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In der Ravensburger Altstadt müssen Passanten über Kopfsteinpflaster stolpern, das ist schon lange so. Einzelne Streifen sind zwar leichter begehbar. Aber die Stadtverwaltung verlegt weiter fröhlich diese anerkannten Stolperfallen.

ravensburg – Hoppla, was ist das? Direkt vor mir stürzt eine ältere Dame und schlägt böse mit dem Kopf aufs Pflaster. Sie blutet heftig aus einer großen Platzwunde, ansonsten scheint sie unverletzt. Ich rufe trotzdem vorsichtshalber den Krankenwagen. Wie es aussieht, hat sie den Sturz glimpflich überstanden. Und ich frage mich wieder einmal: Muss das wirklich sein? Dass die Altstadt durch weite Felder Kopfsteinpflaster zur Holperstrecke für Rollstuhlfahrer, Menschen mit Rollator oder Kinderwagen und natürlich alle Highheel-Trägerinnen wurde, ist für viele Menschen ein tägliches Ärgernis. Aber die ältere Dame ist am Ravensburger Bahnhof gestürzt, direkt am neu geschaffenen Fahrbahnteiler. Den kann man auf kleinen Wegen überqueren, auf denen Kopfsteinpflaster verlegt wurde – in so großen Abständen, dass die durchaus rüstige Passantin mit ihrem Fuß in einem Spalt hängenblieb. Und das ist kein Einzelfall: Immer wieder erzählen Leser von Stürzen, beschweren sich Rollstuhl- und Rollatorfahrer über dieses Hindernis. Außerdem ist Kopfsteinpflaster gerade im Winter deutlich rutschiger als andere Straßenbeläge.

Wir haben bei der Stadtverwaltung angefragt, warum sie dennoch bei Neuverlegungen dieses Pflaster verwendet. Stadtbaudirektor Ralph-Michael Jung meint, dass man das in Ravensburg „seit jeher“ so mache. Und auch bei den aktuellen Straßenbauprojekten im Fußgängerbereich dabei bleiben will. Grund sind zum einen der Altstadtcharakter der kleinen Steine, aber auch der ökologische Vorteil – in den Spalten kann Regenwasser besser versickern.

Selbst der Stadtbaudirektor sieht aber die Nachteile. Deshalb würde heute gesägtes Pflaster, kombiniert mit Streifen aus Kleinpflaster verwendet. Dieses sei fußgängerfreundlich. Bei der Baumaßnahme am Bahnhof hat man daran wohl nicht gedacht. Außerdem erwähnt Jung noch einen anderen Nachteil: Die Tragfähigkeit von Kopfsteinpflaster ist begrenzt. Fahren also Busse über solche Flächen, werden die Steine verschoben. Und dann muss wie in der Bachstraße umfangreich saniert werden. Siehe Kommentar Seite 2

Boehringer Ingelheim baut seinen Biberacher Standort weiter aus – für 200 Millionen Euro entsteht ein neues Zentrum für die Entwicklung neuer biologischer Wirkstoffe aus eigener Forschung. Dadurch werden in den nächsten Jahren etwa 100 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Der Spatenstich ist fürs Frühjahr 2018 geplant.

Biberach – Einmal im Jahr lädt Boehringer Ingelheim lokale Pressevertreter zu einem Hintergrundgespräch an den Standort ein. So auch am gestrigen Mittwoch. Dort gaben Landesleiter Stefan Rinn (kl. Foto) und der Medizinische Direktor Dr. Thor Voigt einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen. Exklusive Neuigkeiten werden dabei üblicherweise nicht verkündet. Gestern allerdings doch: Beim Thema Investitionen in den Standort verkündete Rinn sichtlich erfreut, dass man den Vorstand davon überzeugen konnte, in Biberach ein Zentrum für die Entwicklung neuer biologischer Wirkstoffe aus eigener Forschung zu bauen. „Die Kernkompetenzen des Biberacher Standortes sind die beiden Bereiche Forschung, Entwicklung und Medizin sowie die Biopharmazie. Das neue Entwicklungszentrum setzt genau an der Schnittstelle dieser Bereiche an“, erklärte Rinn. Daher sei es auch „relativ einfach“ gewesen, den Vorstand vom Standort Biberach zu überzeugen.

Mit rund 200 Millionen Euro ist die Investition die zweitgrößte des Unternehmens in Deutschland überhaupt. „Das ist eine wirklich starke Investition in die Innovationskraft des Standortes Biberach.“ 500 Mitarbeiter bekommen dort nach der Fertigstellung Anfang 2021 neue Arbeitsplätze mit modernster Ausrüstung. Etwa 100 davon werden neu geschaffen.

