Der Traum vom Profifußball - Wochenblatt

Der Traum vom Profifußball
Empfehlung

16. November 2017
Sechs „Württemberger“, die über Memmingen den Sprung schaffen wollen (v.l.): Jonas Kaufmann (Heimatverein SC Unterzeil), Maximilian Dolinski (SV Ochsenhausen), Leonard Maucher (SV Arnach), Jakob Schmid (SV Muttensweiler), Daniel Hausmann (FC Leutkirch) und Emir-Halit Karaismailoglu (TSG Bad Wurzach) Foto: patrick Müller

Sie kommen vom SV Ochsenhausen, vom FC Leutkirch oder vom SV Arnach – für ihren Traum vom Profifußball zog es sechs Nachwuchstalente über die Landesgrenze nach Bayern zum FC Memmingen. Dort geht es für die U15-Jugendspieler bei Auswärtsspielen in der Bayernliga bis in die niederbayerisch-tschechische Grenzregion.

Memmingen – „Das Niveau bei der Ausbildung ist hier einfach höher“, erklärt Maximilian Dolinski, der vom SV Ochsenhausen zum FC Memmingen gewechselt ist. Mit Jakob Schmid vom SV Muttensweiler spielt er dort zusammen mit einem weiteren Spieler aus dem Kreis Biberach. Er und Jakob kannten sich davor schon durch das Stützpunkttraining in Biberach. „Die meisten Spieler vom Biberacher Stützpunkt sind irgendwann zur Olympia nach Laupheim gewechselt“, sagt Jakob, der aber wie Maximilian glaubt, dass für sie die Chance zur „Entdeckung“ in Memmingen größer ist.

Entdeckung bedeutet, dass Scouts von Profi-Vereinen bei Turnieren oder Auswahlspielen auf die Spieler aufmerksam werden und sie zu einem Probetraining eingeladen werden. Ein Zwischenschritt, den zwei ihrer Kameraden schon geschafft haben: Daniel Hausmann vom FC Leutkirch war zum Probetraining beim FC Ingolstadt und bei 1860 München und Emir-Halit Karaismailoglu von der TSG Bad Wurzach war beim VfB Stuttgart. Ganz gereicht hat es aber jeweils noch nicht. Zusammen mit Leonard Maucher vom SV Arnach und Jonas Kaufmann vom SC Unterzeil bilden die sechs Jungs beim bayerischen Fußballverein einen „württembergischen“ Mannschaftsblock.

Wie die meisten ihrer Mitspieler, die von auswärtigen Vereinen nach Memmingen wechseln, kamen sie in der U13- oder U14-Jugend vom Heimatverein. „Teilweise kommen die Spieler selbst auf uns zu, teilweise scouten wir sie auch“, erklärt Memmingens U15-Trainer Alexander Ruck. Dadurch verändert sich in diesen Jugenden der Kader ständig: Durch Spieler, die dazu kommen und Spieler, die den Verein verlassen, weil sie entweder den Sprung zu einem noch höherklassigeren Verein geschafft haben oder zurück zu ihrem Heimatverein gehen. „Wenn wir merken, dass es bei einem Spieler nicht reicht, suchen wir Trainer rechtzeitig das Gespräch mit ihm. Teilweise schon währen der Rückrunde“, so Ruck.

Von einem solchen Gespräch sind die sechs Jungs bisher verschont geblieben. Im Gegenteil, teilweise sind sie schon in die Regionalauswahl oder sogar die Bayernauswahl berufen worden. So wie Daniel und Leonard, die zuletzt in beiden Auswahlmannschaften im Kader standen. Mit den beiden und mit Jakob haben es auch in diesem Jahr wieder drei Jungs in die Regionalauswahl geschafft. Die Bayernauswahl wurde noch nicht festgelegt. Das ist wichtig, da die Scouts der Profi-Vereine laut Ruck vor allem zu den Auswahlspielen kommen. Wer es dorthin geschafft hat, dessen Chancen steigen, dass Vereine wie der FC Augsburg oder der FC Heidenheim auf einen aufmerksam werden.

Die Talente, die beim FC Memmingen spielen, kommen aus einem Umkreis von bis zu 70 Kilometern – bis aus Landsberg, Oberstdorf und vom Ammersee. Im württembergischen Bereich des Einzugsgebietes konkurriert der Verein vor allem mit dem FV Ravensburg. „Etwa 40 Prozent entscheiden sich dann für einen Wechsel zu uns“, sagt Ruck. Zumal durch die A96 Spieler aus dem Bereich Bad Wurzach und Leutkirch oft schneller in Memmingen als in Ravensburg sind. Im Bereich des Landkreises Biberach spielt zudem der FV Olympia Laupheim eine Rolle beim Kampf um die Talente.

Eine Voraussetzung, die neben dem Talent zwingend dazu gehört, ist die Unterstützung durch die Eltern. Sie müssen die Jungs dreimal in der Woche zum Training fahren – zweimal zum Vereinstraining und einmal zum Training im Nachwuchsleistungszentrum. „Dazu kommen dann die Spiele in der Bayernliga Süd mit der weitesten Anfahrt nach Cham – vier Stunden hin und vier zurück“, erzählt Wolfram Maucher, der Vater von Leonard. „Aber man macht es auch gerne, wenn man sieht, dass die Kinder Spaß und Erfolg haben und merkt, wie sie sich weiterentwickeln“, so Maucher weiter.

Was wäre eigentlich, wenn es am Ende nicht zum Profifußball reichen würde? „Mit der Zeit würde man sich vermutlich damit abfinden, aber am Anfang wäre es schon schlimm“, sagt Leonard. Aber derzeit ist dieser Traum noch für alle sechs erreichbar.

Kommentar von Patrick Müller: Die Eltern entscheiden

„Fußball ist unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt“ – was unsere Nationalmannschaft 1974, die offensichtlich eher sportlich als musikalisch begabt war, voller Inbrunst verkündete, gilt auch in diesen Tagen noch. Nicht umsonst war das WM-Aus von Italien ein Top-Thema. Auch die vorliegende Ausgabe des Wochenblatts zeigt sich wieder sehr fußballaffin – und dürfte damit den Nerv vieler Jugendlicher treffen. Denn vor allem bei Jungs ist der Fußball nach wie vor die Sportart Nummer eins. Wie bei den sechs Talenten aus der Region, die über die Jugend des FC Memmingen den Sprung in den Profibereich schaffen wollen (Bericht S. 1). Ihren Traum, später einmal vom Fußball leben zu können, teilen sie mit vielen Nachwuchskickern. Wenn es aber darum geht, wer später wirklich den Durchbruch schafft, geht es nicht nur um Talent und Ehrgeiz des Spielers. Eine weitere Voraussetzung, ohne die es nicht geht, ist die Unterstützung der Eltern. Im Prinzip ist es auch hier wie beim Erfolg in der Schule und überhaupt während der ganzen Kindheit und Jugend – alles steht und fällt mit der Unterstützung durch das Elternhaus. Umso schöner, dass es Eltern gibt, die ihren Kindern bei der Verwirklichung ihrer Träume helfen.

Was meinen Sie?

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Zurück

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzbestimmungen. Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite. Cockies akzeptieren