Biberacher Studentenleben - Wochenblatt

Biberacher Studentenleben
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26. Oktober 2017
Der neue Studententreff der Hochschule ist ein beliebter Anlaufpunkt für die Biberacher Studenten Foto: Privat

Egal ob München, Berlin oder Stuttgart – viele junge Leute zieht es zum Studium in eine Großstadt. Doch auch in Biberach gibt es eine Hochschule, an der etwa 2 400 Studenten eingeschrieben sind. Und auch wenn es hier keine Verbindungshäuser oder ein großes Kneipenviertel gibt, fühlen sich die meisten davon hier sehr wohl.

Biberach – „Man kann auch in Berlin alleine daheim in der Wohnung sitzen“ – für Florian Beck ist es keine Frage von Groß- oder Kleinstadt, wie gut oder schlecht das Studentenleben abseits der Vorlesungen ist. Der Vorsitzende der Verfassten Studierendenschaft (Vertreter der Studentenschaft) studiert seit über fünf Jahren in Biberach und ist demnächst mit seinem Masterabschluss fertig. Er selbst kommt aus Ostdeutschland und hat davor auch schon in Dresden studiert. „Im Vergleich dazu, gab es bisher in Biberach nichts, das ich vermisst hätte. Eine Kommilitonin kommt aus Frankfurt am Main und fühlt sich hier ebenfalls sehr wohl.“

Das dürfte unter anderem daran liegen, dass man auch in Biberach keinesfalls auf Studentenpartys verzichten muss – in der Regel organisieren die Studentenvertreter jeden Mittwoch in verschiedenen Locations eine Party. Zum Beispiel in der Rotunde unterhalb des Audimax. Zu der Erstie-Party dort vor zwei Wochen kamen etwa 580 Gäste. Außerdem hat immer montags, dienstags und donnerstags ab 19 Uhr der neue Studententreff auf. „Dort können Studierende aller Fakultäten locker miteinander ins Gespräch kommen.“ Und auch sonst bietet Biberach laut Beck genügend Freizeit- und Ausgehmöglichkeiten. Bei den Studenten besonders beliebt seien zum Beispiel das Café Berlin und das La Bodega.

20 Prozent von hier

Da etwa 20 Prozent der Studenten aus dem Landkreis Biberach kommen und die anderen überwiegend aus dem restlichen Baden-Württemberg, fahren viele übers Wochenende heim. „Das ist aber kein Problem. Zum Beispiel über Vereine kann man auch außerhalb der Studierendenschaft in der Stadt gut Anschluss finden“, so Beck. Dass das in Biberach einfacher geht, als in so mancher Großstadt, kann auch Maximilian Blank bestätigen, der seit diesem Semester in Biberach studiert und davor in der Hochschule Esslingen (bei Stuttgart) eingeschrieben war: „Hier findet man deutlich schneller Anschluss.“

Der 21-Jährige ist erst vor zwei Wochen in seine neue WG eingezogen und fühlt sich schon jetzt richtig wohl in Biberach: „Die Wege sind kurz und es ist alles sehr entspannt hier.“

Ein weiterer Vorteil von Biberach gegenüber manchen Großstädten ist, dass man laut Beck gute Chancen hat, eine Wohnung zu finden: „Es gibt mehrere Studentenwohnheime und unter anderem in der Facebook-Gruppe der Hochschule werden immer wieder freie WG-Zimmer angeboten.“ Vor allem seien die Preise in den letzten Jahren nur moderat gestiegen. Nicht zu unterschätzen sei auch der Vorteil, dass man sich an der Hochschule kennt. „Hier ist man nicht nur eine Nummer von vielen, hier ist alles viel persönlicher“, so Beck.

Inzwischen versuche die Hochschule auch, in der Stadt selbst etwas präsenter zu sein, da es immer noch Biberacher gibt, die gar nicht wissen, dass ihre Stadt eine Hochschule hat. Ein guter Anfang war dabei das von der Studentenvertretung organisierte Campus Open Air im Sommer, zu dem über 1 000 Besucher kamen.

Kommentar: Hochschulstadt Biberach

Es soll ja wirklich noch Biberacher geben, die gar nicht wissen, dass es in ihrer schönen Stadt eine Hochschule gibt (Bericht Seite 1). Für die Studenten ist das ein Glücksfall.

Denn während in Großstädten ein paar tausende Studenten nicht auffallen, besteht in kleineren Hochschulstädten schnell die Gefahr, dass es zwischen Studenten und alteingesessenen Bürgern zu Konflikten kommt – etwa, weil beim eh schon knappen Wohnraum neue Konkurrenten dazu kommen oder sich einzelne Bürger durch das aus ihrer Sicht zu laute Studentenleben gestört fühlen. Solche Probleme gibt es in Biberach mit seinen etwa 2 500 Studenten nicht – im Gegenteil. Mit Veranstaltungen wie dem Campus Open Air im Sommer bereichert die Hochschule das städtische Leben. Und zu den regelmäßigen Studentenpartys gehen auch junge Leute, die nicht an der Biberacher Hochschule eingeschrieben sind. Alles in allem sind die Hochschule und ihre Studenten eine Bereicherung für die Stadt. Und wer weiß, vielleicht kommt ja doch irgendwann der Zusatz „Hochschulstadt“ auf die Biberacher Ortstafeln. Denn stolz darauf dürfen die Biberacher auf jeden Fall sein. Und vielleicht bekommen es dann auch endlich alle mit.

Patrick Müller

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