In dem neuen Entwicklungszentrum werden ab dann biologische Wirkstoffe für klinische Studien hergestellt. Damit wird gleichzeitig auch Biberachs Status als weltweit wichtigster Standort des Unternehmens im Bereich Forschung und Entwicklung gefestigt. Derzeit arbeiten am Standort Biberach knapp 5 700 Mitarbeiter.

Auch insgesamt läuft es laut Rinn derzeit sehr gut für Boehringer Ingelheim. Für dieses Jahr erwartet das Familienunternehmen ein „ausgesprochen gutes“ Geschäftsergebnis. P. Müller

Nick Jann und Eric Erdle sind Influencer. Das heißt, sie machen Werbung für Marken und beeinflussen (engl. influence) so das Kaufverhalten ihrer Follower. Was in Großstädten weit verbreitet ist, ist im Allgäu noch eine Seltenheit. Uns haben die Leutkircher erzählt, wie das Leben eines Influencers aussieht.

leutkirch – Sie können fast jeden Tag ausschlafen, hängen den ganzen Tag im Fitnessstudio herum, tragen die neuesten Klamotten und verdienen damit auch noch Geld – ein Leben als Influencer ist für viele ein Traum. Ein Traum den Nick und Eric leben: Sie sind Fitness-Blogger, die mit ihren Foto-Postings auf Instagram (Online Dienst zum Teilen von Fotos) Geld verdienen. Dazu stellen sie auf ihren Profilen die Produkte großer Firmen vor, die für diese Werbung bezahlen.

„Ich habe nie geplant, Influencer zu werden“, sagt Nick. Seit er 14 Jahre alt ist, trainiert er regelmäßig und postet davon Bilder im Netz. So kann er schon in jungen Jahren einen durchtrainierter, makellosen Körper vorweisen. Es dauert nicht lange und seine Bilder verbreiten sich im Netz, Firmen werden auf ihn aufmerksam. Heute hat er über 80 000 Follower (Abonnenten) und steht bei großen Firmen wie fitbit, gymjunky und fitmart unter Vertrag.

Kurz darauf schafft auch Eric den Sprung: „Erst hab‘ ich mich ein wenig lustig darüber gemacht, dass Nick ständig Bilder von sich macht“, erzählt der 20-Jährige lachend. Doch bald darauf wird er selber aktiver und erreicht mit seinen Posts mittlerweile selbst über 10 000 Menschen. Heute gibt es kaum einen Tag, an dem sich die Freunde nicht sehen: Gemeinsam gehen die zwei Abiturienten fast täglich trainieren, machen Foto-Shootings und verbringen ihre Freizeit miteinander.

Obwohl Nick derzeit von seinen Einnahmen als Influencer leben kann, denkt er an die Zukunft: „Ich habe vor, Fitness-Ökonomie zu studieren. Später will ich mich selbstständig machen mit einem eigenen Fitness-Programm, Coaching oder Modeln.“ Auch Eric legt sich nicht auf die faule Haut: Er arbeitet als Fachinformatiker, zudem nebenberuflich als selbstständiger IT-Dienstleister und als Dozent an der VHS.

Doch das schnelle Geld hat seinen Preis: Vor allem das Vorurteil, dass Influencer fürs Nichts-Tun bezahlt werden, hält sich hartnäckig. „Natürlich bekommen wir für die Zeit, die wir investieren, mehr Geld als ein normaler Arbeiter. Aber am Ende des Tages haben wir immer etwas getan“, sagt Nick.

Außerdem müssen Influencer immer aktiv sein und ihr ganzes Leben im Netz teilen. An Urlaub oder ein paar handyfreie Tage ist mittlerweile gar nicht mehr zu denken. Doch ständig online zu sein, ist für die beiden Leutkircher kein Problem: „Es ist keine Arbeit, sondern unser Hobby“, sagt Nick. „In dem Moment, wo man das als Arbeit sieht, kann man direkt aufhören“, fügt Eric hinzu.

In ihrem Alltag in Leutkirch spüren sie nichts von ihrem doch etwas außergewöhnlichen Job. „Ich glaube schon, dass die Leute reden, aber wir bekommen davon nichts mit“, sagt Nick. In den umliegenden größeren Städten wie Memmingen oder Friedrichshafen ist das anders. Hier werden sie erkannt und auch angesprochen. „Dort ist es auch einfacher, Kooperationen zu schließen“, weiß Eric, „in Großstädten ist diese Art der Werbung weiter verbreitet.“

Ein Umzug kommt momentan aber trotzdem nicht in Frage: „Dadurch, dass wir Influencer aus dem Allgäu sind, heben wir uns von der Masse ab. Es ist unser Markenzeichen.“

Der wohl größte Wunsch älterer Menschen ist es, so lange wie möglich in der gewohnten Umgebung zu bleiben. Weil die Angehörigen dies nicht immer alleine leisten können, springen auf Nachfrage die Engel der Nachbarschaftshilfe ein.

