Keine Chance für Spanner - Wochenblatt

Keine Chance für Spanner
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13. Juli 2017
Gerade auch Minderjährige sollen durch ein Fotografierverbot im Freibad geschützt werden Foto: S. Kobold / Fotolia Insbesondere Kinder sollen durch ein Fotografierverbot im Freibad geschützt werden Foto: S. Kobold / Fotolia Insbesondere Kinder sollen durch ein Fotografierverbot im Freibad geschützt werden Foto: S. Kobold / Fotolia

Ein Mann fotografiert im Freibad. Das kommt einem Badegast komisch vor, er informiert den Bademeister. Der wiederum ruft die Polizei. Gegen den 55-jährigen Handyfotografen wird nun wegen Verdachts auf unerlaubten Besitz pornografischer Bilder ermittelt. So geschehen in Wangen. Wo gibt‘s zum Schutz vor Spannern ein Knipsverbot? Das WOCHENBLATT hat sich in der Region umgehört.

Region – Heiß diskutiert: Viele Freibäder in Großstädten, aber auch in Ravensburg, haben ein Fotografierverbot eingeführt. Das soll vor allem dem Schutz von Kindern dienen. Manche Bäder geben Aufkleber aus, mit denen Besucher gleich am Eingang die Handy-Linse zukleben sollen. Und nun rückt das Thema durch den Wangener Fall auch in der Region in den Fokus.

Ein Fotografierverbot schien laut Maik Uliczek, Betriebsleiter des Wangener Freibades, bislang in Wangen nicht notwendig – auch wenn im vergangenen Jahr mal jemand beim Knipsen über die Umkleidewand und diesen Sommer mit dem Handy unter Wasser erwischt wurde. Beides Mal griff Uliczek ein. „Es wurde ohne Probleme sofort unterlassen beziehungsweise die Bilder gelöscht.“ Und wie sieht es nach dem Vorfall aus, bei dem die Polizei zwar keine Fotos von Badegästen auf dem Handy des 55-Jährigen fand, jedoch anderes einschlägiges Bildmaterial?

„Eigentlich sollte die Badeordnung erst nach der Sanierung des Freibads überarbeitet werden. Doch nach diesem Vorfall gibt es spätestens ab August ein Fotografier- und Filmverbot im Freibad Stefanshöhe“, erklärt Hermann Spang, Amtsleiter des Kultur- und Sportamts der Stadt Wangen.

Generell das Handy verbieten will Spang aber nicht: „Man soll ja noch Nachrichten schreiben können, etwa, dass man noch länger im Freibad bleibt oder abgeholt werden möchte“, argumentiert er. Natürlich könne das Fotografier- und Filmverbot vom Badpersonal nicht ständig überwacht werden, aber „wenn jemand etwas bemerkt oder sich belästigt fühlt und sich beim Personal deswegen meldet, gibt es damit eine Handhabe.“

Die Badeordnung des Leutkircher Freibades sieht kein generelles Fotografierverbot vor, für gewerbliche Zwecke ist eine Genehmigung nötig. „Wir haben einen Passus, in dem es um den Anstand geht und dass andere nicht belästigt werden. Das hat bisher gereicht“, sagt Thomas Stupka, Pressesprecher der Stadt Leutkirch. „Ein Verbot muss ja auch kontrolliert werden. Und extra Sittenwächter halten wir für übertrieben.“

Auch in Kißlegg gab es für ein Fotografier- oder Handyverbot in der Badeordnung noch keinen Anlass. „Uns sind diesbezüglich keine Vorkommnisse oder Beschwerden bekannt“, sagt Sabine Weisel von der Kißlegger Gemeindeverwaltung.

Für Michael Mattner, Geschäftsführer von Waldbad-Camping Isny, ist es denkbar, dass er ein Fotografierverbot in der Haus- und Badeordnung verankert, sofern das aus seiner Sicht notwendig wird. „Bislang gab es bei uns aber noch nie Probleme“, sagt er.

Das rät die Polizei

Die Nutzung von Smartphones mit Kamerafunktion birgt natürlich Potenzial für Missbrauch. Auch deshalb, weil gar nicht immer zu sehen ist, ob jemand fotografiert oder doch nur im Internet surft beziehungsweise eine Nachricht schreibt. Das rät die Polizei:

• Generell gilt im Freibad: Kommt einem das Verhalten einer Person seltsam vor oder hat man den Eindruck, dass man selbst oder Kinder fotografiert oder gefilmt werden, ist der erste Ansprechpartner das Schwimmbad-Personal. Dieses hat das Hausrecht, kann daher tätig werden und wird gegebenenfalls die Polizei rufen

• Ob es sich dann im Einzelnen um eine Straftat handelt, wird die Polizei etwa durch Überprüfung des Handys, durch Nachfragen nach dem Grund des Fotografierens beziehungsweise weiteren Ermittlungen klären Viola Krauss

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