Keine Angst vor einem Handelskrieg - Wochenblatt

Keine Angst vor einem Handelskrieg
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31. Oktober 2017
ifo-Chef Clemens Fuest blickt optimistisch in die Zukunft. Foto: pam

Für ihr 22. UnternehmerForum konnten die Volksbanken Raiffeisenbanken im Kreis Biberach Clemens Fuest gewinnen, den Präsidenten des ifo-Instituts. Im Kulturhaus Schloss Großlaupheim referierte er zum Thema „Europa 2018. Zwischen Eurokrise, Brexit und Trump“.

Laupheim – Wenn es darum geht, welche Auswirkungen bestimmte Ereignisse auf die Wirtschaft haben, ist Clemens Fuest einer der ersten, bei dem die Leitmedien anrufen und nachfragen. Als Präsident des Münchner ifo-Instituts gehört er zu den wichtigsten Ökonomen des Landes, wenn er etwas sagt, hören die Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft aufmerksam zu. In entsprechend großer Zahl folgten daher auch die Unternehmer der Region der Einladung der Volksbanken Raiffeisenbanken im Kreis Biberach.

„Derzeit befinden wir uns in Deutschland in einer guten wirtschaftlichen Lage“, begann Fuest seinen Vortrag. Mit Verweis auf den Geschäftsklima­index seines Instituts zeigte er sich optimistisch, dass die deutsche Wirtschaft sich auch im nächsten Jahr weiter gut entwickeln wird.

Mit Blick auf Trump und den von ihm propagierten Protektionismus zeigt sich Fuest entspannt: „Amerikaner können auch rechnen. Daher wird es keinen flächendeckenden Handelskrieg geben. Die Amerikaner wären dabei die Hauptgeschädigten.“ Auch beim Brexit rechnet Fuest damit, dass sich der wirtschaftliche Schaden in Grenzen hält – vorausgesetzt, die beteiligten Politiker handeln vernünftig: „Es wäre nicht sehr intelligent, nach dem Brexit den Schaden durch Handelsbarrieren noch zu vergrößern.“ Er selbst geht nicht davon aus, dass die Ausstiegsverhandlungen zwischen Großbritannien und der EU bis Ende 2018 abgeschlossen sein werden und plädiert für eine längere Übergangsfrist. Als Ergebnis der Verhandlungen rechnet Fuest mit einer Freihandelszone.

Innerhalb der Eurozone ist es laut Fuest ein großes Problem, dass Haftung und Kontrolle in wirtschaftlichen Fragen immer noch getrennt sind. Eine staatsübergreifende Begrenzung der Schulden sei so nicht möglich, dennoch entstehe durch die Politik der Europäischen Zentralbank eine immer größere Solidarhaftung. Die Euro-Krise als Ganzes ist für ihn noch lange nicht überwunden.

Mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen erklärte er, dass wirtschaftlich gute Zeiten der richtige Moment seien, Staatsschulden zurückzuzahlen. In Anbetracht der steigenden Steuer­einnahmen plädierte Fuest außerdem für Steuersenkungen: „Wenn Geld herumliegt, hat die Politik die Neigung, es auszugeben.“ Sinnvoller wäre es, zu prüfen, welche staatlichen Ausgaben entbehrlich sind.

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