BERLIN (dpa) — In Berlin tummeln sie sich in Behör­den, im Bus und auf dem Dach. Füchse sind in manchen Großstäd­ten häufi­ger anzutref­fen als in vielen Waldge­bie­ten. Was hat es damit auf sich?

Wenn in Berlin ein Schuh vor der Haustür fehlt, dann liegt tatsäch­lich die Vermu­tung nahe, dass es ein Fuchs war. Die Tiere sind in Großstäd­ten keine Selten­heit mehr, in der Haupt­stadt sind sie mittler­wei­le fast überall anzutreffen.

Da kann es auch sein, dass sich ein Exemplar mal auf einem Dach tummelt, im Linien­bus Platz nimmt oder in einer Behör­de mit einem Karton einge­fan­gen werden muss.

«Es kann auch passie­ren, dass ein Fuchs sich im Botani­schen Garten mit auf die Picknick­de­cke setzt», sagt die Wildtier­ex­per­tin Sophia Kimmig, die das Leben der Füchse in der Stadt seit einigen Jahren erforscht. Auf der Wiese vor dem Berli­ner Reichs­tag stünden die Chancen, den grazi­len Tieren mit dem zumeist roten Fell und den bernstein­far­be­nen Augen zu begeg­nen, in der Dämme­rung beson­ders gut.

10 000 bis 15 000 Füchse in Berlin

Und der rothaa­ri­ge Dauer­gast im Garten von Schloss Belle­vue trägt sogar einen Namen — «Theo» nach dem frühe­ren Bundes­prä­si­den­ten Theodor Heuss. Zuvor hatten sich mehr als 10 000 Insta­gram-Nutzer an der Namens­fin­dung betei­ligt. «Schät­zun­gen zufol­ge leben in Berlin etwa 10 000 bis 15 000 Füchse, die absolu­te Mehrzahl aber heimlich und von uns unbemerkt», so die Wildbio­lo­gin und Buchau­torin Kimmig («Von Füchsen und Menschen»).

Auch andere deutsche Großstäd­te seien von Füchsen besie­delt. Oft seien die Tiere dort sogar deutlich stärker verbrei­tet als ihre Artge­nos­sen in der freien Wildbahn. «In München-Schwa­bing ist die Fuchs­dich­te zum Beispiel 10 bis 15 Mal höher als im Bayeri­schen Wald», so Kimmig.

Relativ viele Füchse lebten beispiels­wei­se auch in Zürich mit elf oder im engli­schen Bristol mit 19 Tieren pro Quadrat­ki­lo­me­ter. In Deutsch­land seien im ländli­chen Raum im Schnitt 0,5 bis 1,5 Füchse pro Quadrat­ki­lo­me­ter anzutreffen.

Der Stadt­fuchs ist eher Sammler als Jäger

Großstäd­te seien einer­seits wegen ihres Nahrungs­an­ge­bots inter­es­sant. «Füchse ernäh­ren sich haupt­säch­lich von Mäusen, aber auch Ratten und Regen­wür­mern, gern auch von Fallobst in den Gärten und Abfäl­len der Menschen», so Kimmig. «In der Stadt sind Füchse eher Sammler als Jäger», ergänzt Derk Ehlert, Wildtier­ex­per­te der Umwelt-Senats­ver­wal­tung Berlin.

Außer­dem seien größe­re Städte wegen ihrer hetero­ge­nen Struk­tur beson­ders gut als Lebens­raum geeig­net. «Der Fuchs braucht nicht unbedingt viel Grün, sondern vor allem Rückzugs­mög­lich­kei­ten wie Brach­flä­chen und einge­zäun­te Gelän­de», so Kimmig. «Die Füchse sind extrem gut darin, Orte in der Stadt zu finden, an denen wir Menschen nicht sind».

Die Hitze mache den Tieren nicht so sehr zu schaf­fen. «Der Fuchs gehört zu den wenigen Arten in der Stadt, die die Hitze gut wegste­cken», sagt Kimmig. Seinen Flüssig­keits­be­darf decke der Fuchs haupt­säch­lich über Mäuse. «Füchse halten extrem viele verschie­de­ne Tempe­ra­tu­ren aus. Der Fuchs ist das erfolg­reichs­te Landraub­tier der Erde, weil er so flexi­bel ist», so Kimmig.

Der größte Stör- und Stress­fak­tor für die Tiere in der Stadt sei der Mensch. Seit Jahrhun­der­ten werde der Fuchs in der freien Wildbahn gejagt, in Deutsch­land noch stärker als anders­wo in Europa. «Etwa 450 000 Füchse werden pro Jahr in Deutsch­land erl