STUTTGART (dpa/lsw) — Die Luca-App soll in Baden-Württem­berg dabei helfen, Corona-Kontak­te nachzu­ver­fol­gen. Kriti­ker bezwei­feln, dass die Software wirklich nötig ist. Deshalb will das Land nun Nutzer ebenso befra­gen wie Betrei­ber, Konkur­ren­ten und Compu­ter­ex­per­ten — und dann entscheiden.

Vor einer Entschei­dung über eine weite­re Nutzung der Luca-App zur Kontakt­ver­fol­gung in der Corona-Pande­mie will das Land Kriti­ker, Betrei­ber und Gesund­heits­äm­ter an einen Tisch bringen. An dem öffent­li­chen Austausch am heuti­gen Montag (10.00 Uhr) sollen neben den Exper­ten des Freibur­ger Chaos Compu­ter Clubs auch der Deutsche Hotel- und Gaststät­ten­ver­band (Dehoga) als Sprecher der Gastro­no­men sowie Vertre­ter der staat­li­chen Corona-Warn-App teilnehmen.

Derzeit wird in fast allen Bundes­län­dern mit einer Lizenz beraten, ob der Vertrag mit den Betrei­bern der Software verlän­gert werden soll. Baden-Württem­berg will nach Angaben des Landes­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums bis Ende Febru­ar entschei­den. Wenige andere haben bereits beschlos­sen, nicht länger auf die App zu setzen.

Die Luca-App soll Restau­rant­be­sit­zern und Event-Veran­stal­tern helfen, die gesetz­lich vorge­schrie­be­ne Erfas­sung der Kontak­te der Besucher ohne Zettel­wirt­schaft zu erledi­gen. Sie kann direkt mit den Gesund­heits­äm­tern verbun­den werden. In der App können auch Impfnach­wei­se hinter­legt werden.

Nach Angaben der Betrei­ber können die Daten nur bereit­ge­stellt werden, wenn das jewei­li­ge Gesund­heits­amt und der jewei­li­ge Betrieb in einem Infek­ti­ons­fall gleich­zei­tig ihr Einver­ständ­nis ertei­len und ihre indivi­du­el­len Schlüs­sel anwen­den, um die Daten zu entschlüs­seln. Die Corona-Warn-App der Bundes­re­gie­rung kann Bürger wieder­um über ein mögli­ches Infek­ti­ons­ri­si­ko informieren.

Die Luca-Software, an der unter anderem der Rapper Smudo («Die Fantas­ti­schen Vier») betei­ligt ist, war aller­dings von Anfang an hefti­ger Kritik ausge­setzt. Die App sorgte zuletzt für Diskus­sio­nen, weil in Mainz die Polizei bei Ermitt­lun­gen zu einem tödli­chen Sturz in einer Gaststät­te auf Daten aus der App zurück­ge­grif­fen hatte — dafür reich­te die Rechts­grund­la­ge aber nicht.

Unter anderem der Chaos-Compu­ter-Club (CCC) hatte bemän­gelt, der Nutzen der Luca-Software sei fraglich. «Wir stellen fest, dass so gut wie kein Gesund­heits­amt in Deutsch­land die Luca App nutzt», sagte Jens Rieger vom CCC Freiburg vor dem Treffen am Montag. «Wer der Ansicht ist, dass der Vertrag mit den Betrei­bern verlän­gert werden sollte, der muss erklä­ren können, wie sich die Kosten angesichts dieser gerin­gen Nutzung recht­fer­ti­gen lassen.»

Die App habe aber auch struk­tu­rel­le Mängel, sagte Rieger. «Die Abläu­fe sind zu umständ­lich in einem Prozess, in dem eigent­lich alles schnell vonstat­ten­ge­hen muss. Es sei sinnvol­ler, die Corona-Warn-App als Teil eines Pakets von Maßnah­men gegen die Pande­mie einzusetzen.

Auch der Dehoga hatte das Land zuletzt aufge­for­dert, die Pflicht zum Erfas­sen der Gäste-Kontakt­da­ten in Gastro­no­mie und Hotel­le­rie aufzu­he­ben. Es sei enorm aufwen­dig und trage in der Praxis nicht wirkungs­voll dazu bei, die Pande­mie einzu­däm­men. Es passie­re nur wenig mit den erhobe­nen Daten. «Aufwand und Nutzen stehen bei der Pflicht zur Gäste-Kontakt­da­ten­er­fas­sung im Gastge­wer­be in keinem vertret­ba­ren Verhält­nis mehr zuein­an­der», hatte der Verband in einem Positi­ons­pa­pier erklärt.

Die baden-württem­ber­gi­sche Land