BERLIN (dpa) — Unter­schied­li­che Corona-Signa­le zum Jahres­wech­sel: Omikron könnte selte­ner schwer krank machen — die rasan­te Verbrei­tung erhöht trotz­dem das Risiko für Ungeimpfte.

Die Bundes­re­gie­rung und promi­nen­te Virolo­gen haben sich vorsich­tig optimis­tisch über die mögli­chen Auswir­kun­gen der Omikron-Welle in Deutsch­land geäußert — zugleich aber vor einer wachsen­den Gesund­heits­ge­fahr für Ungeimpf­te gewarnt.

«Wir haben zu viele ungeimpf­te Leute in Deutsch­land, gerade über 60, und die sind jetzt natür­lich richtig in Gefahr, also für die wird es jetzt richtig gefähr­lich», sagte der Berli­ner Virolo­ge Chris­ti­an Drosten im Deutsch­land­funk. Drosten und Gesund­heits­mi­nis­ter Karl Lauter­bach (SPD) verwie­sen zugleich auf Studi­en über etwas selte­ne­re schwe­re Krank­heits­ver­läu­fe durch Omikron.

Der Omikron-Anteil an den Infek­tio­nen in Deutsch­land nimmt laut jüngs­tem Wochen­be­richt des Robert Koch-Insti­tuts (RKI) rasant zu. Wie hoch die Omikron­wel­le bereits ist, ist unklar. Zwischen den Jahren könne die epide­mio­lo­gi­sche Lage weniger vollstän­dig gezeigt werden, so das RKI. Drosten erläu­ter­te, es gebe in Deutsch­land wahrschein­lich eine etwas langsa­me­re Omikron-Wachs­tums­ra­te als in England. Dort gab es zuletzt 189.000 Corona-Neuin­fek­tio­nen am Tag, in Deutsch­land 41.240. In Großbri­tan­ni­en gebe es alle zwei Tage eine Verdop­pe­lung der Omikron-Fälle, hierzu­lan­de etwa alle vier Tage, so Drosten.

Bundes­kanz­ler Olaf Scholz (SPD) sagte in seiner Neujahrs­an­spra­che: «Tun wir mitein­an­der alles — aber auch wirklich alles — dafür, dass wir Corona im neuen Jahr endlich besie­gen können.» Angesichts einer raschen Omikron-Ausbrei­tung gelte es, alle Impfan­ge­bo­te zu nutzen. «Jetzt kommt es auf Tempo an. Wir müssen schnel­ler sein als das Virus», sagte Scholz laut vorab verbrei­te­tem Redetext.

Drosten zeigte sich skeptisch auf die Frage, ob sich Deutsch­land quasi aus der Omikron-Welle heraus­boos­tern könne. «Wenn die Verbrei­tungs­ge­schwin­dig­keit in Deutsch­land deutlich langsa­mer ist und wenn die auch nochmal im Januar zusätz­lich kontrol­liert wird, dann ist das rein theore­tisch denkbar, aber ich würde das für schwie­rig halten», sagte er.

Hoffnung — aber weiter Risiko für Klini­ken und Infrastruktur:

Der Bonner Virolo­ge Hendrik Streeck drück­te in der Sendung «RTL Direkt» die Hoffnung aus, «dass wir eine milde­re Welle bekom­men». Hoffnung macht Virolo­gen und Regie­rung, dass bei Omikron die Krank­heits­schwe­re sehr wahrschein­lich abgemil­dert ist. Hierfür mehrten sich die Daten, sagte Drosten. Ein Ungeimpf­ter mit Omikron-Infek­ti­on trage drei Viertel des Risikos einer Kranken­haus­ein­wei­sung eines Ungeimpf­ten mit Delta. Lauter­bach schrieb auf Twitter über die Daten aus Südafri­ka, diese zeigten, «dass Omicron sich zwar 4 mal so schnell wie Delta verbrei­te­te, aber deutlich weniger schwe­re Fälle verur­sach­te». Klare Schlüs­se auf ältere Ungeimpf­te lasse die Studie aber nicht zu.

Der Leiter des Inten­siv­re­gis­ters der Deutschen Inter­dis­zi­pli­nä­ren Verei­ni­gung für Inten­siv- und Notfall­me­di­zin, Chris­ti­an Karagi­ann­i­dis, sagte der «Rheini­schen Post»: «Die schie­re Anzahl von Neuin­fek­tio­nen, auf die wir derzeit zusteu­ern, könnte die Inten­siv­ka­pa­zi­tä­ten dennoch vor große Heraus­for­de­run­gen stellen, noch mehr aber die Hospi­ta­li­sie­rung insge­samt.» Laut RKI ist weiter mit einer schlag­ar­ti­gen Erhöhung der Infek­tio­nen und einer Überlas­tung des Gesund­hei