ULM — Augen­op­ti­ker, Zahntech­ni­ker, Hörakus­ti­ker, Ortho­pä­die­tech­ni­ker und Ortho­pä­die­schuh­ma­cher sind ein wichti­ger Teil des Gesund­heits­sys­tems: Sie sind erste Anlauf­stel­le für ihre Kundin­nen und Kunden, die eine medizi­ni­sche Versor­gung benöti­gen. Sie sind kompe­ten­te Beratung vor Ort. Das Handwerk mit seinen überwie­gend mittel­stän­di­schen, inhaber­ge­führ­ten Betrie­ben fördert und steigert so die Versor­gungs­qua­li­tät im Land. Auf der jährli­chen gemein­sa­men Gesund­heits­kon­fe­renz des Baden-Württem­ber­gi­schen Handwerks­tags (BWHT) und der Handwerks­kam­mer Ulm tausch­ten sich die Gesund­heits­hand­wer­ker jetzt zu den aktuel­len Heraus­for­de­run­gen für die Branche aus. „Sind die Gesund­heits­hand­wer­ke stark und können ihrer Arbeit nachkom­men, ist die Bevöl­ke­rung unserer Region gesün­der“, sagt Dr. Tobias Mehlich, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Handwerks­kam­mer Ulm. 

Hinzu kommt außer­dem, dass leistungs­fä­hi­ge Betrie­be — darun­ter auch das Gesund­heits­hand­werk — eine Region prägen. Sie schaf­fen Arbeits­plät­ze vor Ort, bilden Fachkräf­te aus und machen Wohnor­te attrak­tiv. Allein zwischen Ostalb und Boden­see arbei­ten mehr als 120.000 Beschäf­tig­te und rund 8.000 Azubis in den über 19.500 Handwerks­be­trie­ben. 580 Betrie­be im Gebiet der Handwerks­kam­mer Ulm sind in der Gesund­heits­bran­che tätig. Für sie wird es immer schwie­ri­ger, im Wettbe­werb mit den großen Konzer­nen in den USA zu bestehen. Neue Anfor­de­run­gen an Digita­li­sie­rung, Daten­schutz, aber auch erhöh­te Dokumen­ta­ti­ons­pflich­ten sorgen für eine Wettbe­werbs­ver­zer­rung auf dem Markt.

Seit einem halben Jahr nun spüren die Gesund­heits­hand­wer­ker die Auswir­kun­gen und Heraus­for­de­run­gen der europäi­schen Medizin­pro­duk­te­ver­ord­nung (MDR). Unter Medizin­pro­duk­ten versteht die Verord­nung alle Produk­te, die dazu dienen, am Menschen eine Krank­heit, Verlet­zung oder Behin­de­rung vorher­zu­sa­gen, zu diagnos­ti­zie­ren, zu überwa­chen oder zu behan­deln. Wer Medizin­pro­duk­te herstellt, mit ihnen handelt oder vorge­fer­tig­te Produk­te an Patien­ten anpasst, ist davon betrof­fen. Bei der Gesund­heits­kon­fe­renz sind sich die Vertre­ter von Hörakus­ti­ker, Zahntech­ni­ker, Augen­op­ti­ker oder Ortho­pä­die­tech­ni­ker und Ortho­pä­die­schuh­tech­ni­ker einig, dass sie für ihre Kundin­nen und Kunden Vertrau­ens­per­so­nen sind. Sie gingen auf deren Nöte und Wünsche ein. In erster Linie sei es immer der Mensch, der dabei im Vorder­grund stehe — und stehen sollte. Erst an zweiter Stelle dürfe die Dokumen­ta­ti­on folgen. 

Die Nachweis­do­ku­men­ta­ti­on über die Einhal­tung der grund­le­gen­den Leistungs- und Sicher­heits­an­for­de­run­gen an die Produk­te verlangt den Gesund­heits­hand­wer­kern perso­nel­le und finan­zi­el­le Ressour­cen ab. Dabei macht die MDR nur wenige Ausnah­men für Sonder­an­fer­ti­ger. Sie kennt auch keine Zwischen­pro­duk­te. Die Folgen: Die Innova­ti­ons­kraft nimmt ab, das Wissen wandert langfris­tig vom Stand­ort weg und die Versor­gung der Bürge­rin­nen und Bürger verschlech­tert sich. „Immer wichti­ger wird es deshalb für Gesund­heits­hand­wer­ker sich zusam­men­zu­schlie­ßen und gemein­sam mit ihren Innun­gen und Fachver­bän­den Schwie­rig­kei­ten anzuspre­chen und Lösun­gen aufzu­zei­gen“, betont Julia Stecke­ler, Geschäfts­füh­re­rin der Medical­Moun­tains GmbH, in ihrem Fachvor­trag bei der Gesund­heits­kon­fe­renz. Ihr Ratschlag: „Erarbei­ten Sie gemein­sam Strate­gien und Argumen­ta­ti­ons­li­ni­en, um die MDR auch für die Gesund­heits­hand­wer­ke praxis­taug­lich zu machen und unter­stüt­zen Sie sich gegenseitig.“