Nicht nur an andere ranhängen - Wochenblatt

Nicht nur an andere ranhängen
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28. Juni 2017
Dirigentin Kerstin Bösch mit der Jugendkapelle Uttenweiler beim Jugendmusiktreffen in Andelfingen: „In Jugendkapellen können Jungmusiker Selbstbewusstsein aufbauen“. Foto: maximilian kohler

Warum sind Jugendkapellen wichtig? Wir sprachen mit der Dirigentin der Jugendkapelle Uttenweiler, Kerstin Bösch.

Beim Frühlingsfest in Andelfingen dirigierten Sie 40 Nachwuchsmusiker des MV Uttenweiler. Wie erklären Sie sich diese stattliche Zahl?

Kerstin Bösch: Die allgemeine Entwicklung, dass die Zahl der Jungmusiker in den Vereinen deutlich zurückgegangen ist, ist auch im Musikverein Uttenweiler zu beobachten. Der demographische Wandel und die große Vielfalt an Alternativen in der Freizeitgestaltung zählen sicherlich mit zu den Haupt-ursachen. Aber: Im März wurde die Kooperation mit den Musikvereinen der Teilgemeinden Dieterskirch und Offingen wieder neu ins Leben gerufen, weshalb die Zahl der Jungmusiker zu diesem Zeitpunkt deutlich angestiegen ist. Derzeit gilt es also, die Herausforderung zu meistern, dass die noch teilweise sehr unerfahrenen Musiker zu einem Orchester zusammenwachsen.

Das braucht sicher Zeit. Werden die nicht in ihren Stammkapellen gebraucht?

Ich wünsche mir, aber das muss sich im Laufe der kommenden Jahre erst entwickeln, dass die Jugendkapelle von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht nur als ein Zwischenstopp oder Sprungbrett in die jeweilige Stammkapelle angesehen, sondern als eine für sich stehende musikalische Größe wahrgenommen wird.

Warum?

Die Ausbildung auf den Instrumenten soll durch das Musizieren in der Jugendkapelle unterstützt werden. Aus meiner Sicht ist das Musizieren im Orchester ein wesentlicher Bestandteil jeglicher Instrumentalausbildung. Die Jugendkapelle soll den Rahmen bieten, ein musikalisches Selbstbewusstsein bei den Musikern aufzubauen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie leicht man dazu neigt, als Jungmusiker in der Stammkapelle sich an die erfahrenen Musiker einfach ranzuhängen und nur mitzuspielen, anstatt eigenständig und selbstsicher seine eigene Stimme zu verantworten. Doch dieses Selbstvertrauen muss erarbeitet und eingeübt werden.

Sind Sie „nur“ Dirigentin oder bilden Sie den Nachwuchs auch aus, wenn ja, an welchen Instrumenten?

Kerstin Bösch: Mit etwa 16 Jahren habe ich begonnen, meine ersten Klarinettenschüler auszubilden. Nach den D-Lehrgängen des Blasmusikkreisverbandes habe ich nach und nach die entsprechenden Weiterbildungskurse des Blasmusiklandesverbandes, also C1 und C2, besucht. Es ist schön, sein Wissen weiterzugeben und dadurch die eigene Ausbildung sowohl durch das Spielen, als auch durch die Ausbildung quasi doppelt in Wert zu setzen. Mit dem Beginn der Dirigiertätigkeit als Jugenddirigentin habe ich allerdings aus zeitlichen Gründen die Ausbildungsarbeit stark reduziert.

Seit wann sind Sie Dirigentin?

Parallel zu meinem Studium an der Pädagogischen Hochschule Weingarten habe ich den C3-Lehrgang des Blasmusiklandesverbandes in Kürnbach besucht. Zunächst war es für mich nur eine weitere Ergänzung zu meinem Studium, da ich u.a. das Fach Musik studierte und die dort vermittelten Kompetenzen auch im schulischen Kontext nützlich sind. Doch in den letzten Jahren habe ich in meinem eigenen Musikverein, dem MV Tiefenbach immer wieder vertretend dirigiert und Proben oder Auftritte übernommen. Anfang dieses Jahres kam dann die Anfrage des Musikvereins Uttenweiler, ob ich mir die Leitung der Jugendkapelle vorstellen könnte.

Welche besonderen Konzerte hat die Jugendkapelle bisher gespielt?

Der Auftritt beim Jugendmusikkapellentreffen in Andelfingen war unsere Feuerprobe. Neben zwei weiteren Unterhaltungsauftritten stehen in diesem Jahr vor allem der Auftritt beim Weihnachtskonzert des Musikvereins Uttenweiler im Fokus unserer Probenarbeit nach den Sommerferien.

Was gefällt Ihnen am Format des Jugendmusikkapellentreffens in Andelfingen?

Für die Jugendlichen bietet dieser zwanglose Rahmen die Möglichkeit, auf andere Jungmusiker zu treffen, sich mit ihnen auszutauschen und sich den anderen zu präsentieren, ohne beispielsweise dem Druck eines Wertungsspiels wie dem Kreisjugendmusiktag ausgesetzt zu sein.

Welche der anderen Nachwuchskapellen hat bei Ihnen einen besonders positiven Eindruck hinterlassen und warum?

Durch die variierende Besetzung und das wechselnde Repertoire war es schön zu hören, wie jede Jugendmusikkapelle ihren ganz eigenen Charakter musikalisch auf die Bühne brachte. Wobei das Kooperationsjugendorchester Die Dapper gleich zu Beginn rhythmisch und solistisch stark den Abend eröffnet hat. Maximilian Kohler

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