Derzeit leider nicht erreichbar - Wochenblatt

Derzeit leider nicht erreichbar
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6. Juli 2017
Wie man sein Handy auch dreht und wendet – in großen Teilen von Laupertshausen hat man keinen Mobilfunk-Empfang Foto: Kesenheimer

Seit Dezember letzten Jahres haben viele Laupertshauser Bürger daheim keinen Mobilfunkempfang mehr. Der Grund: Im Zuge der Fusion des bisher einzigen empfangbaren Anbieters E-Plus mit O2/Telefónica wurde eine Mobilfunkanlage abgebaut. Bis sich an der Situation wieder etwas ändert, dürfte es eine Weile dauern.

Laupertshausen – „Im Zuge unserer Netzzusammenführung wurden an vielen Orten doppelt vorhandene Mobilfunkanlagen zur Sicherung der notwendigen Synergien abgebaut. So auch Ende Dezember im Ortsteil Laupertshausen“ – erst auf das zweite Nachhaken hin bestätigt die Pressestelle von Telefónica, was die betroffenen Bürger bereits vermuteten: Eine Mobilfunkanlage wurde abgebaut. Laut Telefónica wird Laupertshausen aber seither über eine andere Station versorgt, die sich etwa einen Kilometer nordöstlich vom Laupertshausener Zentrum in Richtung Maselheim befindet.

Das Problem dabei: Im Vor-Ort-Test merkt man von dieser Station etwa ab Höhe der Kirche nicht mehr viel. Auch wenn ab und zu ein Strichen auf dem Display erscheint – zum Telefonieren oder Empfangen von SMS reicht es danach nicht mehr. Zurückhaltend geschätzt sind davon ungefähr ein Drittel der knapp 1 000 Bewohner betroffen.

Eine der Folgen ist, dass für die Betroffenen etwa das beim Online-Banking beliebte mTAN-Verfahren nicht mehr möglich ist. „Die von der Bank versendete SMS mit der TAN kommt erst am nächsten Tag auf dem Weg zur Arbeit an“, erklärt einer der betroffenen Bürger.

Gemeinde ist machtlos

Auf wirkungsvolle Hilfe der Gemeinde Maselheim, zu der Laupertshausen gehört, können die Betroffenen dabei übrigens nicht hoffen. Zwar versucht die Gemeinde laut Bürgermeister Elmar Braun über Telefonate mit dem Anbieter Einfluss zu nehmen, allerdings sei es schwer, dort überhaupt einen Ansprechpartner zu bekommen. Er selbst ist bei dem Thema schon etwas verzweifelt und hofft, dass sich Telefónica nicht mehr allzu viel Zeit lässt, das Problem zu lösen. Denn natürlich kommen die Bürger damit immer wieder auf die Gemeinde zu.

Laut Telefónica gibt es auch keine kurzfristige Möglichkeit, die derzeitige Netzversorgung vor Ort auszubauen. Grund seien die komplexen und umfangreichen Arbeiten im Zusammenhang mit einer erweiterten Netzversorgung. „Das bedauern wir sehr und entschuldigen uns an dieser Stelle für die Unannehmlichkeiten, die unseren Kunden möglicherweise zuteilwerden.“

Zumindest ein Trost bleibt den Laupertshauser Bürgern: Statt einer langsamen 2G-Versorgung für das halbe Dorf, soll es zukünftig eine hochleistungsfähige 4G-Versorgung für die ganze Ortschaft geben. Die Frage, wann diese Zukunft in Laupertshausen beginnt, beantwortete Telefónica allerdings lediglich mit der Zeitangabe „mittel- bis langfristig“.

Das Wochenblatt bleibt auf jeden Fall dran.

Kommentar: Aufgabe für den Staat

Sei es beim Ausbau der Mobilfunknetze (Bericht Seite 1), beim öffentlichen Nahverkehr oder bei der Nahversorgung (Stichwort Dorfladen) – immer wieder haben die Bewohner auf dem Land das Gefühl, gegenüber städtischen Bereichen abgehängt zu werden. Oft handelt es sich dabei nicht nur um ein Gefühl, sondern um die Realität.

So auch beim aktuellen „Fall“ in Laupertshausen. Die Rechnung des Mobilfunk-Anbieters ist relativ einfach: In Laupertshausen wohnen verhältnismäßig wenige Kunden – das bedeutet zum einen, dass die Kosten für jeden einzelnen Kunden relativ hoch sind und zum anderen, dass sich nur wenige beschweren, wenn man mit seinen Sparmaßnahmen hier ansetzt. Denn nichts anderes als Sparmaßnahmen verstecken sich hinter der Formulierung „Sicherung der notwendigen Synergien“.

Was man dagegen tun kann? – Der einzelne Bürger und auch der Bürgermeister nicht viel. Es ist die Aufgabe des Staates, hier mit kluger Infrastrukturpolitik einzugreifen und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich die Bürger auch auf dem Land wohlfühlen. Schon allein, weil es in den Städten gar nicht genug Platz für alle gibt.

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Patrick Müller

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