„Kabarett ist nicht Comedy“ - Wochenblatt

„Kabarett ist nicht Comedy“
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5. Oktober 2017
Kulturamtsleiter Klaus Buchmann ist schon mitten in den Planungen für den Kabarettherbst 2018 Foto: pam

Vom 11. bis 29. Oktober findet in Biberach der 25. Kabarettherbst statt. Im Interview erklärt Klaus Buchmann, Biberacher Kulturamtsleiter und Programmchef des Kabarettherbstes, wie das Programm entsteht, was gutes Kabarett auszeichnet und warum das Kabarett noch immer eine Männerdomäne ist.

Wodurch zeichnet sich für Sie gutes Kabarett aus?

Klaus Buchmann: Wenn einerseits herzhaft gelacht werden kann, man andererseits aber auch ins Nachdenken kommt. Vor allem dürfen die Witze nicht zu platt sein, Kabarett ist nicht Comedy. Gutes Kabarett ist eine Mischung aus politischer Kritik, Gesellschaftskritik und Satire.

Angenommen, Sie richten einen privaten Kabarett-Abend für sich und Ihre Bekannten aus – welche drei Künstler würden Sie für diesen Abend auswählen?

Das ist ganz schwer zu beantworten. In den 25 Jahren Kabarettherbst habe ich schon viele Künstler kennengelernt, die ich auf ihre Art alle sehr gut finde. Aber müsste ich mich entscheiden, würde ich Philipp Weber, Mathias Tretter und Claus von Wagner auswählen. Die drei begleiten den Kabarettherbst schon seit fast 15 Jahren. Damals sind sie als absolute Newcomer hier aufgetreten und heute sind sie etablierte und vielfach prämierte Kabarettisten. So erhält Mathias Tretter den Deutschen Kabarettpreis 2017 und Claus von Wagner macht seit 2014 die Kabarettsendung „Die Anstalt“.

Wer entscheidet, welche Künstler für den Kabarettherbst angefragt werden?

Grundsätzlich ich. Aber natürlich freue ich mich immer über Anregungen von Besuchern und Kollegen. Denn man kann gar nicht alle Kabarettisten kennen und würde man das Programm nur nach seinem eigenen Geschmack zusammenstellen, könnte es schnell einseitig werden.

Kommt es inzwischen nach 25 Jahren Kabarettherbst auch vor, dass renommierte Künstler selbst bei Ihnen anfragen?

In der Regel fragen nicht die Künstler an, sondern deren Agenturen. Aber man kann schon sagen, dass wir uns in der Szene inzwischen einen sehr guten Ruf erarbeitet haben. Dadurch können wir fast alle großen Namen anfragen und diese kommen dann auch zu uns.

„Fast“ alle großen Namen – bei welchen Kabarettisten, die sie gerne einmal in Biberach sehen würden, haben Sie denn keine Chance?

Zum Beispiel bei Monika Gruber, die inzwischen so bekannt ist, dass sie nur noch in großen Hallen auftritt. Da reicht unsere Stadthalle leider nicht aus.

Wie viele Zuschauer kamen im letzen Jahr zum Kabarettherbst und mit wie vielen rechnen Sie in diesem Jahr?

Im letzten Jahr waren es knapp 2 900 Besucher. Aber da wir in diesem Jahr eine Veranstaltung weniger haben und oft im Komödienhaus sind, wo die Kapazität kleiner ist als in der Stadthalle, wären wir mit 2 500 Besuchern sehr zufrieden.

Auf welchen Künstler freuen Sie persönlich sich in diesem Jahr am meisten?

Da ich das Programm zusammengestellt habe und natürlich nicht nur darauf schaue, wer ein volles Haus garantiert, sondern auch darauf, ob ich selbst den Künstler auch gut finde, ist das schwer zu beantworten. Denn ich würde nie einen Kabarettisten engagieren, von dem ich nicht selbst überzeugt bin. Aber zum einen freue ich mich, dass mit Florian Schroeder einer der jungen Künstler dabei ist, der richtig gutes Kabarett im eigentlichen Sinne macht. Und zum anderen freue ich mich auch, dass Altmeister Bruno Jonas mit seinem neuen Programm nach Biberach kommt.

Zum Abschluss zwei eher gesellschaftspolitische Fragen: Sowohl beim Programm des Kabarettherbstes als auch generell fällt schnell auf, dass das Kabarett noch immer hauptsächlich eine Männerdomäne ist. Warum eigentlich?

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, an was das liegt. Zwar hat sich hier in den letzten 15 bis 20 Jahren viel verändert, aber wenn man auf das diesjährige Programm des Kabarettherbstes schaut, fällt es schon auf. Lediglich bei einem Duo-Format, bei „Das Geld liegt auf der Fensterbank Marie“ am 26. Oktober, ist eine Frau dabei. Obwohl wir natürlich immer wieder versuchen, auch Frauen ins Programm zu holen. Aber in der Summe gibt es einfach nicht so viele und wenn, haben sie oft sehr spezifische Themen. Und die Frauen, die gut in unser Programm passen würden, sind oft auf lange Zeit ausgebucht. Wie etwa Lisa Fitz oder Martina Schwarzmann, die wir beide erst für Februar 2019 verpflichten konnten.

Abgesehen von einzelnen Ausnahmen, wie etwa Dieter Nuhr, vertreten viele Kabarettisten in ihren Programmen eher links-liberale Positionen – haben Konservative keinen Humor?

(Lacht) Ob Konservative keinen Humor haben, kann ich nicht beurteilen. Aber ich vermute, dass das Kabarett eher aus der links-liberalen Ecke kommt liegt, daran, dass die Führungseliten und Regierungsparteien in der Regel wertkonservativ waren und sind. Und die Kabarettisten kritisieren und prangern die herrschenden Zustände an. Aber durch die politischen Veränderungen in den letzten Jahren glaube ich nicht, dass sich ein Kabarettist heute noch eindeutig als rechts oder links einordnen lässt. Für einen Kabarettisten geht es immer darum, bestehende Misstände in Politik und Gesellschaft zu kritisieren.

Das Interview führte Patrick Müller

Tickets und weitere Infos zu den Künstlern des Kabarettherbstes gibt‘s unter www.kabarettherbst.de. Die Auftrittstermine: 11. Oktober, 20 Uhr, Stadthalle, Günter Grünwald; 12., 20 Uhr, Komödienhaus, Martin Fromme; 13., 20 Uhr, Komödienhaus, Günter Fortmeier; 14., 20 Uhr, Stadthalle, Stephan Bauer; 18., 20 Uhr, Stadthalle, Florian Schroeder; 21., 19 Uhr, Stadthalle, Bruno Jonas; 25., 20 Uhr, Komödienhaus, HG Butzko, 26., 20 Uhr, Komödienhaus, Das Geldliegt auf der Fensterbank Marie; 29., 18 Uhr, Stadthalle, Heinrich del Core Comedy Club.

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