Die jüngs­te Kritik prallt ab an Joachim Löw. Mit einem Sieg in Kiew will sein Team für öffent­li­che Beruhi­gung sorgen. Dafür hat der Bundes­trai­ner erstmals seit elf Monaten wieder die fast volle Beleg­schaft dabei. Tausen­de Fans sollen beim Spiel dabei sein.

Auch die Spiele in der Nations League ordnet der Bundes­trai­ner weiter­hin als Vorbe­rei­tung auf den Höhepunkt der Fußball-Europa­meis­ter­schaft 2021 ein. Kritik an seinem Vorge­hen inter­es­siert den 60-Jähri­gen nicht.

Dennoch wissen der Weltmeis­ter-Coach von 2014 und seine Spieler, dass ein Sieg am heuti­gen Samstag­abend (20.45 Uhr) in Kiew gegen die Ukrai­ne für eine öffent­li­che Beruhi­gung sorgen würde. «Es wird für uns wichtig sein, dass wir auch wieder ein Spiel gewin­nen», sagte Kapitän Manuel Neuer, der wie andere Stamm­kräf­te erstmals nach dem Corona-Lockdown wieder für die deutsche Natio­nal­mann­schaft aufläuft.

Löw freut sich auf die angekün­dig­ten bis zu 20 000 Fans, die trotz hoher Infek­ti­ons­zah­len in Kiew im 70 000 Zuschau­er fassen­den Natio­nal­sta­di­on dabei sein sollen. Nach den beiden 1:1‑Spielen zum Auftakt der neuen Nations-League-Runde muss sein Team nun drei Punkte holen, um nicht in echte Abstiegs­ge­fahr zu geraten.

PERSONAL: 20 Feldspie­ler und drei Torhü­ter hat Löw mitge­nom­men. Erstmals seit elf Monaten ist der Kader fast wieder komplett. Der zuletzt noch geschon­te Bayern-Block und weite­re Stamm­kräf­te kehren zurück, im Vergleich zum 3:3 im Testspiel gegen die Türkei wird eine völlig andere Elf auflau­fen. Auch Toni Kroos, Serge Gnabry und Timo Werner melde­ten sich recht­zei­tig wieder fit.

GEGNER: Das ukrai­ni­sche Team ist von der Corona-Pande­mie stark betrof­fen. Gleich 14 Spieler können wegen positi­ver Tests oder Verlet­zun­gen nicht mitwir­ken, drei Torhü­ter sind betrof­fen. Die jüngs­te Testrei­he bei Meister Schacht­jor Donezk brach­te neun positi­ve Ergeb­nis­se bei den Profis und weite­re neun im Betreu­er­stab. Dazu wirkt das jüngs­te 1:7 im Test gegen Frank­reich nach. Es war die höchs­te Nieder­la­ge in der Länder­spiel-Geschich­te der ehema­li­gen Sowjet­re­pu­blik. Aller­dings warnte Löw mit Hinweis auf den jüngs­ten Heimsieg der Ukrai­ne in der Natio­nen­li­ga gegen die Schweiz: «Sie haben eine gute Entwick­lung genom­men.»

HYGIENE-REGELN: Abgeschot­tet absol­viert das Löw-Team die komplet­te Vorbe­rei­tung bis zum Anstoß im Natio­nal­sta­di­on. Alle Maßnah­men werden «mit großer Vorsicht» abgewi­ckelt, wie DFB-Direk­tor Oliver Bierhoff sagte. «Wir halten uns an die Aufla­gen und überwa­chen auch strengs­tens, dass sich die Spieler daran halten», berich­te­te Löw. Aller­dings sieht der DFB-Chefcoach auch nicht mehr Gefahr als anders­wo: «Vorsicht ist überall für jeden geboten.»

KRITIK: Für Löw bleibt die EM das Ereig­nis, an dessen Ergeb­nis er sich messen lassen will. «Es gibt unter­schied­li­che Meinun­gen zu den aktuel­len Spielen», sagte der 60-Jähri­ge zur jüngs­ten Kritik von Ex-Natio­nal­spie­lern an seinem Kurs. Die Ergeb­nis­se seien aktuell nicht das wichtigs­te Krite­ri­um. «Wir haben uns schon ein paar Gedan­ken gemacht, warum wir das machen», bemerk­te Löw. Er bleibt bei einer überleg­ten Belas­tungs-Vertei­lung: «Klar ist, dass wir in dieser Saison beson­ders aufpas­sen müssen. Unsere Spieler sind zu wichtig. Im nächs­ten Jahr müssen sie in bester Verfas­sung sein.» In Kiew darf er wieder fünf Auswechs­lun­gen vorneh­men, nachdem die UEFA das Wechsel­kon­tin­gent wieder nach oben verän­dert hat.