RAVENSBURG (dpa/lsw) — Auf Eltern wird in der Schul­po­li­tik aus Sicht des Landes­el­tern­bei­rats­vor­sit­zen­den Micha­el Mittel­sta­edt zu wenig gehört. Lehrer­ver­bän­de «sind leider die dominan­ten Meinungs­ma­cher», sagte der dreifa­che Vater der «Schwä­bi­schen Zeitung» (Samstag). «Als Eltern wird man nicht in dem Maße gehört, wie es für einen Kunden angemes­sen wäre. Auch jemand, der wenig Geld hat, vielleicht kein Deutsch kann oder einfach unsym­pa­thisch ist, muss sein Kind in der Schule abgeben können und sicher sein, dass es genau­so geför­dert wird wie das Akade­mi­ker­kind.» Um sich mehr Gehör zu verschaf­fen, hat der 52-Jähri­ge einen Landes­bil­dungs­rat gegrün­det. Menschen aus allen Schich­ten sollen sich dabei in «Ideen­werk­stät­ten» austauschen.

Für jede Schul­art gebe es eine eigene Lobby­grup­pe, kriti­sier­te Mittel­sta­edt. «Würde man etwas an der Struk­tur verän­dern, würden Pöstchen verlo­ren gehen, zum Teil ganze Verbän­de. Man hat das Gefühl, die Kinder sind nur dafür da, das System zu füttern.» Dabei seien sie es, die in 20 Jahren die Gesell­schaft in Deutsch­land bilden werden.

Die Urauf­ga­be eines Landes­el­tern­bei­rats sollte beratend sein, sagte der Vorsit­zen­de. «Frühzei­tig einge­bun­den werden wir aller­dings nie. Wir haben keinen wirkli­chen Einfluss darauf, was im Bildungs­sys­tem passiert.» Es werde viel zu wenig auf die Kinder geschaut. «Darauf, ob es richtig ist, dass fast die Hälfte aufs Gymna­si­um geht, selbst wenn sie dort nicht optimal aufge­ho­ben sind. Auf den Zeitpunkt, wann sie sich auf die weiter­füh­ren­den Schul­ar­ten verteilen.»

Mittel­sta­edt monier­te, dass die Regie­rung aus den Lehren der Corona-Pande­mie bislang keine Konse­quen­zen gezogen habe: «Wir hätten gedacht, dass die Defizi­te wie Unter­ver­sor­gung, mangeln­de Digita­li­sie­rung