Ein Corona-Impfstoff schon Ende des Jahres? Kanzle­rin Merkel und EU-Kommis­si­ons­chefin von der Leyen verbrei­ten großen Optimis­mus. Vor allzu schnel­le­ren Locke­run­gen der Anti-Corona-Maßnah­men warnen die EU-Spitzen aber ausdrücklich.

«Und dann wird das Impfen natür­lich begin­nen», sagte die CDU-Politi­ke­rin am Donners­tag­abend nach einem EU-Video­gip­fel. «Man muss ja sagen, dass die Nachrich­ten der letzten Tage bezüg­lich der Entwick­lung eines Impfstof­fes sehr zuver­sicht­lich stimmen.»

EU-Kommis­si­ons­chefin Ursula von der Leyen sagte nach dem Gipfel der Staats- und Regie­rungs­chefs, dass die Impfstof­fe von Biontec/Pfizer sowie von Moder­na der Europäi­schen Arznei­mit­tel-Agentur zufol­ge in der zweiten Dezem­ber­hälf­te eine beding­te Markt­zu­las­sung bekom­men könnten, wenn alles problem­los weitergehe.

Der Mainzer Herstel­ler Biontech und sein US-Partner Pfizer hatten am Mittwoch mitge­teilt, dass die Wirksam­keit ihres Impfstoffs bei 95 Prozent — und damit noch höher als bis dahin bekannt — liege. Das Vakzin funktio­nie­re über alle Alters­grup­pen und andere demogra­fi­sche Unter­schie­de hinweg ähnlich gut und zeige praktisch keine ernsten Nebenwirkungen.

Der US-Pharma­kon­zern Moder­na hatte zuletzt für sein Präpa­rat eine Wirksam­keit von 94,5 Prozent errech­net. Der Impfstoff von Pfizer und Biontech ist wie jener von Moder­na ein sogenann­ter RNA-Impfstoff. Er enthält geneti­sche Infor­ma­tio­nen des Erregers, aus denen der Körper ein Virus­ei­weiß herstellt. Ziel der Impfung ist es, den Körper zur Bildung von Antikör­pern gegen dieses Prote­in anzure­gen, um die Viren abzufan­gen, bevor sie in die Zellen eindrin­gen und sich vermehren.

Die steigen­de Zahl von Menschen, die Impfstof­fen misstrau­en, alarmiert die Staats- und Regie­rungs­chefs der EU-Staaten. Die Menschen müssten besser über den Wert von Impfun­gen aufge­klärt werden, sagte EU-Ratsprä­si­dent Charles Michel. Aus EU-Kreisen hieß es, dass es nun gemein­sa­me Anstren­gun­gen in dem Bereich geben soll.