RIEDLINGEN – Gute Taten sind eine Ware, bei der die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt. Genau darin liegt ein Problem der ehrenamtlich Tätigen der Nachbarschaftshilfe. Einsatzleiterin Barbara Engler dazu: „Rund 50 Personen sind bei uns im Ehrenamt gegen eine Aufwandsentschädigung tätig. Wir suchen weitere Helfer und vor allem Männer, um die steigende Nachfrage nach unseren Leistungen befriedigen zu können.“

Die Nachbarschaftshilfe bietet den Menschen in ihrer häuslichen Umgebung eine wertvolle alltagsunterstützende Hilfe. Dazu zählen u.a. der Einkauf von Gegenständen des täglichen Gebrauchs, Frühstücksvorbereitung, die Reinigung der Wohnung im Rahmen des Einsatzes,Begleitdienste für Behördengänge und Arztbesuche, die Entlastung von pflegenden Angehörigen und die Unterstützung bei häuslicher Demenzpflege.

Das Hilfsangebot richtet sich nicht nur an ältere und kranke Menschen, auch Menschen mit Behinderungen, Demenz und pflegende Angehörige werden unterstützt. Die ehrenamtlich tätigen Helferinnen sind dabei stundenweise im Einsatz, ihre Hilfestellung grenzt sich dabei aber von medizinischen Pflegeleistungen ab.

Hilfsbedürftige oder ihre Angehörigen können über Barbara Engler oder die katholische Kirchengemeinde Riedlingen um Hilfe nachsuchen. In einem Erstgespräch wird dann von Engler mit den Angehörigen vor Ort geklärt, welche Hilfe, Unterstützung oder Dienstleistung benötigt wird. Geklärt wird dabei auch die Frage nach dem zeitlichen Aufwand. Um eine möglichst passgenaue Hilfestellung zu gewährleisten, prüft Engler nach dem Gespräch ihren „Mitarbeiterinnen-Pool“ nach deren Qualifikation und zeitlichen Verfügbarkeit. Die infrage kommende Helferin wird dann bei der zu betreuenden Person vorgestellt und der Einsatz besprochen.

Seit 2005 ist die Nachbarschaftshilfe der katholischen Kirchengemeinde Riedlingen am Start. 19 Helferinnen und ein Mann betreuten damals 24 Personen. Mittlerweile ist die Helferzahl auf über 50 Personen angestiegen, allerdings werden derzeit aber rund 160 Personen betreut. War anfangs das Verhältnis Helferinnen betreute Personen nahezu eins zu eins, sind es aktuell drei Personen je Helferin. Stadtpfarrer Walter Stegmann ist überaus dankbar für das Engagement der Ehrenamtlichen: „Das Ziel der Nachbarschaftshilfe ist es, die Angehörigen zu entlasten. Die Helferinnnen kommen aus allen Kirchengemeinden der Seelsorgeeinheit Riedlingen. So können wir gewährleisten, dass untereinander ausgeholfen und bei Bedarf schnell regiert werden kann. Es wäre aber schön, wenn sich weitere Helferinnen und Helfer finden würden, damit die vorhandenen Kräfte Unterstützung erfahren.“

Zum Herbstfest hat Stegmann alle Helfer in das katholische Gemeindehaus Riedlingen eingeladen: „Ziel ist, die Helfer zusammenzubringen und ihnen den Dank der Kirchengemeinde für die geleistete, wertvolle Arbeit abzustatten“ so Stegmann.

Eine Idee, über die noch Uneinigkeit herrscht: Die Stadt Tuttlingen will sich um die Landesgartenschau für den Zeitraum 2026 bis 2030 bewerben. Vergangene Woche trafen sich deswegen die Mitglieder des technischen Ausschusses mit dem Gemeinderat zu einer ersten Abstimmung.

Tuttlingen – „Es soll eine einstimmige Entscheidung sein“, erklärt Oberbürgermeister Michael Beck. Eine besondere Chance sieht er dabei für die Reaktivierung der Brachflächen. Gerade im Bereich der Karl-Storz Straße gebe es diesbezüglich noch Bedarf. Auch die Anbindung des Gewerbegebietes Brenner in Nendingen soll bei dem Projekt miteinbezogen werden. Der große Schwerpunkt des Vorhabens läge allerdings an der Donau.

