Marihuana, Koks und Heroin - Wochenblatt

Marihuana, Koks und Heroin
Empfehlung

30. November 2017
Drogensucht ist nicht nur in Großstädten ein Problem. Kontakt zum Elternkreis Leutkirch unter www.elternkreis-leutkirch.jimdo.com Foto: pixabay

Gerade fand im Leutkircher Kino „Central-Theater“ ein Drogenpräventionstag statt. Denn anders als viele denken, gibt es nicht nur in Großstädten Probleme mit Drogen – auch in Leutkirch werden sie konsumiert und gehandelt.

Leutkirch – „In Leutkirch bekommt man wirklich alles – egal ob Marihuana, Amphetamine, LSD oder Kokain“, sagt Beate Stör, Leiterin des Leutkircher „Elternkreis Suchtkranker“. Sie hat gemeinsam mit Janette Lorenschait, Mitarbeiterin des Jugendhauses, den Drogenpräventionstag organisiert.

Vor 16 Jahren gründete Stör den Elternkreis – als sie herausfand, dass ihr Sohn heroinsüchtig ist und es in der näheren Umgebung keine derartigen Angebote gibt. „Leutkirch war schon vor zehn Jahren eine aktive Ecke“, weiß sie. Das wollen ihrer Meinung nach aber viele Bürger einfach nicht wahrhaben. „Es gilt als Tabuthema. Dabei nutzt es niemandem etwas, darüber zu schweigen.“

Thema in allen Schichten

Denn das Problem betrifft jeden: „Ich weiß von Anwälten, Ärzten und Lehrern, deren Kinder Drogen konsumieren. Von Managern, die Crystal-Meth-süchtig sind, weil sie anders nicht dem Druck und Stress standhalten – Drogensucht betrifft alle Schichten“, sagt Stör.

Die Gründe, warum Menschen Drogen nehmen, sind vielfältig: „Manche nehmen es zum Spaß, andere gegen ihr geringes Selbstwertgefühl, aus Gruppenzwang oder weil sie der Realität entfliehen wollen“, sagt Lorenschait. Die 29-Jährige hat selber bereits ihre eigenen Erfahrungen mit Drogen gemacht. „Ich habe viele Leute abstürzen sehen und auch Menschen deswegen verloren“, erzählt sie. Deshalb leistet sie Präventionsarbeit, will die Leute aufklären und vor Schlimmerem bewahren. Unter anderem auch, weil der Konsum nicht nur der Gesundheit und Psyche schadet, sondern oft auch dem Umfeld: „Um die Drogen zu finanzieren, rutschen viele in die Kriminalität ab. Das schafft noch mehr Probleme.“

Ist man erst einmal in der Abwärtsspirale der Sucht, und möglicherweise auch der Kriminalität, gefangen, ist es sehr schwer, wieder heraus zu kommen. „Eltern, Angehörige und auch der Betroffene selbst können sich Hilfe suchen. Es hilft oft, darüber zu reden – bei Heroinabhängigen gibt es auch die Möglichkeit der Substitution*“, erzählt die 67-Jährige.

Oft kommen Eltern auf sie zu und erwarten ein Patentrezept gegen die Drogensucht ihres Kindes – aber das gibt es nicht: „Es muss bei dem Betroffenen im Kopf anfangen. Selbst die Eltern haben keinen direkten Einfluss darauf.“

„Liebe, Mitgefühl und Verständnis können auch helfen“, fügt Lorenschait hinzu, „auch Drogensüchtige sind Menschen mit Rechten und Gefühlen. Ablehnung und Ausgrenzung kann alles nur noch schlimmer machen.“

INFORMATION

Im Landkreis Ravenbsurg gab es im Jahr 2016 1133 Delikte der Rauschgiftkriminalität. Davon 37 in Isny, 22 in Kißlegg, 127 in Leutkirch und 144 in Wangen.

KOMMENTAR

Anders als viele annehmen, ist Drogensucht nicht nur in Großstädten, sondern auch bei uns in der Region präsent (Bericht S. 1). Die Abhängigen stehen meist am Rande der Gesellschaft. Denn wer süchtig ist, gilt als schwach, weil er sein Verlangen nicht so kontrollieren kann wie andere Menschen.

Kein Wunder also, dass sich die Betroffenen selbst und auch ihre Angehörigen schämen, offen über das Thema zu reden oder sich Hilfe zu suchen. Aber das ist falsch! Darüber zu schweigen schafft keine Probleme aus der Welt, sondern macht sie nur noch schlimmer. Sucht ist eine Krankheit und sie ist behandelbar. Dabei ist es wichtig, darüber zu reden und sich Hilfe zu suchen. Zwar gibt es in der Region noch nicht viele Anlaufstellen (siehe rechts), aber dennoch Hilfe: Elternkreise, Psychologen, Substitutionsärzte und sogar ein Kontaktladen in Ravensburg können den Abhängigen Hilfe geben.

Sich einzugestehen, dass man ein Problem hat und dann offen darüber zu sprechen, kann schon einiges verändern. Dafür Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist ein erster Schritt.

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