Der Kälte ausgeliefert - Wochenblatt

Der Kälte ausgeliefert
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30. November 2017
Auch in der Biberacher Innenstadt gibt es Bettler (Symbolbild), deren Not in der kalten Jahreszeit noch deutlicher wird Foto: Pixabay

Wie in jeder größeren Stadt, treffen Passanten auch in der Biberacher Innenstadt auf Bettler. In der Vorweihnachtszeit und bei eisigen Temperaturen nimmt man sie noch bewusster wahr. Aber wie hilft man am besten und woran erkennt man, ob es sich vielleicht um Mitglieder organisierter Bettelbanden handelt? Wir haben nachgefragt – bei der Wohnungslosenhilfe, der Stadt und der Polizei.

Biberach – „Not hat jeder von ihnen. Sonst setzt man sich bei diesen Temperaturen nicht auf die Straße“, erklärt Ulrike Wachter von der Wohnungslosenhilfe Biberach e.V.. Ob es sich bei einem Bettler eventuell um ein Mitglied einer Bettelbande handelt, der das Geld an Hintermänner weitergeben muss, spielt für die Diplom-Sozialpädagogin daher keine große Rolle. Jeder, der sich bei solchen Temperaturen auf die Straße setzt, befinde sich in einer Notlage.

Der Polizei und dem Ordnungsamt liegen außerdem keine Erkenntnisse vor, dass solche Bettelbanden in Biberach derzeit aktiv sind. Und selbst wenn es so wäre: „Mitglieder von Bettelbanden können nicht auf den ersten Blick erkannt werden“, erklärt Polizeisprecher Wolfgang Jürgens.

Was also tun, wenn man an einem Bettler vorbeiläuft und ihm etwas Gutes tun möchte? „Ich möchte ungern Handlungsanweisungen geben, wie man sich einem Bedürftigen gegenüber verhalten soll“, antwortet Wachter. Sie rät dazu, auf sein Gefühl zu hören und den Bettler ruhig auch mal anzusprechen. „Ganz wichtig ist es, den Betroffenen auf Augenhöhe zu begegnen. Viele freuen sich über ein Gespräch. Augenhöhe bedeutet allerdings auch, zu respektieren, wenn ein Bettler keine Lust auf ein Gespräch hat.“ Denn zur Not der Bettler, die oft obdachlos sind, gehört auch, dass sie auf den Schutz einer privaten Wohnung verzichten müssen.

Mittagessen für einen Euro

Zu wenig bezahlbarer Wohnraum ist laut Wachter daher auch eines der dringendsten Probleme, die in Biberach gelöst werden müssen. Nur so gibt es für Betroffene die Chance, in ein normales Leben zurück zu gelangen. „Das Thema Obdachlosigkeit gibt es auch in einer reichen Stadt wie Biberach.“ Jeden Tag kommen 30 bis 35 Bedürftige zum Mittagessen in die Tagesstätte der Wohnungslosenhilfe. Das Essen dort kostet einen Euro, der warme Kaffee 20 Cent. „Neben Leuten, die auf der Straße leben, kommen auch ältere Menschen, die auf ein solches Angebot angewiesen sind.“

Um Bedürftigen zu helfen, kann man gezielt an Organisationen wie etwa die Wohnungshilfe Biberach (www.wohnungslosenhilfe-biberach.de) spenden. Weitere vertrauenswürdige Organisationen findet man laut Polizei unter www.dzi.de. Für Wachter wäre das übrigens ein guter Mix: „An entsprechende Organisationen Geld spenden um die Bedingungen insgesamt zu verbessern und den Bettlern direkt vor Ort helfen, indem man sie anspricht und fragt, ob man ihnen was zum Essen oder trinken kaufen kann.“

Hat man das Gefühl, dass für einen Bettler eine akute Notlage besteht, sollte man laut Wachter nicht zögern, den Notdienst anzurufen. Alternativ kann man sich auch direkt an die Wohnungslosenhilfe wenden, v 07351 / 1882811. „Wir kommen dann gleich und kümmern uns um den Betroffenen.“

Verboten ist das Betteln in Biberach laut Auskunft der Stadt übrigens nicht, solange dadurch keine Dritten belästigt werden. Daher hat die Stadt auch keinen direkten Einfluss darauf, wie viele Bettler in der Innenstadt sind. pam

Kommentar von Patrick Müller: Hilfe, die ankommt

Weihnachtszeit ist Spendenzeit – traditionell sind die Deutschen derzeit besonders spendierfreudig. Der Großteil der Spenden geht in die aktuellen Krisengebiete der Welt, die in den überregionalen Medien einen großen Platz einnehmen. Ohne Frage wird das Geld dort dringend benötigt. Allerdings gibt es auch bei uns in der Region viele Organisationen, bei denen die Spendengelder gut aufgehoben wären. Wie etwa bei der Wohnungslosenhilfe Biberach e.V. (Bericht Seite 1).

Damit umgeht man auch den Gewissenskonflikt, ob man einem Bettler, etwa in der Biberacher Innenstadt, Geld gibt oder besser nicht. Oft hat man ja die Befürchtung, dass das Geld direkt in Alkohol investiert wird. Wer daher zum einen das Geld an die entsprechenden regionalen Hilfsorganisationen spendet und zum andern mit dem Bettler spricht und fragt, was er außer Geld braucht, ist auf der sicheren Seite. Denn wer weiß – vielleicht braucht dieser ja gerade wetterfeste Winterschuhe in der passenden Größe. Das ist Hilfe, die garantiert ankommt und Menschen vor Ort direkt hilft.

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