Zwei Wochen nach dem Start des Teil-Lockdowns scheint der Zuwachs an Corona-Neuin­fek­tio­nen etwas gebremst. Doch um Locke­run­gen wird es bei der Zwischen­bi­lanz von Kanzle­rin Merkel mit den Minis­ter­prä­si­den­ten nicht gehen. Auch Verschär­fun­gen sind nicht ausgeschlossen.

«Der vor uns liegen­de Winter wird uns allen noch viel abver­lan­gen», sagte Merkel in ihrem am Samstag veröf­fent­lich­ten Video-Podcast. Bayerns Minis­ter­prä­si­dent Markus Söder (CSU) schloss weder eine Verlän­ge­rung des bis Ende des Monats befris­te­ten Teil-Lockdowns noch eine weite­re Verschär­fung der Maßnah­men aus. Ähnlich äußer­te sich Saar-Minis­ter­prä­si­dent Tobias Hans (CDU).

«Das Virus wird noch eine ganze Weile unser Leben bestim­men. Das bedeu­tet auch, dass wir uns nicht unbeschwert direkt begeg­nen können», sagte Merkel. Regie­rungs­spre­cher Steffen Seibert hat bereits am Freitag betont, dass die Regie­rung noch keine Möglich­kei­ten für Locke­run­gen sieht. Freizeit­ein­rich­tun­gen und Restau­rants sind derzeit geschlos­sen, Hotels dürfen keine Touris­ten beherbergen.

In Deutsch­land haben die Gesund­heits­äm­ter dem Robert Koch-Insti­tut (RKI) nach Angaben von Samstag­mor­gen 22 461 neue Corona-Infek­tio­nen binnen 24 Stunden gemel­det. Damit ist der Wert erstmals seit Monaten im Vergleich zu einem Samstag der Vorwo­che gesun­ken. Vor einer Woche hatte die Zahl gemel­de­ter Neuin­fek­tio­nen bei 23 399 gelegen. Auch wenn solche Daten statis­ti­sche Ausrei­ßer sein können, so gibt es doch Licht­bli­cke in der Corona-Pande­mie. Schon vor Samstag war die Geschwin­dig­keit des Zuwach­ses der Neuin­fek­tio­nen gesunken.

Auch die 7‑Tage-Inzidenz stieg zuletzt nicht mehr so schnell wie Anfang Novem­ber und lag am Freitag bei 140,4 Fällen in sieben Tagen pro 100 000 Einwoh­ner. Dafür kann es mehre­re Gründe geben. Bis sich die Wirkung des seit dem 2. Novem­ber greifen­den Teil-Lockdowns bei den Infek­ti­ons­zah­len zeigt, dauert es nach RKI-Angaben zwei bis drei Wochen. Ziel der Bundes­re­gie­rung ist es, an eine Sieben-Tage-Inzidenz von 50 heran­zu­kom­men. Erst dann sei es wieder möglich, dass die Gesund­heits­äm­ter einzel­ne Kontak­te von Infizier­ten nachvoll­zie­hen könnten.

Merkel stell­te vor einem virtu­el­len Gespräch mit Pflege­be­dürf­ti­gen, pflegen­den Angehö­ri­gen und Pflege­kräf­ten an diesem Donners­tag die Lage in der Pflege in den Mittel­punkt. «Schutz vor der Gefahr des Virus ist notwen­dig, aber die Antwort soll auch nicht einfach Abschot­tung heißen.» Sobald zuver­läs­si­ge Impfstof­fe vorlä­gen, könnten sich dieje­ni­gen, die für die Versor­gung von Kranken und Betreu­ungs­be­dürf­ti­gen zustän­dig seien, zügig impfen lassen. Das gelte auch für Risiko­grup­pen, also auch für Pflegebedürftige.

Exper­ten erwar­ten Anfang 2021 die vorläu­fi­ge Zulas­sung eines ersten Impfstoffs gegen das Corona­vi­rus in Europa und den USA, nachdem das Mainzer Unter­neh­men Biontech und der US-Pharma­kon­zern Pfizer von einem hohen Wirkungs­grad des von ihnen gemein­sam entwi­ckel­ten Impfstof­fes berich­tet hatten.

Söder erteil­te bei einer Inter­net-Landes­ver­samm­lung der bayeri­schen Jungen Union einer zu frühen Locke­rung der Anti-Corona-Maßnah­men eine klare Absage. Bis Ende Novem­ber gebe es «auf keinen Fall eine Locke­rung — das macht überhaupt keinen Sinn». Mit Blick auf die Bund-Länder-Beratun­gen am Montag sagte er: «Ob’s verlän­gert werden muss — möglich, wir werden sehen. Ob mehr gemacht werden muss — das wird dann alles entschieden.»

Gesund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) sagte am Samstag bei einer Inter­net-Versamm­lung der bayeri­schen Jungen Union mit Blick auf die aktuel­len Corona-Zahlen, man beobach­te nun «zumin­dest mal eine Stabi­li­sie­rung». Danach müsse es aber das gemein­sa­me Ziel sein, die Zahlen runter­zu­brin­gen. «Dieses Virus hat eine unglaub­lich lange Brems­spur», warnte er. Selbst mit sehr starken Beschrän­kun­gen dauere es sehr lange, bis die Zahlen wieder sinken.

Finanz­mi­nis­ter und Vizekanz­ler Olaf Scholz (SPD) sagte bei einem virtu­el­len SPD-Landes­par­tei­tag in Stutt­gart: «Die Pande­mie wird uns no