tattoo-Trend in Deutsch­land auf einem Plateau stabi­li­siert zu haben schei­ne, sagt die Psycho­lo­gin Ada Borken­ha­gen, die derzeit an einem Buch mit dem Titel «Bin ich schön genug?» über Schön­heits­wahn arbeitet.

Vor fast zehn Jahren gab Ada Borken­ha­gen zudem den Band «Body Modifi­ca­ti­on» heraus, ein «Manual für Ärzte, Psycho­lo­gen und Berater», das sich auch mit Tattoos, Piercing, Bodybuil­ding und ästhe­ti­scher Chirur­gie beschäf­tig­te. Über Jahre war die Psycho­lo­gin an Forschun­gen zur Einstel­lung gegen­über Tattoos beteiligt.

Zur Norma­li­sie­rung beigetragen

In den frühen Zehner­jah­ren sei ein großer Tattoo-Schub zu beobach­ten gewesen, erläu­tert Borken­ha­gen, die an der Uni Magde­burg Profes­so­rin ist. Eine Studie vor sechs Jahren habe gezeigt, dass in den Jahren 2009 bis 2016 viele Frauen und ältere Menschen auf den Tattoo-Trend aufge­sprun­gen seien und damit zu einer Norma­li­sie­rung beitrugen.

Borken­ha­gen meint, dass es im Sommer 2022 zu früh sei, das Ende des Tattoo-Trends auszu­ru­fen. «Es ist vor allem abzuwar­ten, ob die überdurch­schnitt­lich hohe Tattoo-Begeis­te­rung bei ganz jungen Frauen um die 20 sich bald auch in einer hohen Quote von Tätowier­ten in dieser Genera­ti­on nieder­schlägt.» Zu beden­ken seien die vergan­ge­nen zwei schwie­ri­gen Jahre für Dienst­leis­tungs­be­trie­be im Bereich der Körper­pfle­ge, darun­ter eben auch Tattoo-Studi­os. «Corona und die Lockdowns haben viele Tattoos verhin­dert oder aufge­scho­ben. Der Nachhol­ef­fekt wird sich erst langsam zeigen.»

Verzier­te Waden im Trend

Im Gegen­satz zu den 90ern hat sich jeden­falls auch die Art und Motiv­wahl sehr verän­dert. Die Zeit großflä­chi­ger Tattoos scheint vorbei zu sein: Populä­rer sind heute minima­lis­ti­sche Motive (oft dann gleich mehre­re davon) wie zum Beispiel kleine Blumen, Blätter, B