„Schwäbisch, solide, weltoffen und ideenreich“ - Wochenblatt

„Schwäbisch, solide, weltoffen und ideenreich“

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Bei der Wahl des Oberbürgermeisters von Friedrichshafener am 12. März gilt Amtsinhaber Andreas Brand als Favorit. Im WOCHENBLATT spricht der 52-Jährige unter anderem über die Entwicklung der Stadt, die Schaffung neuer Wohnräume und das Dauerthema öffentlicher Nahverkehr.

Herr Brand, was hätten Sie als gebürtiger Esslinger geantwortet, wenn Ihnen jemand vor 20 Jahren gesagt hätte, dass Sie 2025 seit 16 Jahren Oberbürgermeister von Friedrichshafen sind?

Andreas Brand: (lacht) Auf gut schwäbisch: „Du spinnsch!“ Damals war das nicht absehbar, ich war viele Jahre glücklich als Erster Bürgermeister in Böblingen tätig. Als ich 2008 hörte, dass mein Vorgänger Josef Büchelmeier hier nicht mehr bei der OB-Wahl antritt, wusste ich: Friedrichshafen ist eine Stadt, für die es sich lohnt anzutreten und zu kämpfen. Kopf, Herz und Bauch haben mir gesagt: Diese Chance musst du wahrnehmen!

Worin liegt der Unterschied zum Wahlkampf 2009?

Die Art und Weise ist anders. Meine Herausforderer können eine Defizitstrategie verfolgen, nach dem Motto: Dies und jenes ist schlecht. Ich kann hingegen auf Geleistetes verweisen, die Menschen kennen mich. Vor acht Jahren war es für alle Bewerber intensiver, weil sie sich den Bürgern vorstellen mussten. Ich habe damals im Wahlkampf zehn Kilo verloren.

Sie bezeichnen Friedrichshafen gerne als liebens- und lebenswerte Stadt. Warum ist das in acht Jahren immer noch so?

Weil wir zusammen mit den Bürgern, den Ortschaften und dem Gemeinderat Gutes fortsetzen, Bewährtes erhalten und Neues angehen wollen. Dazu möchte ich weiterhin meinen Beitrag leisten. Ich denke dabei nicht nur an Themen wie Bundesstraßenbau, Bahnhofsmodernisierung oder Museumsviertel. Eines meiner größten Ziele ist, dass die Leute auch in Zukunft stolz sagen können: Ich arbeite, wohne und lebe gerne in Friedrichshafen.

Viele Menschen haben allerdings Probleme, hier eine bezahlbare Wohnung zu finden.

Bis 2020 werden wir etwa 1 500 neue Wohneinheiten bauen. Das geht von geförderten Mietwohnungen über Platz für Eigentumswohnungen bis hin zum eigenen Haus. Für ein Quartier im Fallenbrunnen läuft bis April ein Wettbewerb, dort würden dann bald 100 bis 120 Wohnungen entstehen. Nebenan, auf dem Gelände der ehemaligen Container-Uni, wäre das ebenfalls vorstellbar. Im Quartier Allmannsweiler entstehen derzeit zudem über 100 Wohnungen. Obwohl wir künftig 2,5 Millionen Euro jährlich zusätzlich für Wohnungsbau ausgeben wollen, sind unsere Möglichkeiten aber von den verfügbaren Flächen geografisch begrenzt. Hinzu kommt, dass es verschiedene Interessen gibt: Der Forderung nach neuem Wohnraum steht die Forderung nach Erhalt von Natur und Umwelt gegenüber.

Was sind derzeit die wichtigsten Bauprojekte in der Stadt?

Die Fortführung des „ISEK“ (Integriertes Stadtentwicklungskonzept; Anm. d. Red.). Es gibt viele interessante Ideen zur Gestaltung des Uferparks, zur Mobilität in zehn, zwanzig Jahren, zu sozialen Projekten oder wie die Art der Bürgerbeteiligung in Zukunft aussehen soll. Daraus gilt es nun, klare Ziele zu bestimmen und die nächsten Schritte zu formulieren. In Absprache mit dem Gemeinderat wird es im April eine Klausursitzung geben. Dann beginnt die Arbeit erst so richtig.

Sehen Sie Friedrichshafen in Sachen Bildungsmöglichkeiten für die Zukunft gerüstet?

Wir haben bereits ein gutes, ausdifferenziertes Bildungsangebot. Das müssen wir erhalten und weiter ausbauen. Heißt unter anderem: Investieren in die Modernisierung von Schulen und deren Ausstattung, auch in die Schulhöfe. In die Bildungspolitik muss allerdings – auch im Sinne der Lehrer und Schüler – allgemein mehr Ruhe einkehren.

Für Diskussionen sorgen die Tempo 30-Zonen in der Stadt. Manche wünschen sich Tempo 50 z.B. in der Kepler- und Friedrichstraße zurück.

Unsere Hauptziele sind Verkehrssicherheit und Lärmschutz. Die Sicherheit können wir nur bedingt beeinflussen, den Lärmschutz müssen wir aktiv gestalten. Ohne Maßnahmen, wie die 30er-Zonen, gibt es keinen verbesserten Lärmschutz. Die gesetzlichen Vorgaben, wo und zu welchen Zeiten Tempo 30 gelten muss, sind allerdings so gestaltet, daher kann es derzeit noch keine durchgängige Regelung geben.

Überfüllte Waggons, Verspätungen und Ausfälle: Bürger, die Zug oder Bus nutzen, müssen teils unzumutbare Zustände hinnehmen. Was kann die Stadt hier tun?

Die Bodensee-Oberschwaben-Bahn und unser Stadtverkehr, auf die wir direkten Einfluss haben, sind zuverlässig, sauber und pünktlich. Wir sollten aber auch alles daran setzen, dass das auch die Deutsche Bahn bei uns schafft und werden alles unterstützen, was bei der Bahn für positive Effekte sorgt. Die Deutsche Bahn muss aber auch im eigenen Interesse für sich werben und besser werden: durch Pünktlichkeit, Qualität und Service.

Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Wenn mich die Häfler wiederwählen, dann...

...dürfen sie den Andreas Brand erwarten, den sie seit acht Jahren kennen: Schwäbisch und solide, weltoffen und ideenreich, auf Bewährtes setzend und offen für Neues.

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