Die Bundes­li­ga­ver­ei­ne wollen vor einem Teilpu­bli­kum in die neue Saison starten. Aus der Politik gibt es aber derzeit dafür keine Zustim­mung. Das passe nicht zum aktuel­len Infek­ti­ons­ge­sche­hen, warnt Gesund­heits­mi­nis­ter Spahn.

«Tausen­de Zuschau­er in den Stadi­en — das passt nicht zum aktuel­len Infek­ti­ons­ge­sche­hen», teilte Bundes­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn auf Twitter mit. «Jetzt heißt es, keine vermeid­ba­ren Risiken einzu­ge­hen. Das Konzept der DFL ist in der Theorie gut. Entschei­dend ist in der Pande­mie aber die Praxis im Alltag.»

Und auch von der Gesund­heits­mi­nis­ter­kon­fe­renz (GMK) warte­te die Liga beim Sommer-Reizthe­ma vergeb­lich auf positi­ve Signa­le, zum Auftakt der Spiel­zeit 2020/21 Mitte Septem­ber wieder vor Publi­kum zu spielen. Das habe aus Sicht der Gesund­heits­mi­nis­ter der Länder keine Priori­tät. Darin bestehe Einig­keit hieß es aus Teilneh­mer­krei­sen.

Angesichts der wieder gestie­ge­nen Corona-Fallzah­len herrscht Skepsis in der Politik, wie es Bayerns Minis­ter­prä­si­dent Markus Söder ausdrück­te. «Ich habe mich sehr für den Start von Geister­spie­len einge­setzt, das läuft auch hervor­ra­gend. Aber bei vollen Stadi­on zum Bundes­li­ga-Start bin ich außer­or­dent­lich skeptisch. Ich kann es mir derzeit nicht vorstel­len», sagte der CSU-Chef in Nürnberg und beton­te: «Es hätte auch eine verhee­ren­de Signal­wir­kung an die Öffent­lich­keit. Sowohl was Kapazi­tä­ten im Medizi­ni­schen betrifft als auch gegen­über kultu­rel­len Veran­stal­tun­gen.»

Immer­hin Sachsens Regie­rungs­chef Micha­el Kretschmer würde dem Zuschau­er­kon­zept der Deutschen Fußball Liga schon bald eine Chance geben. «Ich bin der Meinung, man muss ihnen jetzt die Chance geben, diese Sache zu erpro­ben», sagte der CDU-Politi­ker im ARD-Mittags­ma­ga­zin mit Blick auf das DFL-Konzept. Es sei wichtig, «dass wir jetzt auch an diesem Punkt einen Schritt nach vorn gehen».

Von Massen­tests vor dem Stadi­on­be­such hält Kretschmer aller­dings nichts, weil es nicht prakti­ka­bel sei. Man könne nicht so viele Menschen vorher testen, sagte er. «Das Prinzip muss sein, so wie am Arbeits­platz, so wie beim Einkau­fen muss eine Sport­ver­an­stal­tung so organi­siert sein, dass man sich nicht anste­cken kann», forder­te er.

Söder hinge­gen hat große Beden­ken, nachdem die Zahlen zum Ende der vergan­ge­nen Woche erstmals seit Anfang Mai wieder über der Schwel­le von 1000 Fällen pro Tag gelegen hatten. Für den 53-Jähri­gen wäre es daher das falsche Signal und «auch nicht klug, wenn wir Schul­start haben, wenn wir begin­nen­den Herbst haben, zu überle­gen, dass wir dann zusätz­lich 20.000, 25.000 Leute in den Stadi­en haben».

Söder würde das Thema daher gerne in der letzten August-Woche in Abstim­mung mit dem Bund auf einer Minis­ter­prä­si­den­ten­kon­fe­renz erörtern. «Ich kann mir vielleicht im Laufe der Saison, aber nicht zum Bundes­li­ga-Start volle Stadi­en vorstel­len», beton­te er.

Die Bundes­li­ga, die 2. Bundes­li­ga und die 3. Liga starten am dritten Septem­ber-Wochen­en­de in die neue Saison. Eine Woche zuvor steht die 1. Runde im DFB-Pokal an. Das DFL-Konzept sieht zunächst eine Rückkehr einer reduzier­ten Zahl von Fans ohne Stehplät­ze, ohne Alkohol und ohne Gäste­fans vor. Tickets sollen nur perso­na­li­siert verge­ben werden. Damit soll das Infek­ti­ons­ri­si­ko in der Pande­mie verrin­gert werden. Nach Ansicht von Söder sind dies theore­tisch gute Ansät­ze, die in der Praxis aber schwer umzuset­zen sind.

Wie der CSU-Politi­ker warnte auch der Ärzte­ver­band Marbur­ger Bund vor einer Fan-Rückkehr in die Bundes­li­ga-Stadi­en. «Die Gefahr von Massen­an­ste­ckun­gen wäre real. Wenn wir Pech haben, sitzt ein Super­sprea­der unter den Fans, und das Virus breitet sich wie ein Lauffeu­er aus», sagte die Vorsit­zen­de des Marbur­ger Bundes, Susan­ne Johna, der «Neuen Osnabrü­cker Zeitung» (Montag). «Die Bestre­bun­gen der Liga sind mehr als nachvoll­zieh­bar. Aber dass ihr Konzept Anste­ckun­gen verhin­dert, halte ich für unrea­lis­tisch.» Sie könne sich nicht vorstel­len, dass Fans auf ihren Sitzen hocken blieben, wenn ihre Mannschaft ein Tor schie­ße. «Da liegt man sich in den Armen und denkt nicht an Corona. Alles andere wäre gerade­zu unmensch­lich.»