Muss das denn wirklich sein? - Wochenblatt

Muss das denn wirklich sein?
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19. Oktober 2017
Blutflecken auf dem Kopfsteinpflaster zeugen vom heftigen Sturz Foto: kabou

In der Ravensburger Altstadt müssen Passanten über Kopfsteinpflaster stolpern, das ist schon lange so. Einzelne Streifen sind zwar leichter begehbar. Aber die Stadtverwaltung verlegt weiter fröhlich diese anerkannten Stolperfallen.

ravensburg – Hoppla, was ist das? Direkt vor mir stürzt eine ältere Dame und schlägt böse mit dem Kopf aufs Pflaster. Sie blutet heftig aus einer großen Platzwunde, ansonsten scheint sie unverletzt. Ich rufe trotzdem vorsichtshalber den Krankenwagen. Wie es aussieht, hat sie den Sturz glimpflich überstanden. Und ich frage mich wieder einmal: Muss das wirklich sein? Dass die Altstadt durch weite Felder Kopfsteinpflaster zur Holperstrecke für Rollstuhlfahrer, Menschen mit Rollator oder Kinderwagen und natürlich alle Highheel-Trägerinnen wurde, ist für viele Menschen ein tägliches Ärgernis. Aber die ältere Dame ist am Ravensburger Bahnhof gestürzt, direkt am neu geschaffenen Fahrbahnteiler. Den kann man auf kleinen Wegen überqueren, auf denen Kopfsteinpflaster verlegt wurde – in so großen Abständen, dass die durchaus rüstige Passantin mit ihrem Fuß in einem Spalt hängenblieb. Und das ist kein Einzelfall: Immer wieder erzählen Leser von Stürzen, beschweren sich Rollstuhl- und Rollatorfahrer über dieses Hindernis. Außerdem ist Kopfsteinpflaster gerade im Winter deutlich rutschiger als andere Straßenbeläge.

Wir haben bei der Stadtverwaltung angefragt, warum sie dennoch bei Neuverlegungen dieses Pflaster verwendet. Stadtbaudirektor Ralph-Michael Jung meint, dass man das in Ravensburg „seit jeher“ so mache. Und auch bei den aktuellen Straßenbauprojekten im Fußgängerbereich dabei bleiben will. Grund sind zum einen der Altstadtcharakter der kleinen Steine, aber auch der ökologische Vorteil – in den Spalten kann Regenwasser besser versickern.

Selbst der Stadtbaudirektor sieht aber die Nachteile. Deshalb würde heute gesägtes Pflaster, kombiniert mit Streifen aus Kleinpflaster verwendet. Dieses sei fußgängerfreundlich. Bei der Baumaßnahme am Bahnhof hat man daran wohl nicht gedacht. Außerdem erwähnt Jung noch einen anderen Nachteil: Die Tragfähigkeit von Kopfsteinpflaster ist begrenzt. Fahren also Busse über solche Flächen, werden die Steine verschoben. Und dann muss wie in der Bachstraße umfangreich saniert werden. Siehe Kommentar Seite 2

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