Auch Michael Hensch, Umweltbeauftragter der Stadt, sieht die Chancen einer Landesgartenschau: „Es würde in der Stadt sicherlich viele neue Impulse setzen“.

Im Technischen Ausschuss herrscht allerdings noch keine Einigkeit. So betonte Michael Seiberlich (CDU): „Wir haben keinen Geldscheißer – aber jede menge Kosten“. Auch Hans-Martin Schwarz (LBU) steht dem Vorhaben noch kritisch gegenüber: „Die Investitionen für eine Landesgartenschau dürfen nicht zu Lasten von Bildungsinvestitionen gehen“. Hellmut Dinkelaker von der SPD sieht das Projekt grundsätzlich positiv. Allerdings müsse man den Bereich noch mehr konkretisieren. Das Gebiet von Möhringen über Tuttlingen bis nach Nendingen sei zu groß.

Auch Rottweil möchte sich bewerben. Vielen gefiel nicht, dass das Planungsbüro Senner bei der Bewerbung Tuttlingen und auch Rottweil betreut.

Dabei besteht die Chance für eine Landesgartenschau in beiden Städten. „Es ist nicht ausgeschlossen, vordergründig bei der Entscheidung sind die Konzepte“, betont Jürgen Wippel, Pressesprecher des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg. „Wichtig ist, dass auch die Bürgerschaft mit eingebunden wird“.

Bei der Abstimmung stimmten sieben Mitglieder dafür, weiter an der Bewerbung zu arbeiten. Elf enthielten sich. Es gab keine Gegenstimmen. Die endgültige Entscheidung fällt der Gemeinderat am Montag, 23. Oktober. Sollte die Mehrheit dafür sein, gibt es am Freitag, 10. November, eine Informationsveranstaltung für die Bürger..

Bier aus der Region – das hört sich gut an. Meistens stimmt das auch: Aus dem heimischen Zapfhahn fließt überwiegend Hopfen und Malz von hier. Aber nicht immer. Die Materie ist kompliziert, es geht um Kosten und Mengen.

region – Wer was übers Bier wissen will, muss bei der Mälzerei fragen. Schwabenmalz verarbeitet an seinen Standorten in Laupheim, Warthausen und Giengen jedes Jahr 70 000 Tonnen Braugerste aus Baden-Württemberg und Bayerisch Schwaben zu 60 000 Tonnen Gerstenmalz, dem wichtigsten Rohstoff für das flüssige Grundnahrungsmittel. Das ist nicht viel, auf dem Biermarkt geht es um riesige Mengen. Aber man hat dort einen Überblick, wo in Oberschwaben Hopfen und Malz für das Bier herkommen.

Vom Prinzip her bevorzugen die Brauereien hier tatsächlich die Rohstoffe aus der Region, sagt Bettina Hempfer-Rost von Schwabenmalz. Das wird auch vom Bauernverband bestätigt. „Hingegen ist es den großen Brauereikonzernen egal, woher die Gerste stammt“, ergänzt sie, „da geht es um den Preis.“ Und an Bezugsquellen bestehe kein Mangel, Braugerste bekomme man das ganze Jahr aus aller Welt. Und so kommt es manchmal auch anders. Fällt in der Region die Ernte schlecht aus, wurde die Braugerste in der Vergangenheit schon mal aus Dänemark zugekauft, berichtet Hempfer-Rost. Und „aus Frankreich wurde vor einiger Zeit sehr günstige Wintergerste in großen Mengen angeboten“, berichtet Klaus Burger vom Kreisbauernverband. „Einige Brauereien hatten dieses Angebot zum Nachteil regionaler Braugerste genutzt.“

Ja, der Preis. Er muss für die Abnehmer stimmen, auch bei der Braugerste aus der Region. Und den gibt der Weltmarkt vor, auch in Biberach und Sigmaringen. Den Landwirten ist er zu niedrig, das sagten sie zumindest beim jüngsten Erntegespräch des Kreisbauernverbandes. Aber auf die Brauereien schimpfen will keiner. „Die Brauereien wollen günstige Preise für die Rohstoffe“, bestätigt Hempfer-Rost. Und damit müssen sich die Bauern arrangieren.

Direkt vom Bauern

Können sie das Getreide auch ohne Zwischenhandel auf direktem Weg an die Brauereien verkaufen? Es gibt tatsächlich mehrere regionale Brauereien, die direkte Lieferverträge mit hiesigen Landwirten unterhalten, sagt Hempfer-Rost und nennt als Beispiel Berg Bier in Ehingen und Härle im Allgäu. Fortsetzung auf Seite 2

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