Die Zwangs­nä­he in der Pande­mie verän­dert nach Exper­ten­ein­schät­zung das Sexle­ben in vielen Bezie­hun­gen. Aber mehr Sex bedeu­tet nicht zwingend mehr Babys. Denn die Unsicher­heit vieler Paare ist groß.

Die Pande­mie helfe gegen die Sexmü­dig­keit. Kommt es zu einem Baby-Boom in etwa ab Ende des Jahres?

In Deutsch­land werden laut Berufs­ver­band der Frauen­ärz­te (BVF) jährlich zwischen 770 000 und 800 000 Kinder geboren. Das seien etwa acht neue schwan­ge­re Frauen in jeder frauen­ärzt­li­chen Praxis pro Monat. Eine leich­te Zunah­me an Schwan­ger­schaf­ten sei zwar denkbar. «Weil vielleicht Paare, die einen Kinder­wunsch hatten, mehr Zeit und Gelas­sen­heit hatten», sagt BVF-Präsi­dent Chris­ti­an Albring. Das werde sich aber, wenn überhaupt, sicher­lich nur im einstel­li­gen Bereich bewegen. Denn anderer­seits kämen durch die Corona-Pande­mie Paare auch in finan­zi­el­le Not, so dass sie mögli­cher­wei­se den Gedan­ken an ihren Kinder­wunsch zurück­stell­ten, so Albring.

Für eine statis­tisch belast­ba­re Aussa­ge zu Schwan­ger­schaf­ten während Corona sei es noch viel zu früh, sagen Ärzte. Doch die bishe­ri­ge Einschät­zung vieler Exper­ten und Exper­tin­nen ist diesel­be: Es werde keinen Baby-Boom in Deutsch­land aufgrund der Corona-Pande­mie geben.

Dieser Meinung sind auch Herstel­ler von Baby-Produk­ten. «Tatsäch­lich erleben sowohl wir bei unseren Bestell­ein­gän­gen als auch der Fachhan­del selbst keine Auswir­kun­gen eines mögli­chen Baby-Booms durch Corona», sagt Monika Holhut vom Kinder­wa­gen-Herstel­ler Gesslein. Bei myToys verzeich­net der Online­han­del nach Unter­neh­mens­an­ga­ben in den vergan­ge­nen Monaten zwar eine stärke­re Nachfra­ge. Dies sei jedoch eher der Verla­ge­rung der Einkäu­fe in den Online-Handel als erhöh­ten Gebur­ten­ra­ten zuzuschrei­ben, sagt Spreche­rin Katrin Schäkel.

«Die Unsicher­heit in der Krise ist generell sehr groß. Da bekom­men Paare nicht plötz­lich mehr Kinder», erklärt die Vorsit­zen­de des Hebam­men­ver­ban­des Mecklen­burg-Vorpom­mern, Kathrin Herold. Auch ihre bayeri­sche Kolle­gin, Mecht­hild Hofner, bestä­tigt das. Einen Gebur­ten-Rückgang werde es zwar nicht geben, schätzt sie. «Aber einen deutli­chen Anstieg bei Anmel­dun­gen für Geburts­vor­be­rei­tungs­kur­se spüren unsere Hebam­men auch nicht.» Gleiches gilt für Branden­burg und Nieder­sach­sen.

Einige Praxen verzeich­nen sogar einen Rückgang bei den Anmel­dun­gen Schwan­ge­rer in Geburts­vor­be­rei­tungs­kur­sen. «Die Frauen müssen mit Mundschutz und Mindest­ab­stand ihre Atemübun­gen machen», sagt etwa Hebam­me Chris­ti­ne Zinsler aus München. Viele Kurse seien deswe­gen storniert worden.

Auch wenn die Zahl der Schwan­ger­schaf­ten während der Corona-Krise den Ärzten und Hebam­men zufol­ge nicht steigt — mehr Sex haben die Deutschen nach Annah­men des Berli­ner Bezie­hungs­ex­per­ten Krüger trotz­dem. «Ein enges Beisam­men­sein gepaart mit einer gewis­sen Angst oder Unsicher­heit fördert immer die Sexua­li­tät», sagt Krüger. Ob es deswe­gen aber auch mehr Babys geben werde, kann er nicht sagen. «Wir wissen, dass es mehr Sex gibt. Aber ob der verhü­tet ist, oder nicht — so genau wollen wir es ja dann auch nicht wissen», sagt Krüger mit Verweis auf eine Umfra­ge von ihm und lacht.